FINANZEN: Uzwil senkt die Steuern

Die Bürgerversammlung genehmigt diskussionslos das Budget 2017 und die vom Gemeinderat beantragte Reduktion des Steuerfusses von 145 auf 140 Prozentpunkte.

Urs Bänziger
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Mit Blumen und Dankesworten aus ihren Ämtern verabschiedet: GPK-Präsident Thomas Höhener, Gemeinderat Bruno Cozzio und Schulrat Heinz Knellwolf.

Mit Blumen und Dankesworten aus ihren Ämtern verabschiedet: GPK-Präsident Thomas Höhener, Gemeinderat Bruno Cozzio und Schulrat Heinz Knellwolf.

Urs Bänziger

redaktion@wilerzeitung.ch

Die Bürgerversammlung stehe unter dem Motto «schwarz-weiss», sagte Gemeindepräsident Lucas Keel. Damit meinte er nicht nur die Zahlen, die er den 246 anwesenden Stimmberechtigten vorlegte, sondern auch die Bilder des verstorbenen Uzwiler Fotografen Jack Tanner, welche am Montagabend im Gemeindesaal ausgestellt waren. Das Budget 2017 der Gemeinde schliesst indessen mit roten Zahlen ab. Angesichts eines Umsatzes von rund 73 Millionen Franken sei das veranschlagte Defizit von 115'000 Franken jedoch gering, sagte Keel. Das Budget basiert auf einem reduzierten Steuerfuss von 140 Prozent. Die Senkung um fünf Prozentpunkte wurde von den Versammelten mit dem Budget diskussionslos und mit grossem Mehr genehmigt.

Die Gemeinde könne sich die Steuersenkung leisten, betonte Keel. Dies mit Blick auch auf die Rechnung 2016, welche dank grösseren Steuererträgen deutlich besser abschliessen werde.

Schulden steigen auf 35 Millionen Franken

Das Eigenkapital der Gemeinde beträgt rund 18 Millionen Franken. Davon werden 10 Millionen für zusätzliche Abschreibungen eingesetzt. Trotz dieser Entlastung der Laufenden Rechnung werden die Schulden gemäss Finanzplan bis ins Jahr 2020 auf rund 35 Millionen steigen. Auf den ersten Blick ein hoher Betrag, der aber in den Kontext des Anlagevermögens der Gemeinde von über 300 Millionen zu stellen sei, sagte Keel. Mit Vorfinanzierungen und zusätzlichen Abschreibungen versuche die Behörde, eine Balance zu finden. Diese sollte sich gemäss Finanzplan einstellen, der nach geringen Defiziten in den nächsten zwei Jahren ab 2019 trotz reduziertem Steuerfuss und steigenden Schulden mit kleineren Ertragsüberschüssen rechnet. Zu den im Vorfeld der Bürgerversammlung geäusserten Befürchtungen, dass die Gemeinde in die gleiche Schuldenfalle laufe wie in den 90er-Jahren, sagte Keel, dass die Belastung damals im Vergleich zur einfachen Steuer deutlich höher gewesen sei.

Rund 12 Millionen Franken will Uzwil im nächsten Jahr investieren. Neben dem neuen Gemeindehaus fliessen rund 2 Millionen in die Infrastruktur der Schule; allen voran für die Renovation des Kindergartens am Kindergartenweg und für die Aussenrenovation der Schulanlage Neuhof. Budgetiert ist auch ein Projektierungskredit von 100'000 Franken für eine Schulraumerweiterung. Ein Bürger machte den Vorschlag, Container einzusetzen, die man wieder verkaufen könne, wenn die Schülerzahlen zurückgehen. Schulratspräsident Daniel Wyder erwiderte, dass die Uzwiler Bevölkerung stetig am Wachsen sei und die Schule spätestens ab dem Jahr 2020 mehr Raum benötige. Mit dem Projektierungskredit soll ein Architekturwettbewerb durchgeführt werden. Vorgesehen ist eine Erweiterung bei der Schulanlage Herrenhof. Dieser Standort dränge sich auf, weil in Niederuzwil in den nächsten Jahren neue Wohnüberbauungen entstehen werden, sagte Wyder.

Mehr Freiwillige für Asylantenbetreuung

Der Gemeinderat sehe es gerne, wenn in Uzwil gebaut werde, sagte Bruno Cozzio. «Denn bauen heisst auch entwickeln.» Aufgabe der Gemeinde sei es, gute Rahmenbedingungen für die bauliche Entwicklung zu schaffen. Das neue Baugesetz stelle die kommunalen Behörden jedoch vor grosse Herausforderungen. Bruno Cozzio wird damit nicht mehr tangiert sein, denn er tritt nach 12 Jahren aus dem Gemeinderat. Ratskollegin Christine Wirth informierte, dass Uzwil bei der Aufnahme von Asylsuchenden leicht unter dem Soll liege. Deren Integration sei für die Gemeinde eine grosse Herausforderung, wobei Deutsch zu lernen erste Priorität habe.

Brigitte Müller gehört zu den engagierten Personen in Uzwil, die Asylsuchenden Deutschunterricht erteilen. Zu ihrem Bedauern fehlt es für die Betreuung an Freiwilligen und an Räumen. Sie richtete den Wunsch an den Gemeinderat, den Asylsuchenden für Sport im Winter einmal die Woche eine Halle zur Verfügung zu stellen. Ein Bürger wollte wissen, wie es um die Unterflurbehälter in Uzwil stehe. Lucas Keel antwortete, dass die Gemeinde in dieser Sache bis jetzt zurückhaltend agiert habe. Für eine flächendeckende Umstellung müssten über 100 dieser Behälter eingerichtet werden. Trotz Unterstützung des ZAB habe die Gemeinde eine Investition von über 100'000 Franken zu leisten.

Die Mitglieder des Gemeinderates und die Ratsschreiber kurz vor Versammlungsbeginn, dahinter die Fotografien von Jack Tanner. (Bilder: Urs Bänziger)

Die Mitglieder des Gemeinderates und die Ratsschreiber kurz vor Versammlungsbeginn, dahinter die Fotografien von Jack Tanner. (Bilder: Urs Bänziger)