Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Fahrende haben sich für drei
Wochen in Bichwil niedergelassen

Das Gelände von Walter Wyrsch gleicht einem Campingplatz. Fahrende geniessen hier bis zum 2. Juli Gastrecht. Trotz der Kritik einzelner Dorfbewohner ist dem Landwirt bisher nichts Negatives zu Ohren gekommen.
Andrea Häusler
Die Sinti-Familien sind am 11. Juni angekommen und bleiben bis zum 2. Juli. (Bild: Andrea Häusler)

Die Sinti-Familien sind am 11. Juni angekommen und bleiben bis zum 2. Juli. (Bild: Andrea Häusler)

«Es ist ein Experiment mit offenem Ausgang», sagt Walter Wyrsch. Der Riggenschwiler Landwirt ist Eigentümer der Wiese, auf der seit dem 11. Juni zig Wohnwagen stehen und gegen 40 Sinti-Familien ihren temporären Wohnsitz haben. Er sei nach einem Stellplatz gefragt worden und habe entschieden, den Fahrenden diese Chance zu geben, sagt er. «Man muss auch ein gewisses Vertrauen haben in andere Kulturen.»

Zwischen ihm und den Fahrenden gibt es eine schriftliche Vereinbarung, in der die Rechte und Pflichten festgehalten sind. «Eine eher formale Sache», sagt Walter Wyrsch. Wissend um die Abhängigkeit solcher Abmachungen vom jeweiligen Vertragspartner. Zur Veranschaulichung zieht er den Vergleich mit einer Schulklasse, in der die Lehrperson Regeln definiere, der Erfolg des Projekts aber gleichwohl ungewiss bleibe.

Maler, Gipser, Gebäudereiniger

Walter Wyrschs Partner ist Salvatore. Ein grossgewachsener Mann mit dunklem Bart und wachem Blick. An seinem farbbekleckerten Hosenbein hängt ein kleines Mädchen, seine Tochter. «Haben Sie etwas zum Malen, zum Gipsen? Vielleicht renovationsbedürftige Fensterländen?» Salvatore spricht nahezu akzentfreies Deutsch, die meisten anderen hier Französisch. «Gebäudereinigungen machen wir auch», schiebt er nach. Nebenan schleift jemand an die Lamellen eines ebensolchen Ladens.

Das Areal macht einen ordentlichen Eindruck. Was unter anderem auch der trockenen Witterung geschuldet ist. Auf der kurz geschnittenen Wiese sind kaum Fahrspuren auszumachen. Vor den Wohnwagen haben sich die Familien eingerichtet. Kinder spielen, verweilen in Planschbecken oder kurven mit elektrisch betriebenen Miniautos über das Gelände. In einem Muldencontainer stapelt sich in schwarzen Säcken der Müll. Und am Parzellenrand, abseits der Wasserleitung, welche die Wasserkorporation zum Stellplatz geführt hatte, sind Toi-Toi-Toiletten aufgebaut.

Um die Einrichtung der Infrastruktur habe er sich gekümmert, sagt Salvatore. Das werde auch am nächsten Ort so sein. Wo dieser liegt, ist noch unklar. Schwierig, geeignete Plätze zu finden, sei es jedoch nicht. «Es ist eine Frage des Geldes», macht er klar. Über Beträge sprechen mag er jedoch nicht. Notfalls, sagt er stattdessen, stünden ja immer noch die offiziellen «Durchgangsplätze für Fahrende» zur Verfügung. Für die in Bichwil stationierten Sinti-Familien geht es Anfang Juli weiter. Dann läuft die Vereinbarung mit Walter Wyrsch aus.

Anfragen auf der Gemeindeverwaltung

«Am 2. Juli ziehe ich Bilanz», sagt dieser denn auch. Wobei ihm zumindest bisher nichts Negatives zu Ohren gekommen sei, was jedoch nichts heissen wolle. Tatsächlich haben sich auf der Oberuzwiler Gemeindeverwaltung einzelne Personen gemeldet. Dies bestätigt Bauverwalterin Nadine Scheiwiller. Unter anderem sei nachgefragt worden, ob der Aufenthalt der Fahrenden bewilligt sei. Ausserdem seien Bedenken hinsichtlich der Fäkalien-Entsorgung aus den Toi-Toi-WCs, der Renovation von Fensterläden auf natürlichem Grund und Fahrzeuglärm geäussert worden. Allerdings nicht von Seiten der Anstösser, wie Nadine Scheiwiller betont.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.