Das Stadion ohne Namen: Vertrag mit IGP läuft aus, kein Nachfolger für Namensrechte des Bergholz in Wil in Sicht

Der FC Wil startet ohne Namensgeber für seine Arena in die Rückrunde. Damit fallen wichtige Einnahmen weg.

Gianni Amstutz
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Der Schriftzug «IGP Arena» wird auch in der Rückrunde zu sehen sein.

Der Schriftzug «IGP Arena» wird auch in der Rückrunde zu sehen sein.

Bild: Hanspeter Schiess

Das Stade de Suisse in Bern heisst bald wieder Wankdorf. Fans und Club freut’s. Die IGP-Arena in Wil heisst vielleicht bald wieder Bergholz. Das ist beim Wiler Fussballclub jedoch – ausser für traditionsbewusste Anhänger – kein Grund zur Freude. Denn der Fall ist anders als in Bern. Dort wurde mit dem Biotechnologie-Unternehmen CSL Behring ein Stadionsponsor gefunden, der jedoch darauf verzichtet, beim Stadionnamen genannt zu werden.

In Wil hingegen ist die Wiler Sportanlagen AG (Wispag) gemeinsam mit den Verantwortlichen des Fussballclubs weiterhin auf der Suche nach einem Namenssponsor, wie Geschäftsführer Marcel Schneller bestätigt. Ende 2018 gab die bisherige Namensgeberin, die Firma IGP, bekannt, die Zusammenarbeit mit dem FC Wil und der Wispag per Ende 2019 zu beenden. Seither läuft die Suche – bisher erfolglos. Die Wispag und der FC Wil seien mit Hochdruck dabei, einen neuen Namenssponsor zu finden, sagt Schneller. «Es haben bereits viele Gespräche stattgefunden respektive finden aktuell statt.»

«Namensrecht ist für FC Wil sehr wichtig»

Für den Namenssponsor wird wohl ein tiefer sechsstelliger Betrag pro Jahr fällig. Ein Teil davon wurde bislang vom FC Wil für die Stadionmiete verwendet, ein zweiter, etwas kleinerer Teil, kam der Wispag zugute. Ohne diesen Zustupf fehlen sowohl dem FC Wil als auch der Wispag wichtige Einnahmen. Marcel Schneller relativiert aber die Wichtigkeit, unmittelbar wieder einen Sponsor zu finden: «Klar wünschen wir uns einen neuen Namensrechtspartner. Dies ist aber für die Wispag nicht von existenzieller Bedeutung.» Anders sieht es für die FC Wil 1900 AG aus, wie Geschäftsführer Benjamin Fust sagt: «Die Erträge aus dem Namensrecht sind für den FC Wil sehr wichtig, dementsprechend gross ist unser Interesse, einen neuen Partner zu finden.»

Dass sich die Suche nach einem Namenssponsor eher zäh gestaltet, dürfte auch daran liegen, dass die Liste möglicher Partner stark begrenzt ist. Dies wohl auch, weil die wiederkehrenden Kosten im sechsstelligen Bereich nur von wenigen Unternehmen gestemmt werden können. «Selbstverständlich selektiert die Höhe des Engagements die potenziellen Partner», sagt Marcel Schneller. Das Namensrecht sei ein bedeutsames Engagement, welches weiter gehe als die klassischen Marketinginstrumente – auch in finanzieller Hinsicht. «Dieser Umstand und der teilweise hohe wirtschaftliche Druck in gewissen Branchen macht die Suche anspruchsvoll.» Dabei würden verschiedenen Kriterien eine Rolle spielen. Eines davon dürfte auch die Regionalität sein.

Schliesslich hat der FC Wil als Challenge-League-Club eine begrenzte internationale Ausstrahlung. Das war mitunter auch ein Grund dafür, dass die Zusammenarbeit zwischen dem FC Wil und der IGP nach fünf Jahren beendet wurde. Marc Züllig, CEO der IGP Pulvertechnik AG, sprach zwar von einer erfolgreichen lokalen, aber auch überregionalen Bekanntheitssteigerung, sagte jedoch auch: «Aufgrund der weiteren Internationalisierung haben wir uns entschlossen, auf eine Weiterführung zu verzichten.»

Bergholz heisst vorerst weiterhin IGP-Arena

Noch hat das Bergholz keinen neuen Namen. Wie wird die Heimstätte des FC Wil also in der Rückrunde heissen? «Das Stadion wird bis Ende Saison 2019/20 aus praktischen Gründen IGP-Arena heissen», sagt Schneller. Danach, so hoffen er und die Verantwortlichen des FC Wil, wird man einen neuen Namenssponsor präsentieren können.