FLAWIL: Eiszeit unter Tag

In den 50ern schossen sie wie Pilze aus dem Boden, inzwischen haben sie Seltenheitswert: Die Gemeinschaftsgefrieranlagen. In der Flawiler Egg gibt es noch eine. Und deren Auslastung ist permanent hoch.

Andrea Häusler
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Die Gemeinschaftsgefrieranlage ist im Untergeschoss der Garage untergebracht und der Mieterschaft jederzeit zugänglich. (Bild: Andrea Häusler)

Die Gemeinschaftsgefrieranlage ist im Untergeschoss der Garage untergebracht und der Mieterschaft jederzeit zugänglich. (Bild: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Der Fortschritt hat die Kälte längst in jedes Haus, jede Wohnung gebracht. Tiefkühlfächer sind heute in Einbauküchen Standard, Gefrierschränke und -truhen in Kellern weit verbreitet. Komfort pur: Der Langzeitvorrat an Lebensmitteln ist jederzeit zugänglich – innerhalb der eigenen vier Wände. Eine Konkurrenz­situation, der eine Vielzahl öffentlicher Gefrieranlagen nicht standzuhalten vermochte. Die meist genossenschaftlich geführten Gemeinschaftskühlhäuser verschwanden aus den Dörfern und Städten. In der Flawiler Egg steht eine der letzten ihrer Art, erbaut im Jahr 1956. Eigentümerin ist auch hier eine Genossenschaft. Der Betrieb floriert, die Nachfrage ist ungebrochen hoch, sagt deren Präsident Walter ­Fitze. «Die Auslastung liegt bei durchschnittlich 90 Prozent.»

Aus seiner Sicht sind öffentliche Gefrieranlagen – in der heute noch betriebenen Zahl – alles andere als Auslaufmodelle. Denn sie bieten gegenüber den gängigen Haushaltmodellen durchaus relevante Vorteile. Einer ist die Grösse der Fächer, die Platz für 100, 200, 300 und 400 Liter Tiefkühlgut bieten. Gefragt seien vor allem die grossen Boxen, sagt Walter Fitze. Die seien praktisch immer vermietet. Zu seinen Grosskunden zählt ein Biobauernhof, der hier Gemüse lagert, aber auch Landwirte und Selbstvermarkter zählen zu den Mietern. Diese kommen teilweise aus der weiteren Umgebung: aus Herisau, Unterrindal oder Bichwil beispielsweise. Ein weiterer Vorzug des Grosskühlhauses sei die Effizienz des Gefriervorgangs. «Wenn grosse Fleischmengen gefroren werden sollen, sind leistungsstarke Kühlaggregate das A und O für die Qualitätssicherung der Produkte.» Schliesslich sei das die Lagerung von Gefriergut in Mietfächern in der Gesamtrechnung einiges billiger als in privaten Kühltruhen, bei denen nebst den Anschaffungskosten auch der Strom­verbrauch ins Gewicht falle. 40 Franken pro Jahr kostet in der Gemeinschaftsgefrieranlage Egg-Flawil ein 200-Liter-Fach, 125 Franken eine 400-Liter-Box.

Die Rechnung stimmt am Jahresende

Insgesamt bietet die Genossenschaft ein Gefrierraumvolumen von 14600 Litern an. Derzeit ist Raum zur Vermietung ausgeschrieben. Weil ein Grosskunde aus Kapazitätsgründen eine ei­gene Gefrierlösung umgesetzt hat, wie Walter Fitze sagt. Einige ­Fächer seien zwischenzeitlich ­jedoch bereits wieder weg.

Obwohl vor zwei Jahren das Kühlaggregat ersetzt worden ist und sich die Anlage nun in ­Topzustand befindet, wie Fitze hervorhebt, steht die Genossenschaft auch finanziell auf einer soliden Basis. «Wir schreiben schwarze Zahlen», sagt der Präsident. Reich werde man vom Betrieb allerdings nicht. «Der Gewinn reicht jedenfalls nicht aus, um alle mit in die Ferien zu nehmen.» Alle, das sind die 16 Genossenschafterinnen und Genossenschafter, die an der Egger Gemeinschaftsanlage beteiligt sind.