Feld der 100 000 Spezli

Die Ernte des Braugerstenfeldes von Marcel Rickenmann steht vor der Tür. Heute sollen die Mähdrescher auffahren. Der Ertrag sieht vielversprechend aus. Dementsprechend ist die Herstellung des Wiler Thurbobräus gesichert.

Nadja Stricker Sanchez
Merken
Drucken
Teilen
Bild: Nadja Stricker Sanchez

Bild: Nadja Stricker Sanchez

«Wir hatten Glück. Es hat rundherum gehagelt, aber unser Braugerstenfeld ist davon verschont geblieben», freute sich gestern Marcel Rickenmann. Der Landwirt aus Trungen baut zum vierten Mal die Gerste für die Bierherstellung an. «Wir haben die Sorte hin zu einer standfesteren Art gewechselt. Dies hat sich bewährt. Die Ernte sieht vielversprechend aus», erklärt Rickenmann. Heute sollen die Mähdrescher auffahren und die Ernte vor der angesagten Schlechtwetterperiode ins Trockene bringen.

Gemäss Simon Lumpert vom Verein Idée Wil, der Trägerin des Wiler Thurbobräus, können aus dem 1,2 Hektaren grossen Feld mehr als die im vergangenen Jahr abgesetzten 100 000 Spezli produziert werden. «Jedes Jahr können wir mehr von unserem Thurbobräu absetzen», betont Lumpert. Vom Rest des Braugerstenertrages profitieren andere Biere.

Beste Schweizer Gerste geliefert

«Die Schweizer Braugerste weist aus vielen Gründen eine wesentlich höhere Kostenstruktur auf als zum Beispiel Produkte aus dem Ausland. Aus diesem Grund können Schweizer Bauern mit dem internationalen Preiskampf im Bereich Braugerste nicht mithalten und haben sich auf andere Agrarprodukte spezialisiert», schilderte Claudia Graf von der Rheintaler Brauerei Sonnenbräu AG. Sie hätten sich damit aber nicht zufrieden geben wollen, denn sie sieht für Bierspezialitäten einen interessanten, wachsenden Nischenmarkt für Schweizer Braugerste. Deshalb habe sich die Sonnenbräu vor acht Jahren auf die Suche nach potenziellen Bauern gemacht, die für die Rheintaler Brauerei Braugerste anpflanzen.

Mit dem Wiler Landwirt Ruedi Rhyner konnte die Sonnenbräu AG ihr Ziel erreichen und braut mit der in der Region Wil angebauten Braugerste das Thurbobräu. Sein Nachfolger ist Marcel Rickenmann, er kann heute seine vierte Ernte einbringen. «Die Analysenwerte der Gerste von Rickenmann waren sehr gut. Wie bereits 2009 konnte die Sonnenbräu von ihm die beste Schweizer Gerste entgegennehmen», lobte Claudia Graf den Landwirt.

«Keinen Heimatschutz»

Das Thurbobräu ist mit dem Label Culinarium ausgezeichnet worden. Dieses Label erhalten nur Produkte, die mit mehr als 50 Prozent der regionaler Rohstoffe hergestellt werden. «Vor elf Jahren haben wir den Verein Culinarium gegründet. Wir wollen auf keinen Fall Heimatschutz betreiben, sondern vielmehr den einheimischen Markt mit guten Produkten verteidigen», betonte Nationalrat Walter Müller, der dem Trägerverein Culinarium als Präsident vorsteht, an der gestrigen Medienkonferenz.

Das Bedürfnis nach regionalem, einheimischen Bier ist vorhanden. Culinarium fördere solche innovative Türöffnerprodukte. Claudia Graf hofft, dass sich dieser Einsatz für das regionale Bier auch einmal auszahlen wird. Heute ist der Preis für den Konsumenten für das Thurbobräu vergleichbar mit anderen Bieren. Für die Rohstoffe muss die Brauerei aber mehr berappen. «Zum einen sind wir überzeugt, dass der Konsument irgendwann auch den wirklichen Preis für <sein> Bier bezahlen wird, zum anderen wollen wir mit unserer Unternehmung regionale Spezialitäten unterstützen», so Graf.