Fischerei
Corona-Pandemie lässt Hobbyfischerei boomen: 30 Neumitglieder im Fischereiverein Thur

Trotz weiterhin tiefer Fangzahlen bei den Bachforellen blickt der Fischereiverein Thur positiv auf das vergangene Jahr zurück: Tiefere Pachtzinsen an den Kanton sowie ein frappanter Anstieg der Mitgliederzahl lassen zumindest im finanziellen Bereich aufatmen.

Andrea Häusler
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Die Corona-Pandemie trieb die Menschen in die Natur. Davon profitierte der Fischereiverein Thur: Noch nie wurden so viele Gästekarten verkauft, wie im vergangenen Jahr.

Die Corona-Pandemie trieb die Menschen in die Natur. Davon profitierte der Fischereiverein Thur: Noch nie wurden so viele Gästekarten verkauft, wie im vergangenen Jahr.

Bild: Andrea Häusler

Es waren auch 2020 teure Forellen, welche die Thurfischer auf die heimischen Teller brachten. Zwar hat sich die Statistik gegenüber den beiden Vorjahren leicht verbessert, doch liegen die Fangzahlen für die Bachforelle weiterhin rund 50 Prozent unter jenen von 2017. Allerdings ist im Vergleich zu berücksichtigen, dass das Fangmass 2018 auf 32 Zentimeter erhöht und die Fangmenge zusätzlich beschränkt worden ist. Dies als Reaktion auf das Forellensterben in den Jahren 2015 bis 2017.

805 Bachforellen (Vorjahr 533) sind im vergangenen Jahr über die gut 40 Kilometer lange Pachtstrecke des Fischereivereins Thur zwischen Niederbüren und Ulisbach/Wattwil gefangen worden. Wobei der Löwenanteil auf den 9,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Wattwil und dem Stauwehr in Dietfurt entfiel: 724 der 805 Forellen wurden allein in diesem Bereich gefangen.

Blaualgen als Todesursache ausgeschlossen

Das Forellensterben unterhalb von Bütschwil beschäftigt den Verein seit fünf Jahren und auch weiterhin. Immer im August/September erhöhen sich die Verluste drastisch. Die toten Tiere weisen Organentzündungen auf und sterben an Herzversagen. Ähnlich erging es übrigens auch den nicht thurstämmigen Forellen, die 2020 versuchsweise in Mühlau in Bazenheid gehältert wurden. Wie aus dem Jahresbericht des Fischereivereins Thur hervorgeht, kann eine Vergiftung mit Blaualgentoxinen ausgeschlossen werden. Ob Reifenabrieb oder andere giftige Stoffe, die ins Wasser gespült werden, für das Fischsterben verantwortlich sind, wird weiterhin abgeklärt.

Das Forellensterben hatte auch Auswirkungen auf die Hälteranlage des Vereins in der Mühlau: Im November/Dezember wurden, aufgrund der Vielzahl von Abgängen, keine Forellen gestreift. Nichtsdestotrotz ist der Verein dabei, weitere Elterntierstämme nachzuzüchten. Das kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF ) führte zu diesem Zweck im Herbst einen Laichfischfang durch.

Leichte Erholung bei den Äschen

Das Streifen der Äschen im Frühjahr 2020 brachte 24000 Sömmerlinge hervor, die bereits in der Thur schwimmen. Ein vergleichbares Resultat erwartet der Fischereiverein Thur im kommenden Frühjahr. Dann sollen 500 Fische gestreift werden; weitere 800 werden bereits als nächster Stamm in der Mühlau nachgezogen. Diese wurden im Frühling 2020 aus der Thur gefangen.

Markus Brunner, Zuzwil, Präsident Fischereiverein Thur

Markus Brunner, Zuzwil, Präsident Fischereiverein Thur

Bild: PD

Der Thuräschenbestand scheint sich langsam zu erholen. Dennoch sei an eine Aufhebung des seit sieben Jahren geltenden Entnahmeverbots von Äschen nicht zu denken, sagt Fischereivereinspräsident Markus Brunner.

Altersbestimmung bei Barben und Alets

Im Gegensatz zu den Forellen war die Zahl der gefangenen «übrigen Fischen» (Barben, Alet etc.) höher als in den Vorjahren. Mit 196 Exemplaren wurde die höchste Fangzahl der letzten neun Jahre registriert. Wobei hier – mit 151 – die überwiegende Mehrzahl im unteren Thurabschnitt zwischen der Henauer Felsegg und Niederbüren gefangen wurde.

Die hohen Zahlen sind kein Zufall. Im vergangenen Jahr wurden im Auftrag des ANJF gezielt Barben und Alet gefischt, um anhand von Schuppenproben das Alter zu bestimmen und Erkenntnisse über deren Bestand zu gewinnen. «Diesen wollen wir langfristig sichern, sagt Markus Brunner und weiter: «Eventuell wird es künftig ein Mindestfangmass sowie ein Fangfenster begeben.» Entschieden sei allerdings noch nichts.

Pachtzins an den Kanton mehr als halbiert

Im vergangenen Jahr sind 30 Neumitglieder zum Fischereiverein Thur gestossen, wodurch sich der Mitgliederbestand auf 343 erhöht. «Das Coronavirus hat die Menschen in die Natur getrieben und das Interesse an der Fischerei beflügelt», sagt Markus Brunner. Auch seien noch nie vergleichbar viele Gästekarten verkauft worden.

«Hält die Nachfrage an, müssen wir über die neuerliche Einführung einer Mitgliederobergrenze nachdenken.»

Obwohl man von den Zahlen von einst noch ein ganzes Stück entfernt ist. Vor zehn Jahren hatte der Verein über 400 Mitglieder. 300 Mitglieder waren nötig, um mit deren Beiträgen – 250 Franken pro Person und Jahr – den Pachtzins von 75000 Franken an den Kanton St. Gallen zu entrichten. Dieser Druck ist nun weg. Bis zum Ablauf der achtjährigen Pachtperiode im Jahr 2024 braucht der Verein nur noch 30'170 Franken Zins zu zahlen. Auf die Mitgliederbeiträge wirkt sich die Reduktion vorläufig aber nicht aus: «Wir schrieben in den vergangenen Jahren Verluste und auch die Entwicklung der Mitgliederzahlen ist unklar», begründet Brunner.

Der Fischereiverein Thur führt coronabedingt keine Hauptversammlung durch, sondern befragt die Mitglieder schriftlich. Ebenfalls aufgrund der Pandemie hat sich Präsident Markus Brunner entschieden, nicht wie angekündigt auf diese HV zurückzutreten, sondern ein weiteres Jahr an der Spitze des Vereins zu bleiben.