FLAWIL: Ein Eldorado für Libellen

Im Botsberger Riet finden Libellen ideale Bedingungen vor. Ihre Zahl hat sich vervielfacht. Dies auch dank der Arbeit des Naturschutzvereins Flawil und Umgebung.

Gianni Amstutz
Drucken
Teilen
Dank der Freilegung des Ufers können die Insekten im Botsberger Riet besser beobachtet werden. (Bild: PD)

Dank der Freilegung des Ufers können die Insekten im Botsberger Riet besser beobachtet werden. (Bild: PD)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Immer mehr Libellenarten leben im Botsberger Riet. Das konnte der passionierte Libellenspezialist Alec Treagust bei seinen Beobachtungen im Flawiler Naturschutzgebiet feststellen. Seit über 30 Jahren beschäftigt sich der 72-jährige Gossauer mit den flinken Insekten. «Ich habe mich bereits als Kind für Libellen interessiert. Meine Grossmutter erzählte mir damals, dass sie gefährlich sind, was meine Faszination für die Insekten noch verstärkte», erzählt Treagust.

Allerdings seien Libellen komplett harmlos, obwohl man ihnen früher Namen wie Augenstecher, Teufelsnadeln und Teufelsstecher gegeben habe. «Libellen können nicht stechen. Bereits bei den ältesten Fossilienfunden von Libellen, die 250 Millionen Jahre alt sind, fand sich kein Anzeichen für einen Stachel. Ausserdem spielen sie auch bei der Übertragung von Krankheiten keine Rolle.»

Um sich zu vermehren, sind ruhende oder strömungsarme Gewässer für die meisten der rund 80 in Mitteleuropa vorkommenden Libellenarten eine Grundvor­aussetzung. Im Botsberger Riet finden sie dazu optimale Bedingungen. Dies zeigt sich auch in der Zunahme der Arten. Waren es im Beobachtungszeitraum von 2001 bis 2004 noch 16 verschiedene Libellen, die Treagust im Flawiler Naturschutzgebiet feststellen konnte, schwirren mittlerweile ganze 33 Arten herum. Die Vielfalt hat sich also mehr als verdoppelt. Dies führt er auf verschiedene Faktoren zurück. «Entscheidend ist, dass die Gewässer im Botsberger Riet nicht verlandet sind.» Doch auch die Umgebung sei wichtig für die kleinen Insekten. Das Botsberger Riet biete für viele verschiedene Insektenarten gute Bedingungen. Für Libellen bedeute dies, dass ausreichend Nahrung vorhanden sei. Ausserdem seien in diesem Jahr die Ufer der Weiher im Riet vom Schilf befreit worden, was die Entdeckung der Libellen vereinfache, sagt Treagust. So hat der Insektenkenner an einem Tag im Juli dieses Jahres 18 verschiedene Ar­ten gesichtet. «Sogar eine Gabel-Azurjungfer konnte ich entde­cken», freut er sich. Diese steht auf der Liste der gefährdeten ­Arten und kommt nur äusserst selten in der Ostschweiz vor. Grossen Anteil an den guten Verhältnissen im Botsberger Riet hat der Naturschutzverein Flawil und Umgebung. «Die Arbeit, die der Verein leistet, ist beispielhaft. Das Gebiet ist wahnsinnig gut gepflegt», schwärmt Treagust.