«Es tut dem Team gut, immer mal wieder neue Reize zu setzen»: BC-Uzwil-Präsident Jürg Schadegg äussert sich vor dem Saisonstart zum Umbruch im NLA-Team

Vier Zugänge und zwei Abgänge: Der Badmintonclub Uzwil hat in der ersten Mannschaft einige Transfers getätigt. Das liegt nicht nur, aber vor allem an einer Regeländerung, die den Einsatz von ausländischen Spielern einschränkt.

Tim Frei
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Die Niederländerin Cheryl Seinen, Weltnummer 24 im Doppel, spielt neu für den BC Uzwil.

Die Niederländerin Cheryl Seinen, Weltnummer 24 im Doppel, spielt neu für den BC Uzwil.

Bild: PD

Diese Regelanpassung wird sich wohl stark auf das Schweizer Badminton auswirken: Ab sofort dürfen Teams noch in einem der acht Spiele pro Interclub-Begegnung – Einzel oder Doppel – nur Ausländer einsetzen. Bisher war dies in zwei Spielen möglich. Die Absicht des Verbands: Die Teams sollen noch stärker auf Schweizer Spieler setzen. Der Badmintonclub Uzwil verfolgt dieses Ziel wie auch die konsequente Nachwuchsförderung schon länger und gilt als Vorbild für die anderen Vereine.

Dennoch hat die Regeländerung auch die Ausrichtung des BC Uzwil beeinflusst. Der Verein musste entscheiden, ob er im Männer- oder Fraueneinzel einem Ausländer das Vertrauen schenken will. Die Wahl fiel schnell auf den Ukrainer Artem Pochtarev, der schon länger für die Uzwiler spielt. Präsident und Sportchef Jürg Schadegg sagt:

«Er ist einer der besten Einzelspieler in der Schweiz und kennt die Abläufe bei uns bestens.»
Der BC Uzwil setzt weiterhin auf den Ukrainer Artem Pochtarev.

Der BC Uzwil setzt weiterhin auf den Ukrainer Artem Pochtarev.

Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 12. Januar 2020)

Transfercoup dank Kontakten von Spielertrainer Utrosa

Als Nächstes war für die Uzwiler klar, dass sie nach Verstärkungen im Mixed-Doppel suchten. Die Verträge mit der Niederländerin Gayle Mahulette und dem Polen Adam Cwalina wurden nicht verlängert. «Mit einem weinenden Auge. Beide waren wichtig für uns», sagt Schadegg. Ein Qualitätsverlust ist aber nicht zu befürchten, gelang Uzwil doch ein Transfercoup: Mit der Niederländerin Cheryl Seinen wurde die Nummer 24 der Welt im Doppel verpflichtet.

Der Zuzug dieser Spielerin mit Weltklasse-Format wurde nicht zuletzt möglich dank der Kontakte des Uzwiler Spielertrainers Iztok Utrosa. «Schon beim ersten Gespräch mit Seinen haben wir festgestellt, dass der BC Uzwil nicht nur in der Schweiz einen hohen Stellenwert hat, sondern auch im Ausland.» Wenig überraschend haben sich die zwei Parteien schnell gefunden.

Mit Milena Schinder ein grosses Talent verpflichtet

Schadegg steht hinter der Regeländerung des Verbands. Doch er sagt auch: «Genauso wichtig für die Strahlkraft unseres Sports ist und bleibt es, dass Spielerinnen und Spieler mit internationalem Flair wie Seinen hierzulande spielen.» Von der Niederländerin erwarten die Uzwiler, dass sie eine Leaderrolle übernimmt.

Seinen und Pochtarev werden als Stammkräfte gesetzt sein. Die zwei anderen ausländischen Zugänge, der Kroate Zvonimir Durkinjak und der Däne Mikkel Mikkelsen, sind als Ergänzungsspieler eingeplant. Auch bei den Schweizer Spielern haben die Uzwiler einen vielversprechenden Transfer getätigt: Mit der Einzelspezialistin Milena Schnider haben sie eines der grössten Talente engagiert.

Milena Schnider ist Schweizer U19-Meisterin im Einzel.

Milena Schnider ist Schweizer U19-Meisterin im Einzel.

Bild: PD/bilderwerk.ch

Die 18-jährige Schnider gewann den U19-Meistertitel, Bronze bei der Elite und erreichte den Achtelfinal an der Junioren-EM. Schnider setzt wie die Nationalspieler Julien Scheiwiller und Nicolas A. Müller auf die Karte Spitzensport. Schadegg sagt: «Umso mehr freut es uns, dass sich Milena für uns entschieden hat.».

Erfolgreiche Titelverteidigung ist das Ziel

Zwei Abgänge, vier Neuzugänge im NLA-Team: Das ist zweifellos ein Umbruch. Schadegg bestätigt: «Wir sind uns bewusst, dass sich mit den neuen Hierarchien alles zuerst finden muss. Wir sind selber gespannt, wie schnell das funktioniert.» Zu den vielen Transfers ist es vor allem aufgrund der Regeländerung gekommen, aber nicht nur:

«Die Erfahrung hat gezeigt, dass es unserem Team guttut, auf gewissen Positionen immer mal wieder neue Reize zu setzen, sodass keine Routine entsteht.»

Der Erfolg gibt den Uzwilern recht: Seit 2014 wurden sie drei Mal Schweizer Meister, zuletzt 2019. Vergangene Saison wurden sie von der Coronapandemie ausgebremst. Deshalb startet der BC Uzwil in der morgen Samstag beginnenden NLA-Saison einen neuen Versuch, den Meistertitel erfolgreich zu verteidigen.

Heimdébut am Sonntag in Niederuzwil: Bei mehr als 140 Zuschauern gilt Maskenpflicht

Wenn das NLA-Team des BC Uzwil am Sonntag sein Heimdébut gibt, erfolgt dies unter strengen Coronaschutzauflagen. Einerseits gilt es, die bekannten Regeln einzuhalten. Andererseits müssen sich die Zuschauer beim Eingang in einer Präsenzliste eintragen. Wer nicht lange anstehen will, kann sich vorgängig über www.get-entry.ch registrieren und den generierten QR-Code dann vorweisen. Die Zuschauerzahl in der Halle wird auf 140 Personen beschränkt – 40 auf der Galerie und 100 auf dem Feld unten. «Werden diese Werte überschritten, gilt Maskenpflicht», sagt Kathrin Germann, Covid-19-Verantwortliche beim BC Uzwil.   Für die ausländischen Spieler musste der BC Uzwil Arbeitsbewilligungen für Spitzensportler beantragen, die es ihnen erlauben, für eine begrenzte Zeit in die Schweiz einzureisen und ihrem Job nachzugehen, ohne in Quarantäne zu müssen. Die Uzwiler hoffen nun, dass bei der Ein- und Ausreise alles reibungslos funktioniert. (tm)

NLA-Saisonstart. Samstag, ab 16 Uhr (Brüel, Gebenstorf): Argovia – Uzwil. Sonntag, ab 14 Uhr (Bzwu, Niederuzwil): Uzwil – St.Gallen-Appenzell.