Feuerwehrdepot: IG spielt auf Zeit

Die IG Kulturhaus möchte das alte Feuerwehrdepot als Kulturstätte nutzen. Nur steht der Altbau auf dem Marktplatz, den der Gemeinderat in einem Gesamtkonzept umgestalten will. Dies dürfte aber dauern. Deshalb strebt die IG in einem ersten Schritt eine vorläufige Nutzung an.

Andrea Häusler
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Das Kulturhaus soll den Charakter des Depots behalten. Im Vorbau rechts soll die Bühne plaziert werden. (Bild: Visualisierung: IG Kulturhaus)

Das Kulturhaus soll den Charakter des Depots behalten. Im Vorbau rechts soll die Bühne plaziert werden. (Bild: Visualisierung: IG Kulturhaus)

FLAWIL. St. Gallen hat die Lokremise, Wil den Kulturgüterbahnhof «Gare de Lion». Selbst Oberuzwil – mit der «Alten Gerbi» – oder Gossau (Markthalle) sind dem Trend gefolgt, Gewerbe- und Industriebrachen oder charakteristische öffentliche Immobilien behutsam zu modernisieren und einer neuen Nutzung zuzuführen. Einen baulichen Zeitzeugen mit aktuellen gesellschaftlichen Bedürfnissen in Einklang bringen will auch die IG Kulturhaus mit der Umnutzung des alten Feuerwehrdepots. Am Dienstag präsentierten Peter Hartmann, Eva Froidevaux, Bernhard Müller, Uli Siegenthaler und Dani Müller stellvertretend für die IG ein Konzept, das über die Art und die Kosten Aufschluss gibt.

Entwicklung in urbane Richtung

«Flawil ist weder Dorf noch Stadt noch Agglomerationsgemeinde», sagte Kantonsrat Peter Hartmann. Das Bundesamt für Statistik spreche von einer «Kerngemeinde ausserhalb der Agglomeration». Als solche müsse Flawil ein eigenständiges Profil entwickeln. Die Basis dafür bilde nebst dem Anschluss an den öffentlichen Verkehr, Läden, Erholungsraum oder einem Zentrum auch die Kultur. «Mit diesem Projekt und der Aufwertung des Zentrums als lebendige Begegnungszone möchten wir die Entwicklung Flawils in die urbane Richtung unterstützen und zur Identitätsbildung des Stadtdorfes beitragen.»

Ausgewiesenes Bedürfnis

Die Vertreter der IG Kulturhaus sind sich einig: Es besteht ein Bedürfnis nach einer Kulturstätte im Zentrum. Trotz mehrerer Räume, die für kulturelle Veranstaltungen belegt werden können. Das Kulturhaus «altes Feuerwehrdepot» wäre ganzjährig nutzbar, hätte eine permanente Bühneninfrastruktur, böte Proberäume und liesse sich für Firmen- und Privatveranstaltungen vermieten. Schliesslich, sagte Eva Froidevaux, könnten aufgrund der zentralen Lage und der Sichtbarkeit des Gebäudes viele Leute erreicht werden.

Nicht vergolden

«Eine Platzgestaltung braucht ein Thema, das Menschen anzieht», sagte Bernhard Müller, Planer in der IG. In einem Kulturhaus sieht er einen solchen Magneten. «Wir wollen den Bau nicht vergolden, er soll auch den typischen Charakter des Feuerwehrdepots behalten», sagte er. Angedacht seien, aufgrund der Architektur, zwei Raumgruppen: links ein Bistrotrakt mit verglasten Toren, der nach aussen bewirtschaftet werden kann und rechts ein Saal für ca. 110 Personen. Im Untergeschoss könnten Proberäume untergebracht werden, für das Dachgeschoss sowie den Schlauchtrocknungsturm liegen noch keine konkreten Nutzungsideen vor.

Trägerschaft des Kulturhauses soll ein Verein bilden, der eine Betriebsgruppe für die Koordination des Kulturbetriebs einsetzt. Diese soll unter professioneller Betriebsführung stehen.

Konflikt mit Machbarkeitsstudie

Die IG hat die Konzeptphase abgeschlossen, ihre Planungsarbeit im März dem Gemeinderat vorgestellt. Dass der angestrebte Erhalt des Feuerwehrdepots die Pläne des Gemeinderats kreuzt, ist ein Fakt. Denn dieser hat für die Gestaltung des Marktplatzes eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse die Basis für einen Architekturwettbewerb bilden sollen (siehe Zweittext). Entsprechend ist der IG vorgeschlagen worden, das Anliegen «Kulturstätte am Marktplatz» – nicht die Nutzung des Feuerwehrdepots – als Rahmenbedingung in die Machbarkeitsstudie einzubeziehen.

Zwischenlösung als Variante

Aufgrund dessen liegt der Fokus nun nicht mehr primär auf dem Wünschbaren, der definitiven Umnutzung des Feuerwehrdepots, sondern auf dem potenziell Machbaren: einer Zwischennutzung. Denn, bis die Marktplatzgestaltung über alle demokratischen Hürden hinweg ausführungsreif ist, werde es wohl noch Jahre dauern, ist Peter Hartmann überzeugt. Zeit genug, um das Feuerwehrdepot ohne grössere bauliche Eingriffe und mit Rücksicht auf die Nachbarschaft befristet als Kulturhaus zu nutzen. «Damit liesse sich das Depot vorerst wenigstens zugänglich machen.»

Prägnant: Der alte Schlauchtrocknungsturm auf der hinteren Seite des Feuerwehrdepots am Flawiler Marktplatz. (Bild: Andrea Häusler)

Prägnant: Der alte Schlauchtrocknungsturm auf der hinteren Seite des Feuerwehrdepots am Flawiler Marktplatz. (Bild: Andrea Häusler)