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ESCHLIKON: Der Bauunternehmer erklärt sich

Die Schulbehörde musste nach einem Gerichtsentscheid die Baumeisterarbeiten für die Erweiterung der Sek Bächelacker neu an die Wiler Frei + Partner AG vergeben. Sven Frei legt die Gründe für seine Beschwerde dar.
Olaf Kühne
Bauunternehmer Sven Frei in seinem Wiler Büro. Die Firma führt er seit 2012 - in zweiter Generation. (Bild: Olaf Kühne)

Bauunternehmer Sven Frei in seinem Wiler Büro. Die Firma führt er seit 2012 - in zweiter Generation. (Bild: Olaf Kühne)

Olaf Kühne

olaf.kuehne@thurgauerzeitung.ch

«Ich bin doch nicht der Buhmann», sagt Sven Frei. Der Wiler Bauunternehmer führt mit seiner Frei + Partner AG die Baumeisterarbeiten für die Erweiterung des Eschliker Sekundarschulhauses Bächelacker aus. Den Auftrag hierfür hatte die Schulbehörde erst an die Lommiser Vetter AG vergeben, musste indes nach einem Urteil des Thurgauer Verwaltungsgerichtes über die Bücher.

Insbesondere durch die Berichterstattung unserer Zeitung sieht sich Sven Frei nun im falschen Licht dargestellt. «Wir haben nicht Beschwerde gegen die Vergabe eingereicht, weil wir gerne streiten, sondern weil schlicht und einfach falsch bewertet wurde!», sagt er. Schliesslich bedeute es einen grossen Aufwand, eine saubere Offerte einzureichen. «Wir haben ein komplettes Dossier erstellt, wie wir es immer machen. Das bedeutet drei, vier Tage reine Arbeitszeit.»

Da sei es doch wohl verständlich, dass man enttäuscht sei. «Wenn wir so viel Arbeit in eine gute Offerte investieren, erachten wir es nur als fair, dass unsere Eingabe auch nach sauberen Kriterien geprüft wird. Einzig darum geht es mir», sagt der Bauunternehmer. «Wenn wir bei der Eingabe etwas vergessen, etwas in den Unterlagen fehlt oder ein Fehler darin ist, werden wir nicht mal bewertet, sondern scheiden aus dem Prozess aus. Da müssen doch für beide Seiten die gleichen Regeln gelten.»

Gespräch mit Schulbehörde gesucht

Er habe denn auch im vergangenen Sommer zuerst das Gespräch mit der Eschliker Schulbehörde gesucht. «Wir haben die Behörde darauf hingewiesen, dass die Vergabe so nicht annehmbar sei, und wir diese anfechten, sollten sie ihren Entscheid nicht berichtigen. Jedoch beharrten sie auf ihrem Entscheid. Alles sei richtig, wir hätten keine Ahnung. Das Resultat kennen wir jetzt. Das Verwaltungsgericht hat uns Recht gegeben und die Verzögerung von einem halben Jahr ist leider Realität.»

Leichtfertig habe er seine Beschwerde dennoch nicht eingereicht. «Wir mussten einen Kostenvorschuss von fast 10000 Franken leisten.» Und im Falle einer Niederlage hätte man riskiert, auch die gegnerischen Anwaltskosten tragen zu müssen. «Das macht schnell 15000 Franken», sagt Frei. «Das ist viel Geld. So etwas überlegst du dir zweimal.» Apropos Geld: «Durch die Vergabe der Arbeiten an uns spart der Eschliker Steuerzahler rund 50000 Franken. In Relation zum Auftragsvolumen von 750000 Franken ist das ein stattlicher Betrag.»

Verwaltungsgericht bemängelte Gewichtung

Tatsächlich hatte das Verwaltungsgericht denn auch bemängelt, dass die Eschliker Schulbehörde in ihrer sogenannten Beurteilungsmatrix für die Vergabe den Preis der Baumeisterarbeiten mit lediglich 30 Prozent gewichtet hatte. In der Neubeurteilung mussten es mindestens deren 40 sein – zudem musste sie das Kriterium Qualität/Referenzen zu Gunsten der Frei + Partner AG anders beurteilen. «Wir können top Referenzen vorweisen und haben eine sehr grosse Erfahrung mit solchen Bauten», sagt Sven Frei.

Doch auch wenn seine Firma aufgrund eines Gerichtsurteils nun zum Zuge kommt, restlos glücklich ist Frei nicht. «Die Gesamtsituation ist für niemanden befriedigend», sagt er. Sein Unternehmen baue rund zur Hälfte für die öffentliche Hand; überwiegend in den Kantonen Thurgau und St. Gallen. Dabei bewerte jede Gemeinde, gar jede Behörde Offerten wieder anders, es gebe zig verschiedene Vergabekriterien, welche – oftmals auch intransparent – ausgelegt würden «Wir Unternehmer und bestimmt auch viele Behörden wünschen uns einheitliche Richtlinien für die öffentlichen Submissionen – vorgegeben vom Kanton oder gar vom Bund.» Ein klares Gesetz oder wenigstens ein Merkblatt, welches Vergabe und die Bewertung von Aufträgen durch die öffentliche Hand sauber regle, würde die meisten Rechtsstreitigkeiten überflüssig machen, unnötige Verzögerungen vermeiden und so nicht zuletzt auch den Steuerzahler entlasten, ist Sven Frei überzeugt.

Trotz all der vorangegangenen Unstimmigkeiten freut sich Frei nun aber auf den Bau in Eschlikon. «Die Architekten haben viel Beton vorgesehen», sagt er. Dies erfordere grosses Know-how, welches sich sein Unternehmen in den vergangenen 43 Jahren – Sven Frei führt die Firma seit 2012 in zweiter Generation – erarbeitet habe. «Betonbau, insbesondere Sichtbetonbau setzt voraus, dass man mit einwandfreiem Inventar und Material wie beispielsweise modernen Schalungssystemen arbeitet», erklärt er – und ergänzt lachend: «Ein Tag ohne Beton ist ein verlorener Tag.»

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