FLAWIL: Der Lohn ist ein Lächeln

Auch in der Schweiz gibt es Armut. Wo andere wegschauen, helfen die Freiwilligen des B’treffs. Sie verteilen Lebensmittel an Betroffene und ermöglichen ihnen damit ein besseres Leben.

Yves Weibel
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Viel (Motivations-)Arbeit für Flawils neuen Trainer Dragan Savic.

Viel (Motivations-)Arbeit für Flawils neuen Trainer Dragan Savic.

Yves Weibel

yves.weibel@wilerzeitung.ch

Im kleinen Haus hinter dem Flawiler Bahnhof befindet sich der B’treff. Die Stimmung dort ist locker und familiär. Die Helfer wirken glücklich, ebenso die Kunden. «Man bekommt bei der Arbeit auch viel zurück, sei es nur ein Lächeln», sagt eine Helferin. Der B’treff ist auch während der Lebensmittelabgabe zu einem Treffpunkt geworden. Die Leute tauschen sich aus und einige bleiben auch nach dem Einkauf noch da, reden über dieses und jenes.

«Die meisten, die kommen, kennen wir», sagt Gabi Mauchle, die zuständig für die Essens­abgabe ist. Die Umgangsformen untereinander seien freundlich. Wer anonym bleiben will, kann das auch. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des B’treffs unterstehen einer Schweigepflicht. «Man kann und soll niemanden verurteilen, der das Angebot nutzt. Es kann jedem passieren, dass man in die Armut abrutscht. Zudem sind wir da, um zu helfen», sagt Gabi Mauchle.

Geregelter Ablauf in familiärer Atmosphäre

Bei der Lebensmittelabgabe sind immer vier Helfer vor Ort. Die Freiwilligen bereiten alles vor. Dabei werden sie von Bezügerinnen und Bezügern unterstützt. Die Bedürftigen, die beim Einrichten mithelfen, haben danach jeweils das Anrecht, als Erste durch den kleinen Raum mit den Lebensmitteln zu gehen. Alle anderen müssen, wie sie sagen, an der Tombola teilnehmen. Das heisst, sie ziehen aus einem kleinen Sack eine Nummer. Diese verrät, wann sie an der Reihe sind. So ist bei jenen, die Pech hatten, das eine oder andere enttäuschte Gesicht zu sehen. Wer heute kein Glück habe, bei dem klappe es das nächste Mal, sagt eine Dame. Und ausserdem habe es genug für alle.

Es ist auch so, dass die Leute so viel bekämen, wie sie bräuchten. Heisst: Wer eine vierköpfige Familie zu Hause hat, bekommt dementsprechend mehr Güter als eine alleinstehende Person.

Ein Angebot für Flawiler – und andere

«Es kommen circa 50 Personen regelmässig zur Lebensmittel­abgabe», erzählt Gabi Mauchle. Bezüger brauchen eine Caritaskarte, um die Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Diese Karten werden nach Ermessen der Gemeinden auf Anfrage ausgestellt. In den B’treff kommen Leute von überall. Solange sie eine Karte haben, können sie das Angebot in Anspruch nehmen.

«Wir achten darauf, dass Personen aus Flawil das Angebot nutzen können. Deshalb bedienen wir diese zuerst. Es kommen aber auch Bedürftige aus anderen Gemeinden in der Region. Diese sind natürlich auch willkommen, werden aber erst danach betreut», sagt Mauchle.

Produkte aus verschiedenen Quellen

Beliefert wird die Lebensmittelabgabe unter anderem von der Schweizer Tafel. Das Projekt verteilt täglich um die 18 Tonnen einwandfreie Lebensmittel an Bedürftige in der ganzen Schweiz. Die ausgelieferten Lebensmittel dürfen das Haltbarkeitsdatum nicht überschritten haben, können aber trotzdem von den Grossverteilern und Detailhändlern aus verschiedenen Gründen nicht mehr verkauft werden. Ausserdem wird viel gespendet. «Ein wenig kaufen wir auch selbst ein. Weil wir nie wissen, wie viel geliefert wird. Sollte nicht viel angeliefert werden, können wir trotzdem etwas mitgeben», erklärt Mauchle.

Schwierig sei aber auch die Lagerung, denn vor allem in der Hitze können die Waren verderben. Deshalb helfe man sich, so gut es gehe, mit Kühlelementen. Das alles um die Lebensmittel möglichst gut zu lagern, denn auch Abgabestellen unterstehen den Lebensmittelgesetzen.

Weitere Angebote und Infos zum B’treff unter: www.b-treff.ch