Fischinger Bibliotheks-Konzerte vor dem Aus

Das Fischinger Ostersonntagskonzert – drei junge Violinistinnen spielten die Mozart-Konzerte Nr. 3 bis Nr. 5 – war wunderschön. Und doch war am Ende das Konzert nur Nebensache, denn zu reden gab der Bruch zwischen Kloster und Künstler, der vor Konzertbeginn bekannt wurde.

Christof Lampart
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Fischingen. Peter Vogel ist als Pianist in Klassik und Jazz ebenso bewandert wie als Initiant und künstlerischer Leiter des internationalen Konzertvereins Bodensee. Als solcher brachte er vor Jahren die Konzertreihe in die Barockbibliothek des Klosters Fischingen. Höhepunkt der jährlichen Konzerte war jeweils das Orchesterkonzert an Ostersonntag, das im Rahmen des internationalen Musikfestivals junger Meister gegeben wurde.

Dabei wechselten sich Klavier und Violine jährlich ab, dieses Jahr zum achten und anscheinend letzten Mal.

«Scheidung» trotz Bedauerns?

Peter Vogel trat vor dem Konzert vors Publikum, die Bibliothek war bis auf den letzten Platz belegt. Doch stellte er nicht nur die Violinistinnen Anne Schinz (Deutschland), Solenne Paidassi (Frankreich) und Ye-Eun Choi (Südkorea) vor, sondern verkündete auch das Aus in der Zusammenarbeit zwischen Kloster und Konzertverein.

Er bedaure es, dass die Zusammenarbeit ende, aber irgendwann gehe alles einmal zu Ende, erklärte der Musiker kryptisch, der jedoch nicht verhehlte, dass ihm Fischingen ans Herz gewachsen sei und ein ähnlich guter Raum in der Nähe kaum zu finden sein dürfte. Doch warum kam es nun zur «Scheidung»?

Abmachungen nicht eingehalten

Der Direktor des Klosters Fischingen, Werner Ibig, nahm in der Pause auf Anfrage Stellung zur Situation. Die Zusammenarbeit werde enden.

Es liege weder an der Qualität des Programms noch an den Finanzen. Vielmehr sei die administrative Organisation durch den Konzertverein über all die Jahre hinweg lausig gewesen. Selbst mehrere Treffen und Sitzungen hätten nichts daran geändert. «Wir erhielten die fixen Konzertprogramme nie zum richtigen Zeitpunkt, auch wenn wir mehrmals darauf hinwiesen, dass die Jahresprogramme bis zu einem gewissen Zeitpunkt in Auftrag gegeben werden müssten», so Ibig.

Organisatorische Absprachen seien vom Konzertverein wiederholt nicht eingehalten worden, und auf unzählige Versprechen nach Besserung sei ebenso oft der Rückfall gefolgt. Und so kam es letzte Woche bei einer Sitzung zum Eclat. «Wir wollten von Peter Vogel wissen, ob er uns eine bessere Zusammenarbeit garantieren könne. Dies konnte er nicht, weshalb dies nun das letzte Osterkonzert ist», so Ibig.

Doch warum erfolgte die «Notbremsung» erst jetzt, zu einem Zeitpunkt, wo sich die Fischinger Klassik-Konzertreihe und das Osterkonzert fest im Gedächtnis der kulturinteressierten Öffentlichkeit verankert hat? Die Antwort ist einfach: In den Anfangsjahren der Fischinger Konzertreihe war Annamarie Greiner nicht nur im Bildungshaus des Klosters angestellt, sondern zugleich eine enthusiastische Idealistin, die vieles in ihrer Freizeit erledigte bzw. die Versäumnisse des Konzertvereins ohne grosses Federlesen ausbügelte.

Doch Greiner arbeitet nicht mehr im Kloster und ist aus der Region weggezogen. Zwar machen ihre Nachfolgerinnen im Bildungshaus die Arbeit sehr gut und gewissenhaft, aber nicht mehr gratis. So gesehen sei doch eine kleine finanzielle Komponente mit im Spiel, räumte Ibig im Pausengespräch ein. Doch ausschlaggebend für das «Nein» seien ausschliesslich die organisatorischen Unzulänglichkeiten des Konzertvereins gewesen. «Ich hätte sehr gerne weitergemacht, denn die Konzerte waren toll.

Aber so ging es einfach nicht mehr», erklärte Ibig.