Fachmarkt kann gebaut werden

SIRNACH. Ein in Sirnach emotional diskutiertes Thema nimmt die letzte grosse Hürde: Für den geplanten Fachmarkt Ebnet direkt neben der Autobahn liegt nun eine rechtskräftige Baubewilligung vor. Wann die Bagger auffahren, ist indes weiter offen.

Simon Dudle
Drucken
Teilen
Auf diesem Feld zwischen der Firma Portas und der Autobahn A1 kann der neue Sirnacher Fachmarkt Ebnet gebaut werden. (Bild: Simon Dudle)

Auf diesem Feld zwischen der Firma Portas und der Autobahn A1 kann der neue Sirnacher Fachmarkt Ebnet gebaut werden. (Bild: Simon Dudle)

Es war gestern eine kleine Notiz im neugestalteten Mitteilungsblatt von Sirnach – mit grosser Bedeutung. Dem Bau des dreigeschossigen Fachmarktes Ebnet in Sirnach steht nämlich nichts mehr im Weg, da die rechtskräftige Baubewilligung erteilt worden ist.

In kleinen Buchstaben wurde kommuniziert, was 2002 mit einem Vorprojekt gestartet worden war und während mehr als einem Jahrzehnt für hohe Wellen im Dorf gesorgt hat. 2006 wehrten sich in einer Petition mehr als 1700 Sirnacher mittels Unterschrift gegen den neuen Fachmarkt, weil sie mehr Verkehr und schlechtere Luft befürchteten. Einsprachen und Anpassungen am Projekt waren die Folge. 220 Parkplätze wurden gestrichen, 650 blieben übrig.

Auch gegen die zweite Auflage gingen Einsprachen ein. Schliesslich blieb ein Rekurs übrig, den das Baudepartement des Kantons Thurgau abwies. Da der Fall nicht weitergezogen wurde, ist die Baubewilligung nun rechtskräftig, und die Bagger können auffahren.

Untergeordnete Lebensmittel

Geplant sind zwei Gebäude, die miteinander verbunden sind. Auf einer Nettoverkaufsfläche von 18 000 Quadratmetern dürfen lediglich auf maximal 4000 Quadratmetern Lebensmittel angeboten werden. Maximal 3000 Quadratmeter sind für einen Grossanbieter vorgesehen, womit auch für das lokale Gewerbe Platz bliebe. Mindestens 6000 Quadratmeter müssen für den Bereich Haus und Hobby zur Verfügung stehen.

Zum Thema Verkehr lassen sich bereits konkrete Aussagen machen, da diese aus den Sonderbauvorschriften des Gestaltungsplans hervorgehen und das Projekt auch Teil des Aggloprogramms ist, welches die Entwicklung in der Region steuert. Die Parkiergebühr beträgt für die Kunden 50 Rappen pro angebrochene Viertelstunde. Vollzeitangestellte haben mindestens 40 Franken pro Monat zu entrichten, Teilzeitangestellte mindestens 20 Franken. Parkplätze sind ebenerdig und unterirdisch geplant. Die oberirdischen Parkplätze können ausserhalb der Öffnungszeiten durch die Sportler und Besucher der Sportanlagen Kett sowie Grünau kostenlos benutzt werden.

Für den öffentlichen Verkehr gibt es auch detaillierte Vorschriften. Pflicht ist eine halbstündliche Busverbindung von Sirnach nach Münchwilen samt Haltestelle beim «Ebnet». Die Kosten gehen zulasten des Fachmarkt-Betreibers.

Neue Ausgangslage

Als Bauherr tritt die Firma Rimaplan AG aus dem thurgauischen Horn auf. Der für das Projekt zuständige Hanspeter Gabriel war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Somit bleiben einige entscheidende Fragen unbeantwortet. Zum Beispiel, welche Unternehmen sich einmieten werden. Einst war von 40 Geschäften die Rede, in denen 450 Personen beschäftigt werden. Es ist aber auch unklar, wann der Baustart erfolgt – und wann die Eröffnung. Die Kosten für den Fachmarkt belaufen sich laut Schätzungen auf rund 90 Millionen Franken.

Fakt ist, dass sich die Ausgangslage in jener Region in den vergangenen Jahren verändert hat. Unweit des Fachmarkts ist die Migros bereits daran, in Münchwilen eine Filiale zu errichten. Auch in Sirnach kann beim orangen Riesen eingekauft werden. «Die Situation in der Branche hat sich geändert, und es gibt heute eher zu viele als zu wenige Verkaufsflächen. Es bleibt die Frage, ob der Markt einen solchen Fachmarkt verträgt», sagt Sirnachs Gemeindeammann Kurt Baumann.

Kurt Baumann Gemeindeammann Sirnach (Bild: pd)

Kurt Baumann Gemeindeammann Sirnach (Bild: pd)