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Feuerwerker Alain Stucki: «Kurse haben einen positiven Effekt»

Feuerwerker Alain Stucki aus Wil über Feuerwerk-Kurse, den verantwortungsvollen Einsatz von Feuerwerk und die ärgerliche Knallerei an den Tagen vor und auch nach dem Bundesfeiertag.
Richard Clavadetscher
Für das Abbrennen von Feuerwerk gibt es zwei Kurse: einen für Amateure und einen für Profis. Der eine dauert einen Tag und kostet 500 Franken, der andere eine Woche und kostet 5000 Franken. (Bild: Andrea Stalder)

Für das Abbrennen von Feuerwerk gibt es zwei Kurse: einen für Amateure und einen für Profis. Der eine dauert einen Tag und kostet 500 Franken, der andere eine Woche und kostet 5000 Franken. (Bild: Andrea Stalder)

Alain Stucki. (Bild: Richard Clavadetscher)

Alain Stucki. (Bild: Richard Clavadetscher)

Für das Abbrennen von Feuerwerk brauchte es in der Vergangenheit keine besonderen Kenntnisse und schon gar keine Schulung. Seit rund einem halben Jahrzehnt ist das anders: Wer sogenannte Verbund-Batterien ab einer bestimmten Grösse erwerben will, braucht einen Ausweis, den er nach dem erfolgreichen Absolvieren eines Kurses erhält.

Alain Stucki, Sie sind Vizepräsident der Schweizerischen Koordinationsstelle Feuerwerk. Das ist die Stimme der Hersteller, Importeure und Grossisten. Was muss Ihre Koordinationsstelle denn koordinieren?

Wir sind ein Branchenverband, der die von Ihnen genannten Player umfasst. Neu können ihm aber auch Leute beitreten, die eine Ausbildung absolviert haben, um grösseres Feuerwerk abbrennen zu dürfen. Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Herstellern, Händlern sowie Verbrauchern einerseits und den Behörden auf Stufe Bund, Kanton und Gemeinde anderseits.

Es geht dabei um Feuerwerk, also nicht um Sprengstoffe im eigentlichen Sinn?

Zwar sind Feuerwerk und Sprengstoffe im selben Gesetz geregelt, aber das sind zwei ganz verschiedene Dinge.

Sind die Übergänge denn nicht fliessend?

Nein. Produkt, Ausbildung, Anwendung und Vorschriften unterscheiden sich sehr. Beiden gemeinsam ist allenfalls, dass es bei beiden knallen kann.

Beim Feuerwerk ist die Spanne der Produkte ja sehr gross: Das geht vom bengalischen Streichholz bis hin zum computergesteuerten Seenachtsfest-Feuerwerk. Wie behalten Sie da die Übersicht?

Wir unterteilen das Feuerwerk in vier Kategorien. Drei davon, also den grössten Teil des Angebots, können Sie am Stand erwerben, wenn sie mindestens 18 Jahre alt sind. Dann gibt es noch eine vierte Kategorie für den gewerblichen Gebrauch. Die kommen dann eben zum Beispiel bei den Seenachtsfest-Feuerwerken zum Einsatz.

Es fällt auf, dass heute beim Feuerwerk gerade Verbund-Batterien beliebt sind. Ist das der allgemein feststellbare Trend zu mehr Action?

Nicht unbedingt. Früher hatte man die auch heute noch beliebten Vulkane und die Raketen. Bei den Raketen geben sie Geld aus für vielleicht fünf Sekunden Feuerwerk. Bei einer Verbund-Batterie müssen sie auch nur einmal anzünden, haben dann aber ein bis zu einer Minute dauerndes Feuerwerk mit verschiedenen Effekten. Der einzelne Schuss kommt dadurch preislich günstiger, und Sie haben erst noch mehr davon.

In der Schweiz sollen jährlich zwischen 1800 und 2000 Tonnen Feuerwerk abgebrannt werden, wobei dieses Gewicht inklusive Verpackung zu sehen ist. Die Bundesfeier dürfte da wohl der Hauptanlass sein?

Das ist klar so. Ganz deutlich dahinter kommt der Silvester. Dort haben die Verkäufe aber in den letzten Jahren immer ein bisschen zugelegt. Schliesslich sind da eben noch Seenachtsfeste, Geburtstage, Hochzeiten und so weiter.

Seit rund einem halben Jahrzehnt dürfen grosse Verbund-Batterien nicht mehr ohne Kurs, Prüfung und daraus resultierendem Ausweis erworben und gezündet werden. Wie sehr hat diese Restriktion denn die Mitglieder Ihres Branchenverbands getroffen?

Im ersten Jahr der Gültigkeit der Vorschrift ist der Verkauf in diesem Produktebereich um geschätzte 80 Prozent eingebrochen. Es gab ja noch wenige Leute mit dieser Ausbildung, obwohl wir sie früh genug angeboten haben. Inzwischen hat sich der Verkauf erholt, wenn auch nicht mehr auf das frühere Niveau.

Die Kursabsolventen sind inzwischen zahlreicher?

Dies einmal. Zudem hat man im frei verkäuflichen Bereich die Limiten ausgenützt. So erwirbt jemand ohne Ausweis heute im Freiverkaufsbereich, vielleicht statt der für ihn nicht mehr erlaubte, eine Drei-Kilo-Verbund-Batterie, drei kleine à ein Kilo Pulver. Damit ist eine gewisse Kompensation gelungen.

Ihre Koordinationsstelle ist zusammen mit andern auch Kursanbieter. Was lernt man in diesem Kurs?

Es gibt zwei verschiedene Kurse. Der Kurs A dauert einen Tag, kostet 500 Franken, und der dort erworbene Ausweis ist fünf Jahre gültig. Man lernt den korrekten Umgang mit jenen Batterien, die über ein Kilo Pulver haben: wie befestigen, worauf achten, Sicherheitsabstände und ganz allgemein die gesetzlichen Vorschriften. Zudem lernt man auch das elektrische Zünden – etwas, das für viele Kursteilnehmer neu ist.

Und der Kurs B?

Der Kurs B dauert eine Woche, kostet etwa 5000 Franken. Er ist für jene gedacht, die vom Feuerwerkbereich leben, bei denen das ein Geschäftsbereich ihrer Firma ist. Das ist dann also für die Profis. Selber habe ich diesen Kurs auch absolviert und besitze den entsprechenden Ausweis.

Diese Kurse gibt es nun ein halbes Jahrzehnt. Hat es durch die Zeit Optimierungen gegeben?

Es gab Veränderungen auf der Seite des Gesetzes. Man hat gesehen, dass gerade aufgrund dieser Kurse der verantwortungsvolle Umgang mit Feuerwerk deutlich besser geworden ist. So kam uns «Bern» etwas entgegen und erlaubt nun mit dem A-Ausweis bis zu 50 Kilogramm auf dem Abschussplatz. Früher waren nur deren 20 erlaubt.

Weitere Anpassungen?

Sie betreffen die Sicherheitsabstände. Hier hat man sich an die EU-Richtlinien angepasst, die Sicherheitsabstände aber eher noch etwas grösser, also restriktiver gewählt.

Eigentlich hat Ihre Branche drei Hauptgegner: trockenes Wetter, Umweltbesorgte und Tierschützer.

Kann man so sagen, ja. Beim Wetter können wir nicht viel machen. Immerhin aber spricht etwa der Kanton St. Gallen nicht mehr einfach ein flächendeckendes Feuerwerkverbot aus. Er berücksichtigt, dass die klimatischen Bedingungen je nach Region sehr unterschiedlich sind, und nimmt bei Restriktionen nun darauf Rücksicht.

Und was sagen Sie den Umweltbesorgten?

Es geht ja um den Feinstaub. Da ist richtig, dass etwa an einem 1. August die Spitzenbelastung über dem gesetzlichen Grenzwert liegt. Aber gemessen wird ja auf 24 Stunden. Und da liegt die Belastung unterhalb des Grenzwerts. Die Belastung baut sich zudem schnell wieder ab.

Bleiben die Tierschützer.

Da haben wir Verständnis. Ärgerlich ist auch für uns, wenn Feuerwerk nicht lediglich am 1. August gezündet wird, sondern schon drei Tage vorher und noch drei Tage nachher. Wenn Feuerwerk nämlich nur am 1. August gezündet würde, könnten sich Tierhalter darauf einstellen, könnten sie mit dem Hund vielleicht in den Keller gehen und dort Musik laufen lassen. Wir von der Koordinationsstelle für Feuerwerk rufen deshalb diesbezüglich zur Vernunft auf.

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