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Fischsterben gefährdet Fischereiverein

Der Fischereiverein Thur feiert bald sein 125-Jahr-Jubiläum – und blickt bange in die Zukunft. Der Fischbestand sinkt und mit ihm die Anzahl Vereinsmitglieder. Der Pachtzins für den Flussabschnitt bleibt derselbe. Und das könnte dem Verein zum Verhängnis werden.
Lara Wüest
Zwei Mitglieder des Fischereivereins Thur versuchen im Aeuli bei Lichtensteig Fische zu fangen und geniessen dabei die schöne Natur. (Bild: PD)

Zwei Mitglieder des Fischereivereins Thur versuchen im Aeuli bei Lichtensteig Fische zu fangen und geniessen dabei die schöne Natur. (Bild: PD)

Was in der Thur unterhalb von Bütschwil vor sich geht, klingt wie ein Krimi: Seit gut vier Jahren sterben dort jeweils von Ende Juli bis im September zahlreiche Bachforellen. «Ich schätze, dass wir seither 80 bis 90 Prozent von diesen verloren haben», sagt Markus Brunner. Er ist Hobbyfischer und Präsident des Fischereivereins Thur, der diesen Abschnitt des Flusses vom Kanton St. Gallen gepachtet hat und im Februar sein 125-jähriges Bestehen feiert.

Ursache noch unbekannt

Die Ursache für das Fischsterben konnte bisher niemand herausfinden, die Abklärungen laufen auf Hochtouren, erste Ergebnisse werden auf Ende Jahr erwartet. Fachleute stellten zwar fest, dass die toten Tiere Organschäden an Leber und Herz aufwiesen und an Blutarmut litten. Dadurch konnte der Sauerstoff im Körper nicht mehr transportiert werden und die Forellen erstickten. Was zu den Organschäden führte, ist aber unklar.

Vor 20 Jahren 50-mal mehr Fische gefischt

Der Fischereiverein Thur kämpft darum, dass in der Thur unterhalb von Bütschwil solche Bachforellen auch in Zukunft überleben können. (Bild: PD)

Der Fischereiverein Thur kämpft darum, dass in der Thur unterhalb von Bütschwil solche Bachforellen auch in Zukunft überleben können. (Bild: PD)

Der Fischbestand in der Thur geht jedoch auch aus anderen Gründen zurück. Viele Tiere überleben die Folgen des Klimawandels nicht. Zu hohe Wassertemperaturen und ein rascher Wechsel zwischen Hoch- und Niedrigwasser wie in diesem Sommer machen ihnen zu schaffen. Wenn zum Beispiel der Wasserstand eines Flusses oder Sees zu rasch absinkt, werden viele Fische vom eigentlichen Gewässer abgeschnitten und sterben. Zugleich sind Flüsse und Seen zunehmend durch Pestizide, Fungizide oder Medikamentenrückstände verunreinigt, was den Fischen ebenfalls schadet. Das hat Folgen: Rund 400 Bachforellen fischten die Hobbyfischer in dieser Saison aus der Thur zwischen Wattwil und Niederbüren, vor 20 Jahren waren es gemäss Brunner noch 20000 bis 25000.

Immer weniger Mitglieder

Mit den Fischen kämpft auch der Verein ums Überleben: «Je weniger Fische der Fluss aufweist, desto uninteressanter wird für unsere Mitglieder das Fischen», sagt Markus Brunner, der in diesem Jahr gerade einmal zwei Fische aus dem Flusswasser gezogen hat. Und so verliert der Verein nach und nach seine Mitglieder: Vor zehn Jahren waren es gemäss Brunner über 400, heute sind es noch 338.
300 Mitglieder braucht der Verein, damit er mit den Mitgliederbeiträgen, 250 Franken sind es pro Person, den jährlichen Pachtzins von 75000 Franken an den Kanton St. Gallen entrichten kann. Grundsätzlich darf in St. Gallen nämlich nur fischen, wer über ein Patent verfügt oder eine Pacht für Flussabschnitte, Weiher oder Seen bezahlt. Gepachtet werden diese oft von Vereinen wie dem Fischerverein Thur.

Hoffen auf tieferen Pachtzins in Zukunft

Da die Thur nur noch wenig Fische hergibt, landet ab und zu auch ein Fisch aus dem eigenen Teich auf Markus Brunners Teller. (Bild: Lara Wüest)

Da die Thur nur noch wenig Fische hergibt, landet ab und zu auch ein Fisch aus dem eigenen Teich auf Markus Brunners Teller. (Bild: Lara Wüest)

Der Pachtzins bringt den Verein an seine Grenzen: «Wenn uns der Kanton mit dem Betrag nicht entgegenkommt, wird es schwierig für uns», sagt Brunner. Und das, obwohl der Kanton den Zins für den laufenden Pachtvertrag bereits angepasst hat: «Früher mussten wir 100000 Franken pro Jahr bezahlen», so Brunner. 2024 stehen aber wieder neue Verhandlungen für einen Pachtvertrag an. Und diese könnten schwierig werden. «Durch unser Amt sind innerhalb des gesetzlichen Spielraums keine weiteren finanziellen Zugeständnisse mehr möglich», sagt Michael Kugler, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Natur, Jagd und Fischerei.

Verein kämpft weiter

Bis zu den nächsten Verhandlungen kämpft der Fischereiverein Thur dafür, dass der Fischbestand nicht weiter abnimmt. Jedes Jahr züchten Vereinsmitglieder in der sogenannten Hälteranlage Mühlau bei Bazenheid einheimische Bachforellen und Äschen, um diese später im Fluss anzusiedeln. Eine Aufgabe, die Brunner zwar Freude bereitet, aber auch frustrierend sein kann. «Vor allem, wenn zahlreiche Fische wieder sterben», sagt der 62-jährige Hobbyfischer. In dieser Saison gab es allerdings einen Lichtblick: «Der Bestand der Äschen hat erstmals leicht zugenommen», freut sich Brunner. Fangen darf man diese aber nicht: Sie sind seit sechs Jahren geschützt.

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