Euro bringt Sorgen und Freude

REGION. Die Unsicherheit nach der Aufhebung des Euromindestkurses ist weiterhin gross. Eine Umfrage bei Unternehmen zeigt, dass die Auswirkungen sehr unterschiedlich sind und sich zum Teil noch nicht genau abschätzen lassen.

Hans Suter
Drucken
Teilen
Plötzlich teurer geworden: Der Jonschwiler Käsespezialist Hardegger exportiert viel in den Euroraum. (Bild: Michel Canonica)

Plötzlich teurer geworden: Der Jonschwiler Käsespezialist Hardegger exportiert viel in den Euroraum. (Bild: Michel Canonica)

Ein Wechselkurs hat immer zwei Seiten: Ist der Franken stark, verteuern sich Schweizer Exportprodukte gegenüber einer schwächeren Währung. Gleichzeitig verbilligen sich Importprodukte, weil man mehr für einen Franken bekommt.

Ganze Branche betroffen

Josef Hardegger macht sich Sorgen. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Jonschwiler Käsespezialisten exportiert grosse Mengen an Schweizer Käsespezialitäten wie Emmentaler, Appenzeller, Tête de Moine, Fondue, Raclette usw. in den Euroraum. «Diese Produkte sind gegenüber dem Euro auf einen Schlag 20 Prozent teurer geworden. Wie die Konsumenten darauf reagieren, wird sich bald zeigen», sagt Josef Hardegger. Er macht sich Sorgen um die ganze Branche: «Das ist eine kleine Katastrophe für die Schweizer Milchwirtschaft. Die Schweizer Sortenorganisationen werden sich schnell unterhalten müssen, wie sie dieser unangenehmen Situation begegnen können und wollen.» Hardegger schliesst nicht aus, dass der Druck auf den Milchpreis zunehmen und die Bauern hart treffen könnte. Er fordert politische Unterstützung für die Milchproduzenten.

Konsument entscheidet mit

Flawa-CEO Nicolas Härtsch ist nicht erfreut über die aktuelle Situation: «Sie trifft uns, ist aber nicht existenziell», sagt er. Für eine verlässliche Aussage ist es seiner Ansicht nach ohnehin zu früh. Wir müssen erst sehen, wo sich das Ganze einpendelt.» Die Wettbewerbsverschärfung für den Industriestandort Schweiz betrachtet er aber mit Unbehagen. «Zu den höheren Exportpreisen kommen tiefere Importpreise», sagt er. Mitentscheidend sei deshalb, wie sich die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten verhalten werden.

Nachteile für Stadler Rail

Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler bezeichnete den Entscheid der SNB am Donnerstag in dieser Zeitung als Schock für die Exportindustrie. «Unsere Produkte sind über Nacht 20 Prozent teurer geworden. Es kann darauf hinauslaufen, dass wir Aufträge ganz oder teilweise ins Ausland verlagern müssen.» Das Problem für den Hersteller von Schienenfahrzeugen stelle sich bei neuen Ausschreibungen: «Stadler Rail ist die einzige Firma in der Branche, die in Schweizer Franken kalkulieren muss.»

Finnshop gibt Vorteil weiter

Ein Grossteil der Möbel im Finnshop-Programm wird in der Eurozone produziert. Das Wiler Möbelhaus profitiert damit von tieferen Beschaffungspreisen. «Diesen Vorteil geben wir an unsere Kunden weiter und gewähren ab sofort und bis auf Widerruf einen Währungsrabatt von 16 Prozent auf alle Neubestellungen unseres Möbelsortiments», teilte Geschäftsleiter Andreas Breitenmoser seinen Kunden bereits am Freitag mit. Er betreibt Möbelhäuser in Wil, Frauenfeld und St. Gallen. «Ausgenommen von diesem Währungsrabatt sind Aktions- und Sale-Angebote sowie Produkte von Möbelproduzenten, die uns in Schweizer Franken verrechnen und noch nicht auf die neue Situation reagieren konnten.»

Grosse Reiseveranstalter wie Kuoni und Hotelplan Suisse haben gestern Preissenkungen von bis zu 20 Prozent angekündigt.