Fernwärmenetz wird realistisch

BAZENHEID. Ein Fernwärmenetz vom ZAB nach Kirchberg und Wil ist technisch und wirtschaftlich realisierbar. Zu diesem Schluss kommt eine Machbarkeitsstudie. Das Projekt soll nun zügig weiterverfolgt werden und bis 2016 politisch spruchreif sein.

Hans Suter
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Der ZAB könnte jährlich etwa 50 Gigawatt Wärme in ein Fernwärmenetz einspeisen. Die Wärme entsteht in der Kehrichtverbrennungsanlage. (Bild: Hannes Thalmann)

Der ZAB könnte jährlich etwa 50 Gigawatt Wärme in ein Fernwärmenetz einspeisen. Die Wärme entsteht in der Kehrichtverbrennungsanlage. (Bild: Hannes Thalmann)

Bereits heute beliefert der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) mehrere Industriebetriebe in Bazenheid mit Dampf (Prozesswärme). Im selben Umfang, nämlich etwa 50 Gigawatt pro Jahr, könnte der ZAB auch Fernwärme in Form heissen Wassers liefern.

Machbarkeit belegt

Es ist nicht das erste Mal, dass beim ZAB über Fernwärme nachgedacht wird. Nun scheint die Zeit reif für eine erneute Prüfung. Der ZAB, die Technischen Betriebe Wil (TBW), das Hochbauamt des Kantons St. Gallen sowie die Politische Gemeinde Kirchberg und die Dorfkorporation Bazenheid haben die Wiler Firma Calorex AG mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Ausgangspunkt bilden die thermischen Anlagen des ZAB (Kehrichtverbrennung), wo die Wärme entsteht. Wie die Gemeinde Kirchberg mitteilte, hat die Studie ergeben, «dass die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit der untersuchten Versorgung verschiedener Siedlungsschwerpunkte auf den Gemeindegebieten von Kirchberg und Wil, allenfalls Rickenbach und Wilen, nachgewiesen werden kann».

Wärmepreis marktkonform

Nach den Worten von Claudio Bianculli, Vorsitzender der Geschäftsleitung des ZAB, wurden in der Studie drei Äste für ein Fernwärmenetz beurteilt, nämlich nach Kirchberg, Bazenheid und über Stelz nach Wil. Laut der Studie dürften nun insbesondere die Äste nach Bazenheid und Wil im Fokus stehen. «Das Projekt wäre technisch möglich und der Wärmepreis marktkonform», fasst Bianculli das Resultat in wenigen Worten zusammen, ohne gegenwärtig näher auf Zahlen eingehen zu wollen.

Bereits zugestimmt

«Das Projekt ist eine Chance für die Region, bereits vorhandene Wärme zu nutzen und damit nicht erneuerbare Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas einzusparen und den Emissionsausstoss zu reduzieren», sagt Magnus Brändle, Gemeindeschreiber in Kirchberg. Der Kirchberger Gemeinderat habe sich daher für eine zügige Weiterverfolgung des Projekts ausgesprochen. Gleiches gilt für Wil. Stadtrat Marcus Zunzer, Vorsteher Departement Bau, Umwelt und Verkehr, sagt: «Gestützt auf die Ergebnisse der abgeschlossenen Machbarkeitsstudie, welche die Energiedichte und die Wirtschaftlichkeit als gut bezeichnet, ist der Stadtrat vom Potenzial des Projekts Fernwärme ZAB Bazenheid überzeugt und hat grundsätzlich entschieden, dass es weiterverfolgt werden soll.» Bis Ende 2016, also noch in der laufenden Legislatur, soll das Projekt politisch spruchreif sein.

IG Fernwärme gründen

Bei den TBW als grösstem Erdgasversorger der Region sieht man das Projekt nicht als Konkurrenz. Stadtrat Daniel Meili, Vorsteher Departement Versorgung und Sicherheit, sagt: «Mit dem Fernwärmeprojekt soll primär Heizöl ersetzt werden, dessen Anteil bei der Wärmeerzeugung in Wil immer noch mehr als 50 Prozent beträgt. Es ist somit weniger eine Konkurrenzierung als vielmehr eine sehr interessante Ergänzung des heutigen TBW-Angebots.»

Für die nächsten Schritte ist die Gründung einer IG Fernwärme vorgesehen. Darin sollen politische und operative Vertretungen der Hauptäste Bazenheid, Kirchberg und Wil das Projekt gemeinsam weiterentwickeln. Der ZAB wird Wärme liefern, nicht aber das Netz bauen.

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