Finger weg von Meister Reineke

Flauschige Ohrspitzen, ein buschiger Schwanz, und der listig-schaue Blick, dem Meister Reineke seinen Charakter in der Fabelwelt dankt: Der Fuchs fasziniert und hat – aus Kindersicht – jede Menge Knuddelpotenzial.

Andrea Häusler
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Fritz Eggenberger zeigt, wo Rehe sich an Schossen von Jungtannen gütlich getan haben. (Bild: Andrea Häusler)

Fritz Eggenberger zeigt, wo Rehe sich an Schossen von Jungtannen gütlich getan haben. (Bild: Andrea Häusler)

Flauschige Ohrspitzen, ein buschiger Schwanz, und der listig-schaue Blick, dem Meister Reineke seinen Charakter in der Fabelwelt dankt: Der Fuchs fasziniert und hat – aus Kindersicht – jede Menge Knuddelpotenzial. Am Samstagmorgen dürfen sie ihn tatsächlich nach Herzenslust streicheln, kraulen und liebkosen. Allerdings: Der Fuchs, den Revierjäger Fritz Eggenberger für das «Waldabenteuer» des Familientreffs Flawil auf der Wiese neben der Jagdhütte im Schändrich plaziert hat, ist tot. Ein teures Präparat sei es nicht, sagt Eggenberger. Im Gegensatz zur Auerhenne, die einen Wert von rund 3000 Franken verkörpere und deshalb nur beäugt werden darf. Gleiches gilt für den Sperber mit Plombe am Fuss: «Wir mussten Jahre warten, bis wir die Bewilligung hatten, den Vogel präparieren zu lassen.»

Zu hoher Fuchsbestand

«Ich habe schon einen lebenden Fuchs gesehen», meldet sich selbstbewusst ein Bub. Es folgt eine ganze Reihe «Ich-auchs». Fritz Eggenberger bremst die Euphorie: «Füchse sind Kulturfolger, gehören aber nicht in Gärten. Wenn ihr einen seht, verscheucht oder vergrämt ihn.» Der Fuchsbandwurm gelange über den Kot auf Lebensmittel und infiziere so den Menschen. Und bei besonders zutraulichen Füchsen gelte erst Recht: Finger weg.

Viel zu hoch sei derzeit der Fuchsbestand im Flawiler Jagdrevier, erklärt Eggenberger. «Keiner schiesst sie gern: die Munition ist teuer, und der Fuchs bringt kaum einen Gegenwert.» Da sei die Jagdgesellschaft dieses Jahr noch gefordert.

Geier und Reiher

Eben haben die Kinder ein weiteres Tier gesichtet: einen Geier, wie sie vermuten, ein Reiher, wie sich herausstellt. «Die fressen täglich so viele Fische, wie sie selber schwer sind», weiss Fritz Eggenberger. Verständlich, dass sie bei Fischern nicht sehr beliebt seien. Fasziniert folgen Kinder und Eltern seinen Ausführungen über die Hermelin-Population in der Flawiler Badi oder die fünf Marder, die bei Maestrani gefangen und im Wald ausgesetzt wurden. Töten dürfe man sie nicht. Obwohl sie meist umgehend an den Fangort zurückfänden und das gleiche Spiel von vorn beginne. Inzwischen ist die zweite Kindergruppe um Hans Sigrist aus dem Wald zurückgekehrt. Mit viel neuem Wissen über die Liegeplätze der rund 25 Rehe im Revier, ihre Lebensgewohnheiten und die Chancen, sie zu sichten. «Für einen gezielten Anschuss muss der Jäger um die 25 Stunden ansitzen», sagt Eggenberger, der jedes Reh im Revier kennt. «Euch haben sie schon beim Aussteigen auf dem Parkplatz gehört – sie werden sich also nicht blicken lassen.»