Fernwärme als Zukunftschance

Die Technischen Betriebe Wil erzielten im Jahr 2014 einen Netto-Gewinn von 4,4 Millionen Franken. Um die sinkenden Margen bei der Energie zu kompensieren, verlagert das Unternehmen seine Strategie noch stärker zur Dienstleistung.

Philipp Haag
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TBW-Geschäftsführer Martin Berti nennt die Wirtschaftlichkeit als strategisches Ziel des Unternehmens. (Bild: Philipp Haag)

TBW-Geschäftsführer Martin Berti nennt die Wirtschaftlichkeit als strategisches Ziel des Unternehmens. (Bild: Philipp Haag)

WIL. Bei den Technischen Betrieben Wil (TBW) handelt es sich um ein gesundes Unternehmen. Dies machte der zuständige Stadtrat Daniel Meili an einer Medienkonferenz gestern nachmittag einmal mehr deutlich. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Netto-Gewinn von 4,4 Millionen Franken. Damit liegen die TBW um rund 2,3 Millionen Franken über Budget und im Vergleich zum Vorjahr um rund eine Million Franken besser. Die Abgabe an die Stadt beträgt 4,9 Millionen Franken, was einem Plus von einer halben Million Franken im Vergleich zur Abgeltung im Jahr 2013 entspricht. Mit 70 Millionen Franken sank der Umsatz zur Vorjahresperiode um sechs Prozent. Trotzdem beträgt er pro Mitarbeitenden eine Million Franken, was Meili als aussergewöhnlich bezeichnete. Ein weiteres Zeichen für den guten Finanzhaushalt: Die Nettoinvestitionen von 8,5 Millionen Franken im Jahr 2014 finanzierten die TBW aus eigenen Mitteln.

Herausforderungen des Markts

Trotz des «erfreulichen Ergebnisses», wie Meili es bezeichnete, befinden sich die TBW im Wandel. Dies zeigte Geschäftsführer Martin Berti auf. Den Herausforderungen, welche die zunehmende Volatilität des Marktes sowie der gesteigerte Konkurrenzdruck mit sich bringen, stellt sich das Unternehmen, indem es die Geschäftsfelder noch stärker von der Energieversorgung zur Dienstleistung verlagert. Doch um den Wandel durchführen zu können, muss die Wirtschaftlichkeit und Solidität des Betriebs gewährleistet sein sowie das Unternehmen marktgerechte Preise und Produkte anbieten. Die Auswirkungen des teilliberalisierten Strommarkts spüren die TBW bereits seit einigen Jahren. Der Verlust an Kunden hat sich im vergangenen Jahr fortgesetzt, «doch in abgeschwächter Form», wie Berti betonte. Es gäbe gar Kunden, die ihre Energie am freien Markt eingekauft hatten, «die zu den TBW zurückkehrten». Von den marktberechtigten Kunden – dabei handelt es sich um Grossverbraucher aus Industrie und Gewerbe – beziehen 80 Prozent ihre Energie über die TBW. Einen wesentlichen Fortschritt hinsichtlich der Marktfähigkeit, «eine Professionalisierung bei der Strombeschaffung», wie Berti sagte, konnten die TBW durch die Beauftragung der Energieplattform Ostschweiz AG mit der Eindeckung der TBW-Strommenge erzielen. Die Energieplattform Ostschweiz AG ist eine eigenständige Beschaffungsgesellschaft, die über einen direkten Marktzugang verfügt und dadurch die bestellte Strommenge jederzeit beim günstigsten Energielieferanten plazieren kann. «Die Beschaffungsstrategie reduziert die Marktrisiken für die TBW hinsichtlich Mengen- und Preisrisiko», sagte Berti.

Einbruch beim Gas

Einen Einbruch gab es im Jahr 2014 beim Gasgeschäft. Der Absatz in den 25 Gemeinden sank um 14 Prozent. Die Umsatzeinbusse betrug 4,9 Millionen Franken. Grund für den Rückgang war der warme Winter. Berti rechnet trotz zunehmender Kundenzahl – unter anderem stellen viele Eigenheimbesitzer von Öl auf Gas um – längerfristig mit einem leicht sinkenden Gasabsatz. Dies aufgrund der Zunahme an energieeffizienteren Gasheizungen und Gebäudehüllen. Mit 26,7 Millionen Franken macht die Gasversorgung über 40 Prozent des gesamten Energie- und Diensleistungsumsatzes der TBW aus.

Um die sinkenden Margen bei der Energie zu kompensieren, erschliessen die TBW neue Geschäftsfelder. Berti nannte die Fernwärme, bei der die Stadt Wil eine Realisierung in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) «hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und des Risikos prüft», wie Meili anfügte. Das Ersetzen von Gasheizungen durch Fernwärme sieht Berti als «Chance für die Zukunft». Auch sollen die Dienstleistungen in den Bereichen Netzbau, Betrieb und Unterhalt verstärkt werden. Durch Wachstum möchte er die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens auch langfristig erreichen. «Wirtschaftlichkeit ist das strategische Ziel der TBW», sagte Berti. Daran hat nicht nur das Unternehmen ein Interesse, sondern auch der Stadtrat, der ein neues Modell für die Abgabe an die Stadt einführen möchte.