FLAWIL: Die Antworten der Regierung befriedigen nur teilweise

Die Kantonsräte Daniel Baumgartner (SP), Flawil, sowie Ursula Egli (SVP), Rossrüti, reichten drei Interpellationen ein. Nun wurden sie vom Regierungsrat beantwortet – Eglis Befürchtungen wurden bestätigt, Baumgartner ist nur teilweise zufrieden.

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Am letzten Tag der Septembersession behandelte der Kantonsrat unter anderem drei Interpellationen zu bildungspolitischen Fragen. Einen Doppelauftritt hatte dabei der Flawiler Daniel Baumgartner (SP) mit zwei Vorstössen zur Pausenaufsicht in den Kindergärten und zur Teilintegration von Schülerinnen und Schülern einer Sonderschule in der Regelklasse.

In der Interpellation zur Pausenaufsicht weist Baumgartner darauf hin, dass der Berufsauftrag die Entlastung oder Entschädigung der Pausenaufsicht der Kindergärtnerinnen nicht regelt. Eine Gleichbehandlung der Lehrkräfte im ganzen Kanton sei ­deshalb nicht garantiert. Laut Arbeitsgesetz würden aber Pausen als Arbeitszeit gelten, wenn der Arbeitnehmer den Arbeitsplatz nicht verlassen könne.

Interpellant nur teilweise zufrieden

Der Regierungsrat widerspricht allerdings in seiner Antwort den Argumenten Baumgartners teilweise. Der erwähnte Artikel im Arbeitsgesetz sei auf Lehrerinnen und Lehrer nicht anwendbar, heisst es.

Es sei zudem nicht zwingend, dass Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer die Pausenaufsicht besorgten. Bei überdurchschnittlichem Einsatz für die Pausenaufsicht könne das im Arbeitsfeld Schule angerechnet werden. Reiche die Zeit für das Arbeitsfeld Schule für die Erfüllung aller Aufgaben inklusive Pausenaufsicht nicht, müsse das ausgeglichen werden, schreibt der Regierungsrat weiter.

Mit der Antwort der Regierung zeigte sich Daniel Baumgartner nur teilweise zufrieden. Der Berufsauftrag der Lehrkräfte sei gut eingeführt, aber die Pausenaufsicht im Kindergarten sei ungenügend geregelt, sagte er. Unklar sei, wie der überdurchschnittliche Einsatz definiert werde. Daniel Baumgartner wünscht sich deshalb ein Kreisschreiben des kantonalen Bildungsdepartements, um Klarheit in diesem Bereich zu schaffen.

«Mehr als zufrieden» mit Antwort

In einer weiteren Interpellation hatte sich Daniel Baumgartner erkundigt, welche Lektionenzahl für Sonderschüler verbindlich sei. Zudem wollte er wissen, ob man von der wöchentlichen Lektionenzahl abweichen könne, wer die Ausnahmen bewillige und wer diese kontrolliere. Schliesslich fragte er, wie eine Teilintegration von Sonderschülern in die Regelklassen möglich sei und wer dafür zuständig sei.

In seiner Antwort hatte der Regierungsrat festgehalten, dass die Gesetzgebung über die Volksschule auch für die anerkannten privaten Sonderschulen gelte, auch in Bezug auf die Schulorganisation. Behinderungsbedingt erforderliche Anpassungen seien im Konzept für die Sonderpädagogik enthalten. Das Verhältnis von Regelschule mit Sonderpädagogik und Sonderschule sei klar geregelt. Wenn Kinder eine Sonderschule benötigten, wäre es nach Ansicht des Regierungsrats heikel, ihnen diese nicht zu gewähren.

Baumgartner zeigte sich mit der Antwort des Regierungsrats «mehr als zufrieden». Die klaren Äusserungen des Regierungsrats liessen keine Willkür zu. Wenn eine Sonderschulung nötig sei, sei die Anzahl der zu erteilenden Lektionen festgelegt. Wenn Kinder eine Sonderschule ausserhalb ihrer Gemeinde besuchten, sei die Teilhabe am Leben der Gemeinde eingeschränkt, sagte Baumgartner.

Für mehr praktischen Unterricht

Nur teilweise zufrieden mit der Antwort des Regierungsrats zeigte sich Ursula Egli (SVP, Rossrüti), die Autorin der dritten Interpellation zu Bildungsfragen, die gestern im Kantonsrat behandelt wurde. Die SVP-Vertreterin hatte im Vorstoss vom Juni kritisiert, dass mit dem Lehrplan 21 der praktische Unterricht im neuen Schulfach WAH (Wirtschaft, Arbeit, Haushalt) sowie im Textilen und Technischen Gestalten in der Volksschule an Qualität verliere. Weil man in das Fach WAH viel zusätzlichen Schulstoff hinein­packe, leide die Vermittlung von nachhaltigem, praktischem Hauswirtschaftsunterricht. Weiter beklagt die Interpellantin, dass die Kinder zu wenig den Umgang mit Materialien wie Holz, Metall, Wolle und Stoffe üben könnten.

In seiner Antwort hielt der Regierungsrat fest, dass der praktische Unterricht in allen Fächern stattfinde. Die praktische Haushaltsführung inklusive Kochen verliere im Fach WAH an Bedeutung in der Volksschule. Im Fachbereich Gestaltung gebe es nur minimale Änderungen. Weiter schrieb der Regierungsrat, dass bis 2024 rund 100 ausgebildete Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnen in Pension gehen würden. An der PHSG bildeten sich im Studiengang Oberstufe gegenwärtig 143 Personen für den Unterricht in WAH, 39 für den Unterricht in Textilem Gestalten, 66 für den Unterricht in Technischem Gestalten und 94 für den Unterricht in Bildnerischem Gestalten aus. Sie würden ihre Ausbildung bis 2023 abschliessen.

Ursula Egli sieht sich durch die Antwort des Regierungsrats in ihrer Befürchtung bestätigt, dass es beim Unterricht in einigen Fächern in die falsche Richtung laufe. Sie vermisst aber eine Korrektur dieser Tendenz. Weshalb hätten der Computer und volkswirtschaftliches Denken im Unterricht in der Volksschule ­einen so grossen Umfang angenommen, fragte sie. Sie befürchtet schliesslich, dass es künftig nicht mehr genug Lehrkräfte gibt, die den praktischen Unterricht so gut beherrschen, dass die das den Kindern weitergeben können.

Martin Knoepfel

redaktion@wilerzeitung.ch