FISCHSTERBEN: Bagger ermöglicht neues Leben im Bach

Seit ihrer Verschmutzung durch Abwasser ist die Lützelmurg auf einer Länge von mehr als zwei Kilometern tot. Diese Woche beginnen die Bauarbeiten für die Revitalisierung des Baches.

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Der Start ins neue Jahr war für die Aadorfer Tierwelt eine Katastrophe. Beim sogenannten Hochwasserentlastungsbauwerk südlich des Bahnhofs verstopfte ein Schachtdeckel einen Kanal des Abwasserzweckverbandes Lützelmurgtal. Das Abwasser gelangte während mehrerer Tage unbemerkt in die Lützelmurg (unsere Zeitung berichtete). In der Folge verendeten auf einer Strecke von über zwei Kilometern schätzungsweise drei Viertel der Fische. Der Laich in der Bachsohle sowie Krebse und Kleinlebewesen fielen dem stark belasteten Wasser vollständig zum Opfer. Derzeit ist der betroffene Abschnitt gänzlich ohne Leben.

Zwar reagierten damals die Verantwortlichen des Abwasserzweckverbandes umgehend und boten zwei Landwirte auf. Diese pumpten mit Druckfässern das verschmutzte Wasser ab und führten es der ARA zu. Diese Sofortmassnahme konnte indes nicht verhindern, dass die Verschmutzung zu einer Art «Verbetonierung» der Bachsohle führte. «Dies bedeutet, dass selbst mehrere Hochwasser innert kurzen Abständen zu wenig Reinigungskraft aufbringen, um den ursprünglichen Zustand der Lützelmurg wieder herzustellen», schreibt der Zweckverband in einer Mitteilung.

Für die Revitalisierung der Lützelmurg sind folglich bauliche Massnahmen erforderlich. In dieser Woche fahren nun die Bagger auf, bestätigt der Aadorfer Gemeindepräsident Matthias Küng auf Anfrage. «Die Bedingungen sind derzeit günstig», sagt er. «Der Wasserstand ist niedrig, die Böden sind gefroren.» In einem ersten Schritt wird die «verbetonierte» Bachsohle ausgebaggert und das Material als Sondermüll entsorgt. Danach wird mit frischem Kies die Grundlage für neues Leben geschaffen. Diese Arbeiten werden mehrere Wochen dauern. Wiederbelebt dürfte die Lützelmurg indes frühestens im nächsten Jahr sein.

Die bisherigen Kosten der Verschmutzung belaufen sich auf rund 50000 Franken. Laut Zweckverbands-Präsident Bruno Lüscher dürfte die gesamte Revitalisierung «mehrere hunderttausend Franken» kosten. Voraussichtlich kommt dafür die Versicherung des Zweckverbandes auf.

Derzeit läuft in der Sache auch eine Strafuntersuchung, Gewässerverschmutzung ist ein Offizialdelikt. «Der Schachtdeckel, der die Verstopfung verursachte, stammt mutmasslich aus dem kantonalen Werkhof Eschlikon», sagt Gemeindepräsident Matthias Küng. «Wie er in den Kanal gelangt ist, wissen wir noch nicht. Von einem vorsätzlichen Akt gehen wir aber nicht aus.»

Olaf Kühne

olaf.kuehne@thurgauerzeitung.ch