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Faszination für Gehörnte

In der Tourismuswerbung stellen Kühe wirkungsvoll ihre Hörner zur Schau. Auf Viehschauen jedoch begegnet man Gehörnten immer weniger. Thomas Barmettler hat sich der Haltung von Hornvieh verschrieben.
Andrea Häusler
Thomas Barmettlers Kühe tragen Hörner. Weil es sich so ergeben hat, wie er selber sagt. Bilder: Andrea Häusler

Thomas Barmettlers Kühe tragen Hörner. Weil es sich so ergeben hat, wie er selber sagt. Bilder: Andrea Häusler


Hans Ueli Naef ist ausgezogen. Das «Knuddelbärli» aus der achten Staffel der 3-Plus-Kuppelshow «Bauer ledig sucht...» von 2013 hat die Pacht auf dem Morf’schen Hof in Untergampen aufgegeben, und sich, einen Steinwurf entfernt, ein «Heimetli» gekauft. Einen Teil seines Viehbestands hat der 62-Jährige seinem Nachfolger übergeben und damit dessen Entscheid, auf Hornvieh zu setzen, unwillkürlich, aber nicht unerheblich beeinflusst. Jedenfalls sagt Neupächter Thomas Barmettler: «Wenn Hans Ueli sein Vieh enthornt hätte, hielte ich heute wohl hornlose Kühe.»

Seit Juni wohnt der 29-jährige Jungbauer auf dem gut einen Kilometer vom Degersheimer Dorfzentrum entfernten und von Wald umschlossenen Gehöft am Fusse des Fuchsackers. Vor kurzem erst hat er den neuen Laufstall in Betrieb genommen. Der Neubau ist speziell auf die Haltung von Hornvieh ausgelegt. Die Gänge sind breiter als üblich, mit Ausweichstellen versehen, und so angelegt, dass keine Sackgassen das Durchkommen erschweren. «Das verlangte mehr Fläche», sagt Barmettler und weist auf die speziell ausladenden Fressgitter hin. Zusätzlichen Raum beansprucht der Melkbereich, der mit vier verschliessbaren Einzelboxen ausgestattet ist.

17 Kühe und ein Stier

Mit neun Kühen ist der gelernte Landwirt in sein Leben als selbstständiger Bauer gestartet. Heute tummeln sich deren 17 auf den hügeligen Weiden rund um den Hof. Und im Stall döst ein Zuchtstier, ohne sich von den Ziegen stören zu lassen, die sich frech über das aufgeschüttete Heu her machen. Der Stall bietet Platz für 20 Kühe. Auf diesen Bestand will Thomas Barmettler seine Herde ausbauen. Wissend, dass es ihm auch dann nicht möglich sein wird, allein von der Milchwirtschaft zu leben. Diese betreibt er heute mit einem 70-Prozent-Pensum. Zu 30 Prozent ist er extern angestellt: als Lastwagenfahrer.

peziell auf die Haltung von Hornkühen ausgelegt: der neue Stall.

peziell auf die Haltung von Hornkühen ausgelegt: der neue Stall.

Am Wiesenbord an der Wegkreuzung jenseits des Waldes weiden die Rinder. Sie werden noch dieses Jahr kalben. In zwei Wochen will sie Thomas Barmettler in die Gruppe integrieren. Die Rangordnung, sagt er, sollen sie im Freien ausmachen. Der Verletzungsgefahr wegen. Wobei er bisher stets Glück gehabt habe.

Überzeugt, dass es funktioniert

Die Verletzungsrisiken für Mensch und Tier sind das eine, der Zusatzaufwand mit den Hörnern das andere. Letzterer beginnt bereits bei den Jungtieren. «Es gilt die Hornführer anzubringen, die Spitzen zu schleifen und stets darauf zu achten, dass nichts einwächst», sagt Thomas Barmettler. In zehn oder 20 Jahren werde es wohl nur noch hornlos gezüchtete Kühe geben, glaubt er, der heute schon Verständnis für jeden aufbringt, der sagt: Mit Horn tragenden Kühen tut man sich keinen Gefallen.

Nichtsdestotrotz steht sein Entschluss fest, dem Vieh auch künftig die Hörner zu lassen. «Ich will es durchziehen, weil ich überzeugt bin, dass es funktioniert», sagt er. Vor diesem Hintergrund müsste Thomas Barmettler eigentlich für die im November zur Abstimmung gelangende Hornkuh-Initiative sein. Er winkt jedoch ab: «Jeder Bauer soll selber entscheiden können, ob er Kühe mit oder ohne Horn halten möchte.»

Bauer als Traumberuf

Die Herde hat sich inzwischen aus dem Schatten des Waldrands in die Sonne verschoben. Thomas Barmettler streckt die Hand aus, wartet, bis sich eine der Kühe nähert. Das Verhalten der Tiere sei stark abhängig vom Umgang, den man pflege, sagt er, während er der Braunen über den Rücken streicht. Es ist unübersehbar: Barmettler ist Bauer mit Leib und Seele. «Ja», sagt er, «ich wollte nie etwas anderes als Bauer werden.» Dass er nun den Hof habe pachten können, sei ein riesiges Glück.

Glück hat Barmettler auch droben im bäuerlichen Wohnhaus, wo seine Gattin und die beiden Kinder auf ihn warten. Fünf Jahre nach TV-Bauer Ueli Naef ist Untergampen kein potenzieller 3-Plus-Drehort mehr: Thomas Barmettler ist Bauer, aber weder ledig, noch sucht er eine Frau.

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