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Fernwärme Wil soll kein zweites
Biorender-Debakel werden

Die meisten Wiler Stadtparlamentarier stehen der geplanten Erschliessung Wils mit Fernwärme aus Bazenheid positiv gegenüber. Sie haben aber Respekt vor den Dimensionen und der technischen Komplexität.
Hans Suter
Die einstige Kehrichtverbrennungsanlage in Bazenheid hat sich im Lauf der Jahre zu einem modernen Energiepark entwickelt: Abfall ist heute Rohstoff. (Bild: Hans Suter)

Die einstige Kehrichtverbrennungsanlage in Bazenheid hat sich im Lauf der Jahre zu einem modernen Energiepark entwickelt: Abfall ist heute Rohstoff. (Bild: Hans Suter)

Das Projekt Fernwärme Wil soll die Wärmeversorgung der Stadt ökologischer und unabhängiger machen. Für die Detailplanung bis zum Auflageverfahren beantragte der Stadtrat einen Projektierungskredit von 1,3 Millionen Franken. Der Präsident der Werkkommission, Erwin Böhi (SVP), äusserte sich skeptisch zu diesem hohen Kredit. «Die Annahmen des Stadtrats sind sehr optimistisch», sagte er. Deshalb will die Werkkommission die Projektierung etappieren und beantragte einen Kredit von maximal 500000 Franken.

Verunsicherung führte zu Rückweisungsantrag

Weder der Stadtrat noch die Verantwortlichen der Technischen Betriebe Wil (TBW) können sich nach dem Teilerfolg im Parlament zurücklehnen. Die Debatte legte offen, dass das Vertrauen in dieses 50-Millionen-Projekt noch nicht da ist. Im Gegenteil: Die Mitglieder des Stadtparlaments erhielten am 2. November 2018 einen Brief von einem ehemaligen Kader-Mitglied der TBW. Darin warnt dieser vor einem finanziellen Fiasko. Dies sorgte für eine erhebliche Verunsicherung.
Guido Wick, Fraktionssprecher der Grünen Prowil, bezeichnete die Technik für die Fernwärme als sehr teuer und wies darauf hin, dass sie auch umstritten sei. «Es geht mir jetzt aber nicht um den Inhalt, sondern um den Prozess, der zu dieser Vorlage geführt hat.» Im Namen seiner Fraktion beantragte er, das Geschäft an die Werkkommission zurückzuweisen mit dem Auftrag, «die Unterlagen zu früheren Abklärungen im Zusammenhang mit der Fernwärme ab Bazenheid zu sichten und dem Parlament gemäss ihrer Erkenntnis Antrag zu stellen».

Auch die kritischen Punkte aufzeigen

Erst nach der abschliessenden Kommissionssitzung sei von Dritten (einem ehemaligen TBW-Kadermann) informiert worden, dass die Stadt Wil bereits zu früheren Zeiten bezüglich Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit für Fernwärme ab Bazenheid Untersuchungen gemacht habe. «Auf Nachfrage beim zuständigen Stadtrat wurden diesbezüglich einige Informationen nachgereicht», sagte Guido Wick in der Antragsbegründung. «Unter anderem wurde den Kommissionsmitgliedern von einem 56-seitigen Bericht eine einzige Seite mit der Zusammenfassung zugestellt.» Die jüngste Untersuchung, erstellt in Zusammenhang mit der Umfahrung Bazenheid, sei nicht mehr auffindbar. «Diese Resultate sollten selbstverständlich vorliegen, bevor weitere Abklärungen vorgenommen werden», sagte Wick. «Für die Beurteilung der Fernwärme ab ZAB müssen alle verfügbaren Informationen einbezogen werden, auch solche, die das Vorhaben kritisch beurteilen.» Genau darum gehe es nämlich bei einem Prüfbericht, «dass die kritischen Punkte aufgezeigt werden».
Wick forderte das Parlament mit Vehemenz auf, zu verhindern, dass es den gleichen Fehler wie beim damaligen Kredit für die Biogasanlage der Biorender AG wiederhole. «Auch damals war Zeitdruck die Begründung für die Zustimmung», warnte Wick vor zu viel Eile.
Stadtrat Daniel Meili (FDP), Vorsteher Departement Versorgung und Sicherheit, bestätigte, dass man auf die fehlenden Unterlagen hingewiesen worden sei. Man habe nichts davon gewusst und im Archiv schliesslich Studien aus den Jahren 1983 und 1988 gefunden. Weitere und aktuellere Studien gebe es nicht. «Studien haben nach 30 Jahren keinen eigentlichen Wert mehr», fügte er hinzu und warb für die Fernwärme. «Das Risiko kann man nie ganz auf null reduzieren», schränkte er zwar ein. Doch zwei voneinander unabhängige Studien zeigten, dass das Projekt gute Chancen und eine ausgewiesene Machbarkeit aufweise. Zudem sei die Technik erprobt und funktioniere. Der Stadtrat schloss sich dem Vorschlag der Werkkommission an, weil dieser keine inhaltliche Änderung darstelle, sondern nur eine Etappierung der Projektierung verlange.

Antrag der Werkkommission setzt sich durch

Schliesslich hat das Stadtparlament den Rückweisungsantrag der Grünen Prowil mit 14 Ja- zu 19 Nein-Stimmen bei 3 Enthaltungen abgelehnt. Auch vom stadträtlichen Kreditantrag für 1,3 Millionen Franken wollte das Parlament nichts wissen und stimmte mit 29 Ja zu 3 Nein bei 3 Enthaltungen für den Antrag der Werkkommission mit einem Kredit von vorerst 500000 Franken.
Damit ist für die Zukunft aber noch nichts entschieden. Denn die Grundsatzdiskussion zum auf 50 Millionen Franken geschätzten Fernwärmeprojekt steht dem Parlament noch bevor. Wie weit die im Vorfeld der Parlamentssitzung zu spüren gewesene positive Grundstimmung zur Fernwärme gelitten hat, ist derzeit schwierig abzuschätzen.

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