Es wird wieder repariert im Wiler Flick-Treff – unter Einhaltung der Coronaregeln

Der grosse Andrang nach der Coronapause im Wiler Repair-Café blieb aus. Trotzdem nutzten Kunden das Angebot. Selbst mithelfen durften sie allerdings nicht.

Florian Osterwalder
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Bild: Florian Osterwalder

Jeden zweiten Samstag im Monat wird der Quartiertreff Lindenhof zu einer einzigen grossen Werkstatt – normalerweise. Wegen der Coronapandemie musste das Repair-Café die Türen schliessen. Am Samstag wurde erstmals seit drei Monaten wieder repariert. Dieses Mal war es aber ein wenig anders. Die Räumlichkeiten mussten zur Einhaltung des Schutzkonzeptes aufgeteilt werden.

Reparaturen auch zu Hause

Ein Reparateur ist gerade dabei, den Stromstecker eines Staubsaugers zu wechseln. Das Kabel wurde durch unsorgfältige Handhabung herausgerissen. «Solche Kleinigkeiten haben wir öfters und können auch sehr schnell behoben werden», sagt der Reparateur. Bei komplexeren Reparaturen hingegen kann es auch vorkommen, dass das zu reparierende Gerät mit nach Hause genommen und dort wieder funktionstüchtig gemacht wird.

Es gibt aber auch Geräte, die nicht repariert werden. «Kaffeevollautomaten und Handyreparaturen lehnen wir ab. Kunden mit solchen Anliegen vermitteln wir an die zuständigen Profis weiter.» Grundsätzlich bringen die Reparateure immer ihr eigenes Werkzeug mit, es hat aber auch eine Werkstatt vor Ort.

Die Hygienemassnahmen werden eingehalten.

Die Hygienemassnahmen werden eingehalten.

Bild: Florian Osterwalder

Keine Bedenken, den Anlass durchzuführen

Im oberen Stock des Gebäudes trifft man auf zwei Näherinnen. Der Durchgang zum Zimmer, wo sie arbeiten, ist mit einem Tisch abgetrennt. «Leider dürfen die Kunden den Raum nicht betreten, da wir den Sicherheitsabstand einhalten möchten», erzählt eine Näherin, die gerade dabei ist, an einer Hose die Nähte zu lösen. Vor der Coronakrise durften die Kunden beim Reparieren sogar mithelfen oder direkt am Nähtisch zuschauen. Obwohl alle Reparateurinnen und Reparateure zur Risikogruppe gehören, war für sie klar, den Anlass durchzuführen. Thomas Widmer, Leiter des Flick-Treffs, sagt:

«Wir sind froh, dass unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Bedenken bezüglich der Durchführung des Treffs hatten.»

Somit ist das Repair-Café des Lindenhof Quartiertreffs eines der ersten in der Region, das seit dem coronabedingten Ausfall wieder geöffnet hat. Normalerweise werden vor dem Anlass Flyer verteilt und wird Werbung gemacht. Dieses Mal wurde über die Durchführung aber zu kurzfristig entschieden, so dass man nicht mehr all zu viel Werbung schalten konnte. Trotzdem sind einige Kundinnen und Kunden erschienen, um etwas reparieren zu lassen.

Reparateure werden gesucht

Beim Flick-Treff arbeiten unter anderem ehemalige Polymechaniker, Schreiner, Ingenieure und Näherinnen. Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind seit Beginn des Repair-Cafés im August 2019 dabei. Sie selbst sehen sich als eine Art Nachbarschaftshilfe. Die Reparaturen sind gratis, das zu ersetzende Material bezahlt der Kunde selbst.

Zu tun gibt es immer genug. Das Repair-Café ist deshalb immer wieder auf der Suche nach freiwilligen Helfern. Zurzeit suchen sie jemanden, der elektronische Geräte reparieren kann. Die Flick-Treffs werden in Zusammenarbeit mit der Stiftung für Konsumentenschutz durchgeführt. Einmal jährlich treffen sich die Reparateurinnen und Reparateure zu einem Vernetzungstreffen.

Der Stecker des Staubsaugers funktioniert wieder.

Der Stecker des Staubsaugers funktioniert wieder.

Bild: Florian Osterwalder

Das erste aber nicht das letzte Mal

Kurz vor dem Ende des Repair-Cafés um 12.30 Uhr kam die Kundin zurück, um ihren reparierten Staubsauger abzuholen. Sie staunte nicht schlecht, als sie hörte, dass sie nur zwei Franken für den ersetzten Stecker bezahlen muss. «Ich habe diesen Dienst das erste Mal in Anspruch genommen und bin wirklich froh, dass mein Staubsauger in dieser kurzen Zeit repariert werden konnte.» Sie findet den Treff eine gute Sache und hat dem Team ein ordentliches Trinkgeld gegeben. «Ich werde wiederkommen falls ich etwas reparieren lassen muss.»

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