ESCHLIKON: Urgestein gibt Wissen weiter

Landwirt Otto Müller hat ein über 300 Seiten dickes Buch über seine Heimat Hurnen geschrieben.

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Vor gut 30 Jahren hat Otto Müller mit der Recherche für sein Buch angefangen. Geschrieben hat er es in drei Jahren. (Bild: Florian Beer)

Vor gut 30 Jahren hat Otto Müller mit der Recherche für sein Buch angefangen. Geschrieben hat er es in drei Jahren. (Bild: Florian Beer)

«Nur wer weiss, woher er kommt, der weiss, wohin er geht.» Otto Müller hat sich dieses Zitat von ­Theodor Heuss zu eigen gemacht und ein 350 Seiten dickes Buch über seinen Heimatort Hurnen geschrieben.

Das schlechte Wetter draussen konnte der festlichen Stimmung auf dem Hof am Hurnen 40 nichts anhaben. Die Tische waren liebevoll geschmückt, die Getränke standen bereit und die Gäste kamen in Strömen, wie der Regen vor der Tür. Auch Gemeindepräsident Hans Mäder und Regierungsrat Jakob Stark waren gekommen, um am Samstag der Buchvernissage von Otto Müller beizuwohnen.

Auf dem Hof geboren und hier auch sterben

Seit 77 Jahren lebt Otto Müller auf dem Hof im Hinterthurgau, er ist hier geboren, arbeitete seit der Schulzeit bis zur Pensionierung als Landwirt, hat hier geheiratet und wird hier auch hoffentlich sterben, wie Müller schmunzelnd sagt. Das Interesse an der Vergangenheit seiner Familie und Heimat wurde durch seinen ­ehemaligen Sekundarlehrer geweckt. Müllers Vater kaufte dem Lehrer 1950 einen Stammbaum über seine Vorfahren ab, in dem unter anderem stand, dass der Bauernhof, auf dem die Familie Müller bis heute lebt, 1738 in deren Hände gelangte. «Eines Tages entdeckte ich dann in einer Büroschublade meines Vaters mehr als 40 Kauf- und Schuldbriefe», erzählt Müller. Der älteste war datiert von 1812. Das habe ihn fasziniert, weshalb er dann anfing, sich mit der Betriebschronik seines Hofs zu beschäftigen.

Es ist die Freude an der Geschichte

Vor gut 30 Jahren habe er mit der Recherche für das Buch angefangen. Er sei etwa 400 Stunden im Archiv gewesen, vor allem in Frauenfeld. «Als ich dann pensioniert wurde und den Hof meinem Sohn Thomas überlassen habe, begann ich alles aufzuschreiben, was ich wusste», sagt Otto Müller. So kam die Idee, ein Buch über Hurnen und seine Geschichte zu verfassen. Drei Jahre lang schrieb er insgesamt an seinem Buch. «Es geht mir auf keinen Fall um einen wirtschaftlichen Akt, sondern es sind rein ideelle Gründe, es ist die Freude an der Geschichte und das Ausüben eines Hobbys», betont der Ur-Hurner. Er habe sich über die ­vergangenen Jahrzehnte sehr viel Wissen angeeignet, das er damit nun weitergeben wolle.

Das Buch von Otto Müller hat keinen Verlag, weshalb es zurzeit nur bei ihm oder bei ­seinem Sohn Thomas direkt auf dem Hof in Hurnen erhältlich ist. «Wenn die Gemeindeverwaltung einverstanden ist, werde ich es auch dort noch auflegen.» Das sei aber noch nicht fix.

Die zahlreichen Besucher in der gefüllten Scheune freuten sich jedenfalls über das Buch «Die Geschichte von Hurnen», um mehr über ihre Heimat zu erfahren. Denn nur wer weiss, woher man kommt, wird wissen, wohin man gehen wird.

Florian Beer

redaktion@wilerzeitung.ch