FASTNACHT: Eine Frau unter Narren

Die fünfte Jahreszeit steht bevor. Das Motto in Wil lautet «66 Jahre FGW». Mit Sarah Stucki nimmt zum ersten Mal eine Frau im Neunerrat teil. Die Stadtübernahme spielt sich wieder im Rathaus ab.

Philipp Haag
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Philipp Haag

philipp.haag@wilerzeitung.ch

Eigentlich ist sie in Pension, die FGW: Dieses Jahr feiert die seit 1951 bestehende Fastnachtsgesellschaft Wil den 66. Geburtstag. Doch wie schon Udo Jürgens sang: Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. Oder bei der FGW: Mit 66 Jahren, da lassen die Narren richtig los. Sich zur Ruhe setzen, kommt nicht in Frage. Im Gegenteil: Die FGW holt sich weibliche Verstärkung und nimmt mit Sarah Stucki zum ersten Mal eine Frau in den Neunerrat auf. Im gehobenen Alter von 66 Jahren setzt man aber auch gern auf Bewährtes. Aus diesem Grund ändert sich im Vergleich zur Fastnacht 2016 nicht viel. Einen entscheidenden Unterschied gibt es allerdings. Wie es sich gehört, übernehmen die Fastnächtler am Gümpelimittwoch die Regierungsgewalt mit dem Sturm aufs Rathaus. «Im letzten Jahr mussten wir mit einem Kirchplatzschulhaus vorlieb nehmen», sagte FGW-Präsident Oliver Baumgartner an einer gestern pünktlich um 11.11 Uhr gestarteten Pressekonferenz. Der Grund: Die Decke des Rathauses hätte durch die Invasion der Fastnächtler einbrechen können.

Erster Tüüfel-Nachtumzug am Gümpelimittwoch

Nach der Stadtübernahme feuert der Herold seine gereimten Verbalspitzen in die wartende Menge auf dem Hofplatz. Bereits zum dritten Mal verliest der Stadtparlamentarier Mike Sarbach am ­22. Februar die Bullen. «Stoff gibt es genug», ist Baumgartner sicher. Gut möglich, dass die Stadt wegen des neuen Infocenters, das sich nun ebenfalls beim Hofplatz befindet, den einen oder anderen Seitenhieb abbekommt. Zum Abschluss der Fastnachtseröffnung findet zum ersten Mal ein Tüüfel-Nachtumzug statt, der fliessend in den 4. Schnitzelbank-Obig mit fünf Gruppen in Restaurants der Altstadt übergeht. Zu den Tüüfelsbrünzler aus Wil gesellt sich nun eine zweite Schitzelbank-Truppe aus der Äbtestadt.

Ein weiterer Höhepunkt für die Öffentlichkeit folgt am Sonntag: Der Fastnachtsumzug. «Ab diesem Jahr gibt es nur noch den grossen Umzug», sagte Baumgartner. Dies bedeutet: Der Kinderumzug, der alle zwei Jahre stattfindet, wird nicht mehr durchgeführt. «Die Wiler Schulen beteiligen sich nicht mehr gleich zahlreich wie früher», sagte Baumgartner. Die Schulen können aber am grossen Umzug teilnehmen. Trotz des Verzichts auf den Kinderumzug wird beim Nörgeli nicht am Turnus gerüttelt. Alle zwei Jahre geht eine Märchenfigur in Flammen auf. So auch am 26. Februar. Vielleicht marschiert in nicht allzu ferner Zukunft eine Truppe aus Kolumbien beim Fastnachtsumzug mit. Baumgartners Ehefrau stammt aus dem Land, wo der Karneval eine lange Tradition hat. Der Karneval in Barranquilla gehört beispielsweise zu den grössten Veranstaltungen weltweit. Dieser wird jeweils von über einer Million Menschen besucht. Baumgartner wird nichts unversucht lassen, eine Gruppe aus Südamerika nach Wil zu holen, wie er sagte. Ein hohes Ziel, das er sich gesetzt hat. Es ist zu hoffen, dass Baumgartner es erreicht, damit das Huh ä Lotsch nicht zu einem Huh ä Lätsch wird.