«Es musste irgendwie weitergehen»: So erlebte die Inhaberin der Wiler Fotostudios Lightplay den Konkurs durch Corona

Als Folge der Pandemie ging das Wiler Fotostudio Lightplay Konkurs. Für die Inhaberin eine schwierige Situation.

Adrian Zeller
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Fiona Bischof hat ihre Firma, nicht aber ihren Lebensmut verloren.

Fiona Bischof hat ihre Firma, nicht aber ihren Lebensmut verloren.

Bild: PD

Im vergangenen Dezember prüfte Fiona Bischof mit ihrem Versicherungsberater die Absicherung ihres Geschäftes gegen Risiken. «Er überzeugte mich, dass eine gleichzeitige Erkrankung von acht Mitarbeitenden höchst unwahrscheinlich sei.» Anhand dieses Beispiels erklärt die Fotografin, wie unberechenbar die Zukunft ist – einige Monate später war ihr erfolgreiches Unternehmen in der Wiler Altstadt Geschichte.

Die sieben Mitarbeitenden und die drei Lehrlinge des Fotostudios Lightplay, mit je einer Niederlassung in Wil und in Pfäffikon, fotografierten rund hundert Hochzeiten pro Jahr. Sie machten gegen 40 Prozent des Umsatzes aus. Als der Bundesrat im Frühjahr den Lockdown verhängte, erhielt das Studio von Paaren, die ihre Hochzeit verschoben, vier bis fünf Stornierungen pro Tag. Eines seiner Standbeine brach weg.

Es blieb nur noch die letzte Möglichkeit eines Konkurses

Die Geschäftsinhaberin versuchte, Aufträge in anderen Bereichen zu akquirieren, doch in der wirtschaftlich schwierigen Pandemie-Situation wollte kaum ein Unternehmen Geld für Fotos in Profiqualität ausgeben. «Nach einer Analyse der Situation mit meinem Treuhänder blieb nur noch die letzte Möglichkeit eines Konkurses», erzählt Fiona Bischof.

«Andernfalls hätten sich mein Ex-Mann und ich in eine massive, hochriskante Verschuldung stürzen müssen.»

Ihr ehemaliger Mann war Teilhaber der Firma.

Bis die Entscheidung zur Insolvenz gefallen sei, sei es für sie eine aufwühlende Zeit gewesen, so die Unternehmerin. Es sei nicht einfach, zehn Personen zu entlassen und E-Mails sowie Telefonanrufe von verärgerten Kunden zu bekommen, deren Gutscheine durch den Konkurs verfallen sind. Es folgte eine vierstündige Befragung auf dem Konkursamt und eine vorübergehende Versiegelung der Geschäftsräume. Und es folgten Ängste über ihre persönliche finanzielle Zukunft sowie die ihrer Mitarbeitenden.

Jetzt als selbstständige Fotografin tätig

«Die Lehrlinge hatten schnell eine Lösung gefunden», erklärt ihre ehemalige Chefin. Auch ein Teil der Angestellten hat sich beruflich neu orientiert. Fiona Bischof ihrerseits verdient ihren Lebensunterhalt nun als selbstständige Fotografin. «Nachdem der Konkurs bekannt wurde, habe ich viele E-Mails von Kunden und Bekannten bekommen, die mir spontan Aufträge in Aussicht stellten.»

Einiges hat sich dennoch verändert: «Während die Kleinkinder vorher mit ihren Müttern zum Fotografieren ins Studio kamen, gehe ich nun zu ihnen nach Hause.» Vielen Kindern gefalle dieser Besuch. «In ihrer eigenen Umgebung verhalten sie sich gelöster als in einem fremden Studioraum.» Schnell hat sich Fiona Bischof mit den veränderten technischen Umständen arrangiert, die Lichtverhältnisse sind in Privaträumen weniger perfekt als in einer professionellen Umgebung.

Mit dem Verlust ihrer Firma und den damit verbundenen Erfahrungen hat sich die 37-jährige Mutter mittlerweile abgefunden. «Es musste irgendwie weitergehen, ich trage schliesslich die Verantwortung für meine drei schulpflichtigen Kinder. Es nützt niemandem etwas, wenn ich mich aufs Sofa lege und einen Monat lang weine.» Nicht immer war die ehemalige Firmeninhaberin so positiv gestimmt. Immerhin hat sie auch grössere persönliche Finanzeinlagen verloren.

Drei wichtige Erkenntnisse gewonnen

Drei wichtige Erkenntnisse hat Fiona Bischof aus ihren Erlebnissen gewonnen:

«Auch an den schwierigsten Dingen gibt es noch eine positive Seite, auf die man sich konzentrieren sollte.»

Die zweite Erkenntnis: «Auch in verzwickten Situationen sollte man keine Schnellschüsse unternehmen und beispielsweise auf ein unfreundliches E-Mail erst nach einer Denkpause antworten.» Und die dritte Erkenntnis: Fiona Bischof wird nicht mehr eine Firma mit Angestellten gründen, die Verantwortung und das Risiko sind ihr zu gross.

Und welche Empfehlung gibt sie aus ihren Erfahrungen jenen Menschen weiter, die sich nach einem Rückschlag wieder aufrappeln müssen: «Einfach irgendwo anfangen und anpacken und wieder ins Tun kommen, in kleinen Schritten und mit Bedacht und Geduld, aber doch Schritt für Schritt».