FLAWIL: Ausgefeiert – Handballclub streicht HCF-Party

Über Jahrzehnte war das Handballfest am Mittwoch vor Auffahrt der Flawiler Party-Event schlechthin. 29 Jahre lang hatte sich die Festgemeinde in der Reithalle getroffen, in den vergangenen drei Jahren im Lindensaal. Jetzt beendet der Verein die Tradition.

Andrea Häusler
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Das letzte Handballfest in der Reithalle zog 2014 nochmals die Massen an. Nach dem Wechsel in den Lindensaal sanken die Besucherzahlen Jahr für Jahr. (Archivbild: David Metzger)

Das letzte Handballfest in der Reithalle zog 2014 nochmals die Massen an. Nach dem Wechsel in den Lindensaal sanken die Besucherzahlen Jahr für Jahr. (Archivbild: David Metzger)

Handballclubpräsident Sascha Gees spricht Klartext: «Der Wechsel von der Reithalle in den Lindensaal, verbunden mit der nötigen Anpassung des Festkonzepts, hat uns das ­Genick gebrochen.» Nach der Premiere unter dem neuen Namen «HCF-Party» seien die Besucherzahlen eingebrochen und hernach stetig gesunken – jährlich um über 200 Personen. Das diesjährige Fest habe gerade noch 250 Besucherinnen und Besucher angelockt – im Vergleich zu 600 bis 800 in den Jahren vor der Umstellung.

Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Die «Hüttengaudi-Stimmung» von damals habe sich halt nicht in die Räu­me des Lindensaals transferieren lassen, gibt sich Sascha Gees realistisch. Das habe sich auch auf die altersmässige Durch­mischung des Publikums ausgewirkt: «Letztlich war die Party vor allem ein Treffpunkt für junge Leute. Hinzu komme, dass man, zur ­Alkoholprävention, das Mindestalter auf 18 Jahre angehoben habe. Eine Massnahme, hinter der Gees nach wie vor steht, möglicherweise aber die Besucherzahlen beeinflusst hat. «Auszuschliessen ist auch nicht», resümiert er schliesslich, «dass solche Festanlässe heute einfach nicht mehr so gefragt sind.»

«Der Entscheid ist uns alles andere als leichtgefallen.» Doch bereits in diesem Jahr sei das ­finanzielle Ergebnis nur dank dem Goodwill vom Sponsoren und dem Entgegenkommen der Gemeinde bei der Saalmiete im schwarzen Bereich geblieben. «Bei neuerlich sinkenden Besucherzahlen wären wir ins Minus gerutscht.» Und so mache es keinen Spass mehr, macht Sascha Gees klar. Zumal der organisatorische Aufwand und das geforderte Engagement der Mitglieder während des Festes jeweils erheblich seien.

Alternative Geldquellen erschliessen

Das Handballfest war in der Vergangenheit nicht nur für Flawil und die Region, sondern auch für die Kasse des Flawiler Handballclubs wichtig. Tatsächlich habe bis vor fünf Jahren eine starke Abhängigkeit des Vereins von den Einnahmen des Handballfests bestanden, bestätigt Sascha Gees. Seither sei man jedoch dabei, andere Finanzquellen zu erschliessen, um den Spielbetrieb langfristig aufrechterhalten zu können.

Eine Massnahme war die Erhöhung der Mitgliederbeiträge. Neu will man mit einem Sponsorenlauf zusätzliche Mittel generieren. Dieser soll im Frühjahr nächsten Jahres stattfinden. Potenzial sieht Gees ausserdem im Ausbau des heute schon bestehenden Beizenbetriebs an den Meisterschaftsspielen.

Renaissance nicht ausgeschlossen

Im Frühjahr 2014 war mit dem letzten Handballfest in der Reithalle eine Ära beschlossen worden. Einer weiteren Nutzung des Holzbaus standen die feuerpolizeilichen Auflagen entgegen. Der Entscheid, den Anlass in den Lindensaal zu verlegen und un­ter neuem Namen, mit einem neuem Konzept und OK wieder durchzustarten, war von einer Mehrheit der Vereinsmitglieder mitgetragen worden. Ebenfalls eine Mehrheit hat nun an der kürzlichen Hauptversammlung das Ende des Traditionsanlasses besiegelt.

Dennoch schliesst der Vereinspräsident eine Renaissance des Handballfests oder eben der HCF-Party in irgendeiner Form nicht aus: «Wer weiss, was in fünf Jahren sein wird.»

Andrea Häusler

andrea.haeusler

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