FLAWIL: Eine Idee war Stein des Anstosses

Die Freilichtspiele im Flawiler Weiler Burgau sind Geschichte. Siebenmal kam «Recht und Gerechtigkeit» des einheimischen Autors Xaver Köpfli zur Aufführung. Die Macher ziehen nun Bilanz.

Zita Meienhofer
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Das Freilichtspiel im Weiler Burgau – hier nach der Premiere – gehört der Vergangenheit an. Die Verantwortlichen freuen sich und sind stolz über den Erfolg. (Bild: Matthias Wehrlin)

Das Freilichtspiel im Weiler Burgau – hier nach der Premiere – gehört der Vergangenheit an. Die Verantwortlichen freuen sich und sind stolz über den Erfolg. (Bild: Matthias Wehrlin)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Vom Stein des Anstosses ist im Freilichtspiel «Recht und Gerechtigkeit» die Rede. Vom kleinen Stein, dessen Wurf sogar zu einer Gerichtsverhandlung führte. Dieser Stein des Anstosses kam nicht nur im Spiel selber vor, es brauchte ihn, damit die Freilichtspiele im Weiler Burgau überhaupt stattfinden konnten, den Stein von Ruth Moosberger. Sie, die Xaver Köpfli – im Weiler wohnhaft und Theaterautor – während einer Eiertütschete aufforderte, ein Stück für Burgau zu schreiben. Der Stein begann zu rollen: Köpfli schrieb das Stück, der Einwohnerverein erstellte eine Machbarkeitsstudie, die letzten Skeptiker wurden überzeugt, ein Organisationskomitee gebildet. Letztlich wurde das Stück an sieben Abenden auf dem Dorfplatz mit seiner besonderen Kulisse, seiner einzigar­tigen Atmosphäre aufgeführt. Und, die sechs geplanten Aufführungen waren vor der Premiere ausverkauft, eine weitere Vorstellung kam hinzu.

Stolz, glücklich, zufrieden und wehmütig

Nun ist die Tribüne abgebaut, der Alltag in Burgau mehr oder weniger eingekehrt. OK-Präsident Werner Isenegger ist glücklich und stolz über den Erfolg dieses Freilichtspiels und freut sich sehr über die vielen äusserst positiven Reaktionen, die ihn erreicht haben. Vor allem eine Situation geht ihm heute noch zu Herzen, jene Minuten, als die letzte Aufführung zu Ende war. «Kinder und gestandene Männer kamen mit Tränen in den Augen ‹von der Bühne›, das hat mich sehr berührt», so Isenegger. Zudem ist er dankbar, dass er Leute – vor allem im OK – um sich hatte, die in ihren Bereichen sehr kompetent waren. Beeindruckt hat ihn auch, dass die Idee durchwegs getragen wurde – von jenen hinter den Kulissen bis in die Festwirtschaft. Von Erleichterung und Zufriedenheit, aber auch von Wehmut spricht Xaver Köpfli. Er, der die vergangenen Monate für dieses Vorhaben gelebt hat. Er spricht vom Phänomen, das die rund 140 Einwohnerinnen und Einwohner dieses kleinen Weilers geschafft haben, sich gegenseitig haben anstecken lassen. «Grosse, ja übergrosse Freude herrscht über das Gelingen, und auch darüber, dass diese Idee seit Beginn unter einem guten Stern stand, überall Wohlwollen zu erfahren war», so Köpfli. Zudem ist er überzeugt, dass dies bester Anschauungsunterricht für die jungen Burgauer gewesen sei. Auch Ruth Moosberger kommt ins Schwärmen, spricht von den vielen Reaktionen, die sie von Unbekannten ­erfahren hat, von den vielen persönlichen Gesprächen mit Mitwirkenden, die sich ohne Freilichtspiel wohl nicht ergeben hätten, über die Gemeinschaft, die in so kurzer Zeit gewachsen ist. Kurzum sagt sie: «Ich habe erstmals gespürt, was es bedeutet, trunken vor Freude zu sein.»

Nicht regelmässig, aber vielleicht hin und wieder

Das Freilichtspiel war nicht nur in emotionaler, sondern auch in finanzieller Hinsicht ein Erfolg. Obwohl noch nicht alle Rechnungen eingetroffen sind, sagt Werner Isenegger: «Mit den Einnahmen sowie dem Sponsoring können sicher alle Unkosten und das Abschlussessen gedeckt werden.» Ob im Weiler Burgau künftig hin und wieder – oder sogar ­regelmässig – Theateraufführungen zu sehen sein werden, lassen Werner Isenegger wie auch Xaver Köpfli offen. Sie verschweigen nicht, dass sie es sich durchaus vorstellen könnten, wieder einmal etwas zu inszenieren. Sicher ist jedoch, dass Theateraufführungen nicht regelmässig auf dem Dorfplatz zu sehen sein ­werden.