Filigrane Mechanik, Keramikwesen und Polaroid-Aufnahmen: Die aktuelle Ausstellung der Oberuzwiler Galerie Fafou besticht durch Gegensätzlichkeit

Die Oberuzwiler Galerie Fafou zeigt unter dem Titel «Sternzeit 2020,270» Werke von sechs lokalen Kunstschaffenden.

Rolf Hürzeler
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Künstler René Bösch neben seinem geheimnisvollen Keramikwesen. Er hat es im japanischen Raku-Brennverfahren mit Temperaturen bis zu 1000 Grad gefertigt.

Künstler René Bösch neben seinem geheimnisvollen Keramikwesen. Er hat es im japanischen Raku-Brennverfahren mit Temperaturen bis zu 1000 Grad gefertigt.

Bild: Rolf Hürzeler

Ein Gespenst schlängelt sich um den Ast eines Apfelbaums, als ob es sich vergeblich dahinter verstecken möchte. «Hidden, verborgen» heisst die Skulptur von René Bösch. Er hat das geheimnisvolle Keramikwesen im japanischen Raku-Brennverfahren mit Temperaturen bis zu 1000 Grad gefertigt.

Das Objekt ist in der neuen Gruppenausstellung «Sternzeit 2020,270» der Oberuzwiler Galerie Fafou zu sehen. Die Zahlen verweisen auf den 270. Tag im laufenden Jahr, an dem die Vernissage vom letzten Samstag stattgefunden hat. Neben Bösch sind die Künstler Ralf Fitze, Thomas Bertolf, Werner Angst, Urs Sohmer und Frau Edixa mit Werken vertreten, die von radikaler Gegensätzlichkeit zeugen, sodass sie einen Eindruck in die Vielfalt des künstlerischen Schaffens von Oberuzwil und Umgebung vermitteln.

Mitorganisator Urs Sohmer erklärt dazu, dass «die Schau als Ergänzung zu den offenen Ostschweizer Ateliers im Rahmen des diesjährigen Fünf-Stern-Programms gedacht ist». Daher der Name.

Filigrane Mechanik und Polaroid-Aufnahmen

Dem Titel «Sternzeit» buchstäblich am nächsten kommt das Werk «Aufgang und Niedergang oder Niedergang und Aufgang» von Werner Angst. Mit der Sorgfalt eines Uhrmachers hat er eine filigrane Mechanik entwickelt, die den Lauf von Sonne und Mond spielerisch wiedergibt, angetrieben von einer Batterie. Die ganze Installation würde im Umfang in eine grosse Puppenstube passen.

Im gleichen Raum ist eine Reihe von Polaroid-Aufnahmen der Künstlerin Frau Edixa unter dem Titel «Abgesagt» zu sehen, die das wegen der Pandemie abgesagte Tanzfest thematisiert. Sie besuchte mit der Kamera Örtlichkeiten in St.Gallen, welche an diesem Tag unter normalen Umständen von Kunstbegeisterten bevölkert wären, jetzt aber verlassen erscheinen. Frau Edixa hat die Fotos mit Abschnitten von Musiknoten fixiert, um dem Betrachter optisch einen Nachklang des Verpassten zu vermitteln.

Eine heute weitgehend vergessene Technik

Auch ihr Kollege Urs Sohmer arbeitet fotografisch. Er hat sich dem Kollodium-Nassplatten-Verfahren verschrieben. Dahinter verbirgt sich eine heute weitgehend vergessene Technik, die im viktorianischen England entwickelt wurde. Sohmer hat damit während des Lockdowns seine Sehnsüchte fotografisch umgesetzt. So hat er eine alte Postkarte des Kölner Doms in einem Einmachglas drapiert und fotografiert, als ob er seine Erinnerungen an die Stadt bewahren möchte. In einer Bildserie daneben zeigt Sohmer in einer Montage, wie sich ein Kleinkind aus einem solchen Apothekerglas zu befreien sucht, eine gruslige Referenz an die Erziehungsmethoden vergangener Zeiten?

In der Ausstellung sind auch eingängige Bilder zu sehen, etwa ein Porträt von Thomas Bertolf. Er zeigt das traumartige Porträt einer jungen Frau in Acrylfarben, verfeinert mit Sand aus der Thur bei Schwarzenbach. Bertolf schlägt damit einen Bogen zwischen Fantasy und der Wirklichkeit seiner Umgebung. Im gleichen Raum sind die Plastiken von Ralf Fitze zu sehen. Er hat Aluminiumplatten im Stil eines Schmieds intensiv bearbeitet, sodass sie unterschiedliche Strukturen spiegeln, die eine «höhere Ordnung im spirituellen Sinn symbolisieren», wie er sagt.

Öffnungszeiten: 1. und 8. Oktober von 19 bis 21 Uhr, 3. und 4. Oktober von 12 bis 17 Uhr, 10. und 11. Oktober von 14 bis 17 Uhr.