FLAWIL: Das Ende nach 79 Jahren

Das schwindende Interesse an den Veranstaltungen der MVG Flawiler Kultur sowie der Rücktritt von drei der sechs ­Vorstandsmitglieder bewogen dazu, eine ausserordentliche Hauptversammlung einzuberufen. Es wurde ein gewichtiger Entscheid gefällt.

Zita Meienhofer
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Wie weiter mit dem MVG Flawiler Kultur? Das wollten die Vorstandsmitglieder Christoph Rütsche, Silvia Britt, Irène Grob, Edith Bechtiger, Erwin Bossart (von links) und Franz Dörig (stehend) von den Anwesenden an der ausserordentlichen Hauptversammlung erfahren. (Bild: Zita Meienhofer)

Wie weiter mit dem MVG Flawiler Kultur? Das wollten die Vorstandsmitglieder Christoph Rütsche, Silvia Britt, Irène Grob, Edith Bechtiger, Erwin Bossart (von links) und Franz Dörig (stehend) von den Anwesenden an der ausserordentlichen Hauptversammlung erfahren. (Bild: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Das «Cabaret Rotstift» hatten sie im Programm, die «Peperonis», «Les trois Suisses», ihre Gäste waren auch Andreas Thiel, die «River House Jazzband», «Stahlbergerheuss», Clown Pic ebenso Einheimische wie die «Black ­Jacket Swing Band», die Bänkelsänger «Alliglattohren» und Peter Sutter. Das sind nur einige we­nige, welche die MVG Flawiler Kultur für einen Auftritt einst in den Rössli- oder Tonhalle-Saal und heute in den Lindensaal holten. MVG ist die Musik- und Vortragsgesellschaft Flawil. Diese wurde 1938 gegründet. 2006 erfolgte die Anpassung von Namen und Logo an die Moderne – MVG Flawiler Kultur. Das Anliegen blieb allerdings dasselbe: während der Wintersaison einem möglichst generationenübergreifenden Publikum mit Kabarett, Comedy, Satire, Musik und Gesang von Klassik über Folklore bis hin zum Jazz sowie durch Vor­träge über Natur und Abenteuer abwechslungsreiche und interessante Abende zu bieten. Nach 79 Jahren ist nun Schluss. Die MVG Flawiler Kultur hat sich an der ausserordentlichen Hauptversammlung von Dienstagabend aufgelöst.

Fehlendes Publikum, fehlende Vorstandsmitglieder

Über die Zukunft hatten sich die Vorstandsmitglieder schon länger – und immer mal wieder – Gedanken gemacht. Die Anlässe waren oft mehr schlecht als recht besucht. In der vergangenen Saison war wohl der Auftakt (100 Zuschauer) und der Schlusspunkt (200 Zuschauer) erfolgreich. «Der Publikumsaufmarsch an den drei weiteren Veranstaltungen war sehr enttäuschend», sagte Franz Dörig, Präsident von MVG Flawiler Kultur, «einmal sind sogar nur zehn Leute da gewesen.» «Der Aufwand rechtfertigt das Engagement nicht mehr», bekräftigte Erwin Bossart Dörigs Aussage. Zu den rückläufigen Besucherzahlen gesellte sich die Tatsache, dass mit Franz Dörig (Präsident), Erwin Bossart (Kassier) und Edith Bechtiger (Aktuarin/Kommunikation) drei langjährige Vorstandsmitglieder ihren Rücktritt bekanntgegeben haben. Die verbleibenden Silvia Britt, Irène Grob und Christoph Rütsche machten sich keine Illusionen, dass sich die Lücke bald wieder füllen könnte. Die Aufrufe verhallten im Nichts. Rückläufig war ebenso die Anzahl Mitglieder. Zählte der Verein im Jahr 1993 307, waren es im vergangenen Jahr noch 116 Mitglieder. Zudem entstanden in Flawil weitere ­Kulturvereine, die ähnliche Veranstaltungen im Jahresprogramm hatten wie der MVG Flawiler Kultur. Einzig die finanzielle Situation schreit nicht nach einem Ende. Der Verein ist in diesem Bereich gut aufgestellt, weist 15 000 Franken Vermögen aus.

Vermögen geht an vier ­Kulturvereine im Dorf

Allein die Anzahl Mitglieder, die sich für die ausserordentliche Hauptversammlung in den kleinen Rösslisaal begaben, deutete darauf hin, dass das Interesse am Verein verschwindend klein ist. Es waren lediglich zehn Personen. Die Anwesenden allerdings waren diejenigen, die eine Auf­lösung bedauern, die den Verein eigentlich gerne am Leben er­halten hätten. Doch auch ihnen fehlte ein Rezept, sie konnten ­keine Lösung auf den Tisch legen. Nach einer längeren Diskussion darüber, was allenfalls geändert werden könnte, weshalb es überhaupt soweit kommen konnte und der Auseinandersetzung mit der Option, den Verein ein Jahr auf Eis zu legen, stellte Franz ­Dörig den Antrag, den Verein aufzulösen. Mit einer Enthaltung wurde Dörigs Antrag gutgeheissen.

Anschliessend lag es an den Anwesenden, über das Vereinsvermögen zu befinden. Soll es an einen ebenfalls kulturell tätigten Verein gehen, wie es Kassier ­Erwin Bossart vorschlug? Oder allenfalls für eine bestimmte ­Sache an die IG Kultur überwiesen oder auf die Seite gelegt werden, falls der Verein nochmals neu gegründet würde? Intensiv wurden die verschiedenen Möglichkeiten diskutiert, wurde nach dem besten Verwendungszweck gesucht. Mit einer Enthaltung entschieden die Versammlungsteilnehmenden letztlich, dass der Vorstand den Auftrag erhält, das Vereinsvermögen an vier Flawiler Vereine, die sich um die Kultur im Dorf kümmern, aufzuteilen. Es sind dies der Abendmusikzyklus, der Kulturpunkt, Monday Night-Music und der Kulturverein Touch.