Firma bohrt ohne Plan und trifft Wasserleitung

Bei Sondierungsbohrungen wurde am Donnerstagnachmittag eine Wasserhauptleitung auf dem Weiherdamm in Wil beschädigt. Rund 30 Haushalte mussten bis in die Nacht ohne Wasser auskommen.

Sandro Büchler
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An der Hofbergstrasse wurde die schwarze Wasserleitung unter den weissen Stromleitungen angebohrt. (Bild: Sandro Büchler)

An der Hofbergstrasse wurde die schwarze Wasserleitung unter den weissen Stromleitungen angebohrt. (Bild: Sandro Büchler)

«Das Wasser zum Kochen musste ich mit einer Giesskanne vom nahen Brunnen holen», sagt Angelika Ruckstuhl. In ihrem Zuhause am Bergtalweg in Wil gab es am Donnerstagnachmittag und -abend kein Wasser. «Auch die WC-Spülung ging nicht.» Nachbarn berichten ihr, dass sie ebenfalls kein Wasser hätten. Was war passiert?

«Bei Sondierungsbohrungen an der Hofbergstrasse wurde am Donnerstag um 14.30 Uhr eine Wasserhauptleitung beschädigt», erklärt Andreas Gnos von den technischen Betrieben Wil. Als Wasser auf die Strasse austrat und der Asphalt sich anhob, habe man kurz darauf die Wasserzufuhr abschalten müssen. «20 bis 30 Liegenschaften hatten deshalb kein Trinkwasser», sagt Gnos weiter.

Andreas Gnos, Leiter Netz und Technik der technischen Betriebe Wil (Bild: PD)

Andreas Gnos, Leiter Netz und Technik der technischen Betriebe Wil (Bild: PD)

Elf Stunden ohne Wasser

Die Reparaturarbeiten hätten sich schwierig gestaltet. Die Technischen Betriebe boten einen Saugbagger der Firma Schatt auf, welcher das Erdreich rund um die Bohrstelle entfernte. Erst nach Mitternacht, um 1.30 Uhr, war der Schaden an der Wasserleitung behoben, so Gnos.

Zum Schaden kam es, als eine Drittfirma, die nicht aus der Region stamme, am Donnerstag im Auftrag der Stadt Wil Bohrungen auf dem Weiherdamm durchführte. Diese sollten die Stabilität des Damms untersuchen. Gnos sagt:

«Dummerweise trafen sie bei den Sondierungsbohrungen die Wasserleitung»

Das Vorgehen der Bohrfirma sei «unsachgemäss», denn sie hätte im Vorfeld der Bohrversuche keine Werkpläne verlangt.

Mit Glück an den Stromleitungen vorbei

Um ein Haar wäre es noch schlimmer gekommen. «Nur mit Glück haben sie keine Werkleitung erwischt.» Denn laut Gnos ging die Bohrung nur knapp an den Stromleitungen vorbei und traf dann erst auf die darunterliegende Wasserhauptleitung. Die Bohrfirma müsse nun für den Schaden aufkommen.

Als Angelika Ruckstuhl am Abend noch nicht weiss, wie lange der Unterbruch der Wasserversorgung noch andauern wird, sucht sie im Internet nach Informationen. «Ich fand online aber keine Hinweise», sagt sie. «Auch von den technischen Betrieben wurden wir nicht informiert.» Der Unterbruch der Trinkwasserversorgung sei ausserplanmässig erfolgt, wie sie jetzt wisse. Doch Ruckstuhl fügt an:

«Doch bei einem 11-stündigen Unterbruch hätte ich mir einen aktiveren Informationsfluss seitens der Behörden gewünscht.»

Andreas Gnos entschuldigt sich bei allen Betroffenen: «Es tut uns sehr leid.»

Das «Corpus Delicti»: Das rund 5 Zentimeter grosse Loch in der Wasserleitung. (Bild: PD)

Das «Corpus Delicti»: Das rund 5 Zentimeter grosse Loch in der Wasserleitung. (Bild: PD)

Bis nach Mitternacht waren Arbeiter mit der Instandstellung der defekten Wasserleitung beschäftigt. (Bild: PD)

Bis nach Mitternacht waren Arbeiter mit der Instandstellung der defekten Wasserleitung beschäftigt. (Bild: PD)