Fair Wil setzt sich seit fünf Jahren mit Schreibservice für Integration ein

Am vergangenen Freitag feierte das Schreibbüro Fair Wil sein fünfjähriges Bestehen. Die sprachliche Unterstützung beim Schriftverkehr mit Ämtern, Vermietern und Arbeitgebern stösst auf immer grössere Nachfrage.

Adrian Zeller
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Im Schreibbüro von Fair Wil finden Personen mit wenig Deutschkenntnissen Unterstützung beim Ausfüllen amtlicher Formulare. (Bild: PD)

Im Schreibbüro von Fair Wil finden Personen mit wenig Deutschkenntnissen Unterstützung beim Ausfüllen amtlicher Formulare. (Bild: PD)

«In der Anfangszeit des Schreibbüros hatten wir Zeit für längere Kaffeerunden. Das gemeinsame Kaffeetrinken half beim gegenseitigen Kennenlernen der Freiwilligen», erzählte Stadtparlamentarier Arber Bullakaj. Er gehört zu den Gründern des Trägervereins des gemeinnützigen Angebots, das mit vollem Namen Fair Wil Freiwillige Arbeitsgruppe Integration Raum Wil heisst. Zusammen mit Killian Meyer, der ebenfalls zu den Pionieren zählt, berichtete er am vergangenen Freitag in einem Diavortrag im Gemeinschaftsbüro (Coworkingspace) Büro Lokal Wil an der Glärnischstrasse 13 über die Entstehungsgeschichte der Institution. Rund zwei Dutzend gut gelaunte Anwesende hörten dem Rückblick zu. Unter ihnen auch Parlamentspräsident Luc Kauf sowie einige aktive und ehemalige Mitglieder des Stadtparlaments.

Überforderung mit Formularen

In den Kreisen der Wiler SP entstand vor Jahren das Bedürfnis, etwas gegen gesellschaftliche Ausgrenzung und Diskriminierung zu unternehmen. In Diskussionen kristallisierte sich das Projekt einer Beratungsinstitution für Personen mit reduzierten Sprachkenntnissen in Deutsch heraus. Arber Bullakaj: «Jemand der die deutsche Sprache beherrscht, kann sich nicht vorstellen, wie schwierig das Ausfüllen von Formularen oder das Lesen von amtlichen Schreiben sein kann, wenn man wenig versteht.» Ihm ist diese Situation aus dem familiären Umfeld vertraut.

Im sogenannten «Häxehüsli» an der Hubstrasse 21 empfingen die Berater vor fünf Jahren ihre ersten Klienten. Zuvor waren allerdings Sanierungsarbeiten erforderlich, in Fronarbeit erhielt der Büroraum einen neuen Boden und gestrichene Wände. Flyer machten das Unterstützungsangebot beim Schriftverkehr bekannt. Bereits nach wenigen Monaten fanden sich immer mehr Ratsuchende ein, die Zeit für Kennenlern-Kaffeerunden wurde knapper oder sie entfiel ganz.

Mittlerweile hat sich das Angebot herumgesprochen. Während zur Anfangszeit rund 200 Menschen pro Jahr beraten wurden, sind es mittlerweile laut Vereinsangaben rund 450. Sie werden von zirka 15 Freiwilligen unterstützt. Die Klienten stammen aus unterschiedlichsten Ländern wie etwa Eritrea, Äthiopien, Afghanistan, Syrien, Sri Lanka, Serbien oder dem Kosovo.Seit einem halben Jahr ist Büro Lokal das Domizil von Fair Wil, da die ursprüngliche Liegenschaft den Besitzer wechselte. Das Angebot besteht jeden Samstag von 9.30 bis 13 Uhr. Zwei Beratungspersonen sind jeweils anwesend. Pro Sitzung werden fünf Franken verlangt, egal wie lange sie dauert. Für Vereinsmitglieder ist sie kostenlos.

Ein Schaf als Symbol

Gemäss Angaben des Co-Präsidenten Remigius Baerlocher gehören dem Verein rund 75 Personen an. Sie tragen zur Finanzierung des Betriebs bei. Auch die Stadt, die Kirchen, Unternehmen sowie weitere Gönner ermöglichen den wirtschaftlichen Unterhalt des Freiwilligenprojekts, das 2017 mit dem Prix Benevol prämierte wurde. Zum Abschluss des Referats überreichte Killian Meyer unter Gelächter des Publikums Remigius Baerlocher ein schwarzes Schaf aus Porzellan. Es war eine Anspielung auf das Logo des Vereins, das ein graues Schaf abbildet und sich auf Plakate der SVP bezieht.

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