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Fischsterben in der Thur bei Bütschwil bleibt womöglich ungelöst – Fischer sind ernüchtert

Der Fischereiverein Thur und der Kanton St.Gallen informierten über neue Erkenntnisse zum Bachforellensterben.
Lara Wüest
Auch dieses Jahr wieder in grosser Zahl gestorben: die Bachforellen in der Thur. (Bild: Getty Images)

Auch dieses Jahr wieder in grosser Zahl gestorben: die Bachforellen in der Thur. (Bild: Getty Images)

Zahlreich sind sie erschienen, die Fischer des Fischereivereins Thur, der Saal im Restaurant Thurpark in Wattwil ist rappelvoll. An diesem Abend informiert der Kanton St.Gallen zusammen mit dem Vorstand des Fischereivereins über den neusten Stand zum Fischsterben in der Thur, und sie alle wollen schliesslich endlich wissen, was los ist.

Seit fünf Jahren sterben in ihrem Pachtgebiet, unterhalb von Bütschwil, die Bachforellen. Immer im Sommer, August bis September. Auch diese Saison war es nicht anders: Innerhalb von zwei, drei Tagen Ende August stieg die Anzahl toter Bachforellen im Fluss um das Zehnfache. Sämtliche dieser toten Tiere wiesen Entzündungen an Leber und Herz auf, und starben letztlich an Herzversagen.

Der Fischbestand ist im besagten Thur-Abschnitt in den letzten Jahren bereits stark gesunken – und mit ihm verlor auch der Verein einen Teil seiner Mitglieder. Ihre Zahl ging in den vergangenen zehn Jahren von 400 auf rund 340 zurück. Jedes Jahr müssen die Fischer 250 Franken Mitgliederbeiträge bezahlen, und wer will das schon für die paar Fische, die sich aus einem halb leeren Fluss noch fischen lassen.

Ein neuer Verdächtiger

Was die Tiere sterben lässt, wissen aber auch Fachleute nicht. Seit vergangenem Jahr betreiben das St.Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei, das Amt für Wasser und Energie und externe Forscher viel Aufwand, um die Ursache zu finden. Sie untersuchten zum Beispiel Proben auf schädliche Stoffe und schickten haufenweise Fische an die Universität in Bern, wo Experten diese aufschnitten und die Organe unter dem Mikroskop betrachteten.

Doch was der Kanton den Fischern an diesem Abend hauptsächlich präsentieren kann, ist eine lange Aufzählung von dem, was nicht ist: Weder sind es Pestizide noch Viren, Pilze oder Bakterien. Und auch Schwermetalle kommen nicht für das Fischsterben in Frage. Neu ist zudem klar: Die Fische gehen auch nicht an einer Infektionskrankheit zugrunde. «Eine biologische Ursache schliessen wir mittlerweile aus», sagt Michael Kugler, Mitarbeiter beim Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Diese Möglichkeit hatte der Kanton im Frühling noch als die wahrscheinlichste erachtet. Zu «90 bis 95 Prozent» ist sich Kugler nun aber sicher: «Es muss eine Substanz sein, die ins Wasser gelangt.» Der neue Hauptverdächtige ist also ein chemischer Stoff von aussen. Der Lösung des Rätsels sind die Fachpersonen aber dennoch kaum näher gekommen. Denn in den bisherigen Analysen konnten die Forscher rund zweihunderttausend Substanzen nachweisen, welche die Fische schädigen könnten. Den Übeltäter zu finden, sei «praktisch unmöglich», so Kugler. Zum Schluss der gut einstündigen Präsentation zuckt er mit den Schultern, fast ein wenig ratlos sieht er aus. Wie es nun weitergehen soll, sei unklar. «Wir verspüren eine gewisse Hilflosigkeit. Eigentlich stehen wir wieder am Anfang.»

Ein voller Saal am Informationsanlass im Restaurant Thurpark in Wattwil. Bild: Lara Wüest

Ein voller Saal am Informationsanlass im Restaurant Thurpark in Wattwil. Bild: Lara Wüest

Nicht alle Fischer im Saal des Wattwiler Restaurants haben dafür Verständnis. Immer länger werden die Gesichter, manche Lippen formen sich zu einem schmalen Strich. Einfach hinnehmen mag dieses Fischsterben kaum einer, das merkt man. «Hier wurden ja nur die Symptome untersucht, die Ursache will niemand wahrhaben», sagt etwa ein Anwesender. «Unsere Bäche sind krank.» Pestizide, Gülle, Medikamentenrückstände, zählt er auf. Mikroplastiken, Industriechemikalien, Abwasser aus Kläranlagen, all das zusammen würde einen tödlichen Cocktail ergeben. Der Redner erntet zustimmendes Gemurmel. Für einen anderen ist klar: Es muss an der Baustelle zur Umfahrung von Bütschwil liegen, von dort würden schädliche Stoffe ins Wasser gelangen. Und noch ein anderer möchte wissen, ob der Schadstoff nicht vom Gestein im Untergrund stammen könne. Zwischendurch gehen die Emotionen so hoch, dass alle durcheinanderreden. Manche machen sogar ihrem Ärger auf den Kanton ein bisschen Luft, einer fordert einen tieferen Pachtzins.

Unschöne Mails an Vorstand geschickt

Immer wieder sagen Michael Kugler und Lukas Taxböck vom Amt für Wasser und Energie, eine solche Ursache komme nicht in Frage. Nein, dafür habe man keine Indizien. Nach nicht ganz zwei Stunden bittet Fabian Sternig, Vizepräsident des Fischereivereins Thur, die Anwesenden, einen Schlussstrich zu ziehen. Unter die Veranstaltung, nicht unter das Fischsterben. Nur der Präsident des Vereins, Markus Brunner, bittet noch kurz um Aufmerksamkeit: Immer wieder würde der Vorstand wütende E-Mails erhalten. Man solle doch bitte mehr nachdenken, bevor man eine Mail abschicke. Ob das den Missmut der Fischer besänftigen kann?

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