FISCHINGEN: Weitverzweigte Musikerfamilie

Die Bayerische Kammerphilharmonie spielte ein Bach-Programm, das ohne den grossen Meister auskam.

Christof Lampart
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Applaus für die Bayerische Kammerphilharmonie mit Solo-Cellist Bruno Delepelaire (rechts) in der Klosterbibliothek. (Bild: Christof Lampart)

Applaus für die Bayerische Kammerphilharmonie mit Solo-Cellist Bruno Delepelaire (rechts) in der Klosterbibliothek. (Bild: Christof Lampart)

Im gut 70 Minuten währenden und durchgehend gespielten Programm in der Klosterbibliothek wurden Werke der Johann-Sebastian-Bach-Söhne Johann Christoph Friedrich (1731 – 1795), Carl Philipp Emanuel (1714 – 1788) und Wilhelm Friedemann (1710– 1784) gegeben – sofern man sich dessen sicher sein kann. Denn auch der musikalische Leiter der Bayerischen Kammerphilharmonie, Reinhard Goebel, selbst ein Kenner der Alten Musik, verwies auf die Schwierigkeit, dass viele Werke der weitverzweigten Musikerfamilie Bach (rund 20 Komponisten) nicht einwandfrei einem Mitglied zugeschrieben werden könnten. Was heute als richtig erachtet werde, gelte morgen bei der immens fleissigen und sich oft widersprechenden Bach-Forschung schon als überholt. «Das ist wie mit Liz Taylor und ihren neun Ehemännern: sie dachte auch jedes Mal, dass sie nun den Richtigen hätte», erklärte Goebel humorvoll.

Musiker, nicht Instrumentalist

Den «Richtigen» hatte die Kammerphilharmonie jedoch bei der Wahl des Solisten, denn mit Bruno Delepelaire konnte der erste Prinzipal der Berliner Philharmoniker gewonnen werden, welcher auf seinem Matteo-Goffriller-Cello die beiden bekannten Cello-Konzerte in B-Dur und a-Moll von Carl Philipp Emmanuel Bach spielte. Dabei gestaltete er in ersterem Konzert mit seiner leichten, aber schnörkellosen Spielweise das Adagio wie eine wunderbare Meditation. Beim für viele Laien wohl nach bekannteren a-Moll-Konzert des gleichen Bach-Sohnes offenbarte sich Delepelaires Talent noch viel mehr als das eines echten Musikers, der, ungleich vieler Instrumentalisten, seine Zuhörer vom ersten Ton an in seinen Bann zu ziehen vermag.

Fein und nachvollziehbar

Quasi als Prolog und Epilog eines musikalisch überaus reizvollen Nachmittages spielte die Kammerphilharmonie noch zwei Sinfonien von Johann Christoph Friedrich (d-Moll) und Wilhelm Friedemann (D-Dur) und lieferte somit gleich den Beweis, dass sie sich auf die Darbietung eines Konzerterlebnisses versteht, das die feinen Unterschiede sich ähnelnder Kompositionen für die Zuhörerschaft akkurat und zugleich sehr gut nachvollziehbar und somit erlebbar auszuarbeiten versteht. Das Publikum dankte den Aufführenden am Ende ihren Einsatz mit einem herzlichen Applaus, der ebenso lange wie auch verdient war.

Christof Lampart

redaktion@wilerzeitung.ch