FLAWIL: Einbrüche aus Geldnot

Eine Bande von Einbrechern hat 2013 und 2014 mit einer Serie von Delikten in der Ostschweiz die Polizei auf Trab gehalten. Zwei Beteiligte standen gestern vor Kreisgericht. Ihnen drohen lange Gefängnisstrafen.

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Die Bande suchte ihre Einbruchobjekte vor allem im Raum Wil, Fürstenland und Hinterthurgau. (Symbolbild: Andrea Häusler)

Die Bande suchte ihre Einbruchobjekte vor allem im Raum Wil, Fürstenland und Hinterthurgau. (Symbolbild: Andrea Häusler)

Das Kreisgericht Wil verhandelte den Fall in Flawil unter grossen Sicherheitsvorkehrungen. Die beiden Angeklagten, zwei Kosovaren im Alter von 34 und 36 Jahren, wurden in Hand­schellen und Fussfesseln ins Gerichtsgebäude gebracht und während der Verhandlung von vier Polizisten bewacht.

Sie sollen einer sechsköpfigen Bande angehört haben, die zwischen Sommer 2013 und Sommer 2014 in wechselnder Zusammensetzung 78 Einbrüche, einen Raub und weitere Delikte verübt haben soll. Die Täter hatten es hauptsächlich auf Firmen und Gemeindehäuser in der Region Wil, Fürstenland und Hinterthurgau abgesehen. Laut Anklage stahlen sie häufig Tresore, die sie entweder vor Ort öffneten oder abtransportierten.

Aus Untersuchungshaft geflüchtet

Sie erbeuteten Bargeld, Schmuck, elektronische Geräte, Werkzeuge und andere Wert­sachen für mehrere hunderttausend Franken. Für ihre Delikte entwendeten sie wiederholt Autos und Nummernschilder. An einem Morgen im Mai 2013 drangen sie im Hinterthurgau in ein Einfamilienhaus ein. Sie fesselten drei zum Teil minderjährige junge Männer mit Gürteln und raubten einen Tresor, Schmuck und weitere Wertsachen im Wert von rund 36 000 Franken. Die Schwester eines der Angeklagten hatte im Haus als Putzfrau gearbeitet.

Mitte 2014 konnte die Polizei drei Bandenmitglieder beim Säntis­park in St. Gallen festnehmen. Einer von ihnen flüchtete 2015 aus der Untersuchungshaft. Die beiden anderen standen gestern vor Gericht. Beide sind einschlägig vorbestraft und reisten für die Delikte illegal in die Schweiz ein. Der Staatsanwalt forderte Freiheitsstrafen von acht und sechseinhalb Jahren. Die Bande sei «äusserst routiniert und recht professionell» vorgegangen, aber auch rücksichtslos und zerstörerisch. Bei den Delikten entstand grosser Sachschaden. Nach ihrer Verhaftung gaben die Angeklagten die Taten teilweise zu.

Sie hätten aus Geldnot gehandelt, erklärten sie dem Gerichtspräsidenten. Einer der Angeklagten liess sich im Gefängnis einen Bart wachsen. Laut seinem Verteidiger geriet er wegen Äusserungen in Verdacht, Anhänger eines radikalen Islams zu sein. Dies verneinte er gegenüber dem Gericht. Er sei ein gläubiger Muslim, sagte er.

Urteil steht noch aus

Die Anträge der Verteidiger wurden am gestrigen, ersten Prozesstag noch nicht gestellt. Die Verhandlung wird eventuell am heutigen Donnerstag fortgesetzt. Das Urteil soll nächste Woche eröffnet werden. (sda)

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