Flawil
Ein Natursteinkreis als Ortsmitte: Der historische Weiler Burgau erhält internationale Ausstrahlung

Mit einem gepflästerten Natursteinkreis definiert der Weiler Burgau sein Dorfzentrum und unterstricht damit gleichzeitig die Verbundenheit mit gleichnamigen Orten im europäischen Raum.

Andrea Häusler
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Zwölf mal ist der Name Burgau rund um die Verankerung für den Adventskranz genannt - die gleichnamigen Orte liegen in unterschiedlicher Distanz in verschiedenen europäischen Ländern.

Zwölf mal ist der Name Burgau rund um die Verankerung für den Adventskranz genannt - die gleichnamigen Orte liegen in unterschiedlicher Distanz in verschiedenen europäischen Ländern.

Bild: Andrea Häusler

Felsige Küsten, gelber Sand, kristallklares Wasser und blau-weisse Häuser. Das ist Burgau, ein kleiner, verträumter Ort an der portugiesischen Algarve, 1860 Kilometer vom denkmalgeschützten Weiler südöstlich von Flawil entfernt. Die Distanz steht am Rand des kopfsteingepflästerten Kreises, der seit dem weitgehenden Abschluss des Strassensanierungsprojekts «Columban- Gielen- und Rathausstrasse, Dorfplatz und Gielenplatz» die neugestaltete Dorfmitte markiert und als Zentrum akzentuiert. Der heute vollständig befestigte Dorfplatz hat für Burgau und dessen Einwohnerschaft seit jeher eine besondere Bedeutung. Ursprünglich als Kreuzungspunkt wichtiger Wegbeziehungen wichtig, wurde der Ort in den vergangenen Jahrzehnten zu einem stimmungsvollen Veranstaltungsraum für verschiedene Aktivitäten. So wurde hier 1964 vor der Kulisse der historischen Gebäude die 1000 Jahr-Feier Burgaus begangen. Es folgten Festivitäten zum Nationalfeiertag und spontane Anlässe der Dorfbewohner. 2014 wurde die Feier zum 1050-jährigen Bestehen Burgaus, kombiniert mit der Flawiler Bundesfeier, selbstverständlich hier ausgerichtet. Und vor vier Jahren präsentierte sich der Dorfplatz schliesslich als Arena für das Freilichtspiel «Recht und Gerechtigkeit». Während der alljährlich in der Platzmitte aufgebaute Adventskranz längst Tradition hat. Heute führt der Fürstenlandradweg über diesen Platz und lässt die ursprüngliche Bedeutung des dörflichen Zentrums wieder aufleben. Namhafter Beitrag der Kantonalen Denkmalpflege

Die Idee, diesem bedeutenden Flecken mit einer «Burgauer Rondelle» einen allzeit sichtbaren Erkennungswert zu geben, stammt von Matthias Wehrlin. Der heute 76-Jährige verbrachte seine Jugend in Burgau. Heute lebt er im Raum Bern und verantwortet die Geschäftsführung des Atelier Wehrlin, welches sich schwerpunktmässig mit der Entwicklung von räumlichen Entwicklungs­konzepten urbaner Stadtlandschaften beschäftigt. «Die freundschaftlichen Kontakte mit Menschen aus anderen Städten, Stadtquartieren, Dörfern und Weilern mit dem Namen Burgau führte zu meiner Idee, ein Zeichen für diese Verbundenheit zu setzen», erklärt Wehrlin den Ursprung des Gestaltungskonzepts. In der Kreismitte ist übrigens die Hülse für den Mast des Adventskranzes eingelassen.

Zwölf Burgau’s in der Nähe und der Ferne

Zwölf Burgau’s in der Nähe und der Ferne Ein Stadtteil von Jena, das Städtchen Burgau an der Mindel, der Ortsteil Burgau vor der Altstadt von Wasserburg, Burgau/St. Gilgen zwischen Mondsee und Attersee sowie die Siedlung der Marktgemeinde Burgau in der Steiermark prägen den östlichen Halbkreis der Rondelle. Westseitig sind das portugiesische Burgau am Atlantik und die beiden landwirtschaftlichen Ansiedlungen Burgau am Fuss der Pyrenäen (St. André/Rébénacy) aufgeführt. Dann schliesst sich der Kreis wieder in Richtung Deutschland: Burgau bei Monscha, das Schloss Burgau bei Düren sowie die gleichnamigen Orte bei Karlsruhe und Dürmentingen runden das steinerne Dorfplatzsymbol ab. (ahi)

Der Einwohnerverein Burgau, aber auch die Kantonale Denkmalpflege unterstützten das Vorhaben. Letztere beteiligte sich am Burgauer Dorfplatz «wegen der besonderen Gestaltung» mit einem namhaften finanziellen Beitrag.