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Fast gestorben, heute berühmt

Lobelia hatte einen schlechten Start ins Leben. Doch Familie Ammann aus Schwarzenbach päppelte das Pferd auf. Später trat der weiss geborene Freiberger als «Kleiner Onkel» und «Einhorn» im Märchenzelt im Walter-Zoo auf. Heute ist die Stute sogar Grossmutter.
Angelina Donati
Eine Pferdefamilie, von links: die «berühmte» Lobelia mit ihren Nachkommen Lara, Lucy, Livi und Leila sowie dem Nachkommen in zweiter Generation Lenka. (Bild: Angelina Donati)

Eine Pferdefamilie, von links: die «berühmte» Lobelia mit ihren Nachkommen Lara, Lucy, Livi und Leila sowie dem Nachkommen in zweiter Generation Lenka. (Bild: Angelina Donati)

Neugierig schaut Lobelia aus dem Stall. Sie beobachtet wie Helen und Peter Ammann die Futtertröge mit Heu auffüllen. Sie beginnt eifrig zu kauen. Und von ihren Haltern gibt es Streicheleinheiten. In früheren Jahren wurde das heute 17-jährige Pferd allerdings gar nicht gut behandelt. «Als ich es gekauft habe, stand es um seine Gesundheit sehr schlecht», erzählt Pferdezüchter Peter Ammann aus Schwarzenbach. Damals war Lobelia sechs Monate alt, hatte ständig Durchfall und war dementsprechend mager. «Ihre Rippen standen hervor, man konnte alle zählen», erinnert sich Peters Frau Helen.

Lobelias erster Besitzer musste um ihren schlechten Zustand gewusst haben und war wohl froh, mit Peter Ammann einen Abnehmer gefunden zu haben. «Gut möglich, dass er sich keine grossen Überlebens-Chancen für das Tier ausrechnete», sagt Peter Ammann. Dennoch kaufte der Schwarzenbacher Pferdeliebhaber es. «Dass es sich um einen weiss geborenen Freiberger handelt, hat mich beim ersten Anblick fasziniert und nicht mehr losgelassen.»

Zusammen mit seiner Frau Helen päppelte Peter Ammann die geschwächte Lobelia fürsorglich auf. «Ich behandelte sie mit homöopathischen Mitteln», erzählt Helen Ammann, die sich dieser Methode in ihrer Freizeit widmet und einige Kurse besucht hat. «Bei Pferden funktioniert das sogar besser als bei Menschen. Denn im Gegensatz zu uns haben sie keine Vorurteile.» Mehrere Monate später kam der erhoffte Zeitpunkt und es war klar: Lobelia war über dem Berg.

Mit Tuch winken und Fussball spielen

«Weil sie einen schlechten Start ins Leben hatte, ist Lobelia etwas kleiner als andere Pferde ihrer Art», sagt Helen Ammann. Genau ihre Körpergrösse und auch ihr schneeweisses Fell sind es, mit der sie später «Berühmtheit» erlangen sollte. So suchte einst Gabi Federer von der Walter-Zoo-Familie aus Gossau für die Märchenzelt-Produktion «Pippi Langstrumpf» ein eher kleines, weisses Pferd. Und fand schliesslich mit Lobelia als «Kleiner Onkel» die ideale Besetzung.

Zwei Tage lang waren zwei Coiffeusen damit beschäftigt, auf das weisse Fell schwarze Punkte aufzumalen. Auch kleine artistische Aufgaben wurden dem Pferd beigebracht. «Sie musste einen Ball tschutten und ein Geschirrtuch vom Boden aufheben und damit winken», sagt Helen Ammann. «Wenn man ihr ein kleines Tuch gibt, kann sie auch heute noch damit winken.»

Die intensive Probezeit wie auch die zahlreichen Auftritte habe der weiss geborene Freiberger mit Bravour gemeistert, sagt Peter Ammann. «Sie war stets die Ruhe selbst.» Mit Lucy etwa, einem Nachkommen von Lobelia, hat ein solcher Auftritt nicht geklappt, wie sich herausstellte. Es scharte sich eine grosse Fangemeinde um Lobelia und so kam es, dass sie auch an einer späteren Produktion als Einhorn von Fenja mitwirkte.

Lobelias jüngster «Enkel» ist ein Monat alt

Der weiss geborene Freiberger bleibt für Peter Ammann, der seit 38 Jahren schon Pferde züchtet, sein Liebling. Um die Besonderheit dieser Rasse weiss auch Kollegin Gabi Ochsner aus Andwil. Auch sie war sofort begeistert von Lobelia und züchtet zusammen mit Peter Ammann Nachkommen. Mit zweien ist sie heute zu Besuch in Schwarzenbach: mit Lobelias «Tochter» Leila und dem Nachkommen in zweiter Generation Lenka. «Lenka ist das jüngste der fünf Enkel Lobelias. Sie kam vor einem Monat auf die Welt», sagt Gabi Ochsner. Ihre Pferdezucht startete mit der Geburt eines Fohlens im Jahr 1976.

Wurden Freiberger-Pferde früher als Arbeitstiere, vor allem auch für Armeezwecke, eingebunden, würden sie heute gerne für den Freizeitsport eingesetzt. Die Familie Ammann führt die Pferde regelmässig für einen Ritt aus oder spannt sie in die Kutsche ein. Generell seien diese braunen Pferde für ihre gelehrige, gutmütige Art und ihre pflegeleichte Haltung bekannt. Deshalb hat sich Gabi Ochsner seit jeher dieser Rasse verschrieben.

Eine Familientradition: Mehrmals in der Woche macht die Familie Ammann Ausfahrten mit der Kutsche. (Bild: PD)

Eine Familientradition: Mehrmals in der Woche macht die Familie Ammann Ausfahrten mit der Kutsche. (Bild: PD)

Braune Ohren als i-Tüpfelchen

«Weiss geborene Freiberger sind eine echte Rarität.» Begonnen habe alles, als 1957 im Jura eine weisse Stute mit einer Genmutation zur Welt kam. Fortan versuchte ein Pferdezüchter nach dem anderen, weisse Fohlen zu züchten. «Da Eingriffe extrem teuer sind, bleibt es zum Glück immer noch Sache der Natur. Die Chancen, dass aus dieser Zucht wieder ein weiss geborener Freiberger entsteht, stehen bei 50 Prozent», sagt die Andwilerin.

Selbst wenn es sich aber um ein Pferd mit schneeweissem Fell handelt, könne es sein, dass es braune Flecken aufweist. «Oder eine braune Ohrenpartie hat, wie etwa die frisch geborene Lenka», sagt Gabi Ochsner und schmunzelt. Auch Helen und Peter Ammann gefällt diese Besonderheit. Das sei quasi das i-Tüpfelchen der weiss geborenen Freiberger.

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