FLAWIL: Fast jede Woche ein Einbruch

Ein heute 22-jähriger gebürtiger Thailänder war 2016 während zweier Monate ein Serieneinbrecher. Vor Kreisgericht setzte es gestern eine bedingte Haftstrafe ab. Einen Monat muss er dennoch ins Gefängnis.

Simon Dudle
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«Freudenberg» Oberuzwil: 1500 Franken Beute, 4250 Franken Schaden.

«Freudenberg» Oberuzwil: 1500 Franken Beute, 4250 Franken Schaden.

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Auf die Taten angesprochen, zeigte sich der heute in Sirnach lebende Mann geständig, aber recht wortkarg: «Ich weiss auch nicht genau, was damals passiert ist. Es gab viele Probleme. Ich hatte gekifft.» Für acht Einbrüche in weniger als zwei Monaten wurde ihm gestern eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten auf­gebrummt. Da der Strafvollzug entgegen des Antrags der Staatsanwaltschaft ausschliesslich bedingt ist, muss er die Strafe nicht absitzen. Die Staatsanwältin hatte gefordert, dass von den gesamthaft vierzehn Monaten Strafe sechs hinter schwedischen Gardinen zu verbringen sind.

Die Einbrüche waren vornehmlich in Restaurants der Region Wil und der Ostschweiz erfolgt. Unter den betroffenen Gastronomiebetrieben sind der «Freudenberg» und das «Jägerhaus» in Oberuzwil. Bei Letzterem wurde zusätzlich der danebenliegende Verkaufsladen beschädigt (Ausgabe von gestern). «In jener Phase hat die Täterschaft an fast jedem Wochen­ende Einbrüche verübt», sagte die Staatsanwältin. «Das war eine rabenschwarze Zeit, welche meinen Mandanten noch lange beschäftigen wird», führte der Verteidiger aus. Er ergänzte: «Er muss nicht mit Gefängnis bestraft werden, dass er es lernt. Man würde damit mehr Schaden anrichten als helfen. Das Strafverfahren war ein gewaltiger Weckruf für ihn.» Nachdem die Staatsanwältin entgegnet hatte, dass eine bedingte Freiheitsstrafe ihre Wirkung verfehlen würde, kam der Richter im Urteil zum Schluss, auf die unbedingte Freiheitsstrafe zu verzichten. «Wir tun das im Wissen, dass der Täter während der Untersuchungshaft schon 50 Tage abgesessen hat», sagte der Richter. «Ich hoffe, dass Sie nicht mehr den Drogen verfallen und im Leben Fuss fassen», mahnte er den Verurteilten. Der damals Arbeitslose hatte im Verlauf der Verhandlung angegeben, mittlerweile einen Job als Verkäufer gefunden zu haben.

Auf eine Doppelbestrafung verzichtet

Trotzdem muss der temporäre Serieneinbrecher ins Gefängnis. Die Taten verübte er 2016, keine zwei Jahre nach einer Verurteilung am Bezirksgericht Münchwilen. Da die Probezeit noch nicht verstrichen war, muss er nun jene Strafe absitzen. Das sind 30 Tage.

Ein weiterer Punkt sorgte gestern für Meinungsverschiedenheiten vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hatte gefordert, dass der 22-Jährige eine Ersatzforderung von rund 14700 Franken zu bezahlen habe. Davon sah das Gericht aber ab, da der Täter die Kosten für die Schäden wird begleichen müssen. «Wir verzichten damit auf eine Doppel­bestrafung», sagte der Richter bei der Urteilsbegründung.

Geforderte Strafe um einen Drittel reduziert

In gleicher Thematik stand gestern noch ein zweiter junger Erwachsener aus Sirnach vor dem Kreisgericht Wil in Flawil. Er hatte sich, so quasi als Gehilfe, an sechs der acht Einbrüche beteiligt. Auch der knapp 21-jährige Dachdecker war geständig und wortkarg. Er sprach lediglich davon, es sei eine «dumme Idee» gewesen. «Das war völlig daneben», präzisierte der Richter.

Dem Mittäter wurde eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 100 Franken auferlegt. Die Staatsanwaltschaft hatte 360 Tagessätze gefordert. Auch hierbei verzichtete das Gericht darauf, eine von der Staatsanwaltschaft geforderte Ersatzforderung im fünfstelligen Bereich auszusprechen.