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«Es könnte prekär werden» - Experten warnen vor sinkenden Grundwasserspiegeln in der Zukunft

Der Grundwasserstand in der Region ist im Gleichgewicht. Mit zunehmender Trockenheit könnte sich das ändern.
Lara Wüest
Wenn die Thur vermehrt so wenig Wasser führt, wie im letzten Jahr, kann es prekär werden. Bild: Reto Martin

Wenn die Thur vermehrt so wenig Wasser führt, wie im letzten Jahr, kann es prekär werden. Bild: Reto Martin

Die Initiative für sauberes Trinkwasser kommt zwar erst im nächsten Jahr an die Urne. Doch ihr Inhalt ist jetzt schon in aller Munde. Sie greift ein Thema auf, das die Gemüter bewegt: die Qualität unseres Grund- und Trinkwassers. Durch den massiven Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft sehen die Initianten diese Qualität bedroht. Deshalb wollen sie den Einsatz schädlicher Pestizide mindern und fordern, dass nur noch diejenigen Landwirtschaftsbetriebe Direktzahlungen erhalten, die keine Pestizide einsetzen.

Der Einsatz von Pestiziden ist jedoch nicht das Einzige, wodurch unser Grundwasser Schaden nimmt. Auch die Trockenheit und wärmere Temperaturen setzen ihm zu. Das wird auch in der Region immer mehr zum Thema.

Grundwasserstände derzeit noch ausgeglichen

Dieses Jahr ist bisher ein trockenes. Abgesehen vom Mai hat es in der Region Wil jeden Monat zu wenig geregnet. Und das ist nicht das erste Mal so. Im letzten Jahr war jeder Monat, abgesehen vom Januar, zu trocken, 2017 fiel in neun Monaten zu wenig Niederschlag. Das zeigen Messwerte von Christoph Frauenfelder, dem Inhaber der Meteotop-Wetterstation in Nieder­uzwil.

Bisher scheint diese Trockenheit den Grundwasservorräten in der Region allerdings wenig anzuhaben, die meisten Vorkommen zeigen ein normales Niveau. Das zeigt ein Blick auf die Daten. «Wir stellen bisher keinen langfristigen Trend von sinkendem Grundwasser in der Region fest», sagt Silja Kempf, Fachbereichsleiterin Hydrometrie des Kantons St. Gallen. Und auch in den Gemeinden im Hinterthurgau ist es ähnlich. «Im Moment ist genug Wasser vorhanden», sagt An­dreas Scholtis, Ressortleiter Grundwasser beim Thurgauer Amt für Umwelt. Der Grund: Ein Grossteil der regionalen, wichtigen Grundwasservorkommen wird von der Thur gespeist. Das heisst, wenn zu wenig Regen fällt, liefert der Fluss durch Versickern das fehlende Wasser.

«Nicht in falscher Sicherheit wiegen»

Doch in Zukunft könnte sich das ändern. «Die Situation ist keineswegs dramatisch. Aber wir dürfen uns nicht in falscher Sicherheit wiegen, nur weil die Wasserversorgung bisher stets gut funktioniert hat», sagt Markus Oberholzer, Grundwasserspezialist beim Amt für Wasser und Energie des Kantons St. Gallen.

Denn das könnte Folgen haben: Im Fürstenland und Toggenburg seien die Grundwasservorkommen im kantonsweiten Vergleich eher klein, so der Experte. Und gerade bei kleineren Grundwasservorkommen, die zudem nur vom Regen gespeist werden, sinkt der Spiegel bei Trockenheit am stärksten. «Kleinere Quellen reagieren in der Regel zuerst», so Oberholzer. «Und wenn diese wegfallen, steigt der Nutzungsdruck auf die grossen Reserven, die von Flüssen gespeist werden.» Noch deutlicher wird Andreas Scholtis: «Wenn es die nächsten zehn Jahre so trocken bleibt, könnte es prekär werden.»

Regenwasser gelangt nicht vollständig in Untergrund

Grundwasser ist Wasser im Untergrund. Meistens befindet es sich mehrere Meter unter der Erdoberfläche. Es entsteht, wenn Regenwasser versickert. Es kann aber auch von Flüssen gespeist werden. Bis sich ein Grundwasserspiegel von einer Trockenphase erholt, braucht es jedoch oft längere Zeit. Im Normalfall mehrere Wochen. Im Extremfall sogar Jahre. «Nach dem Hitzesommer 2003 dauerte es rund acht Jahre, bis die Wasserstände wieder gleich hoch waren wie davor», sagt der Fachmann Scholtis. Das Regenwasser gelangt nämlich nicht sofort in den Untergrund. Und vor allem nicht vollständig. «Eine Faustregel besagt, dass nur rund ein Drittel davon im Boden versickert. Ein Drittel fliesst oberirdisch ab und ein Drittel verdunstet», sagt Oberholzer. Und je wärmer es wird, desto mehr dürften sich diese Zahlen verschieben, da noch mehr Wasser verdunstet.

Steigende Temperaturen fördern Keime im Wasser

Grundsätzlich ist das Grundwasser in der Schweiz von guter Qualität. Doch der massive Einsatz von Pestiziden und Dünger in der Landwirtschaft und auch Medikamente wie Antibiotika können das Wasser verunreinigen. Und je tiefer der Grundwasserpegel durch die Trockenheit sinkt, desto konzentrierter kommen diese schädlichen Stoffe im Wasser vor.

Auch die stetig steigenden Temperaturen werden zum Problem. Denn mit ihnen wird auch das Grundwasser immer wärmer. «Unsere Daten zeigen, dass die Temperatur unseres Grundwassers in den letzten Jahren bis um 0,15 Grad pro Jahr gestiegen ist», sagt Andreas Scholtis. Das hat Folgen: Je wärmer das Wasser, desto stärker können sich schädliche Bakterien und Keime im Leitungsnetz vermehren.

Sorgen um die eigene Gesundheit muss sich deswegen jedoch niemand machen. Meistens wird das Grundwasser, bevor es ins Netz kommt und somit in unseren Trinkgläsern und Körpern landet, gereinigt. Scholtis: «In der Schweiz ist das Ziel, dass das Grundwasser ohne grosse technische Aufbereitung ins Netz gelangt.» Doch heute werde das Trinkwasser in fast allen Pumpwerken durch UV-Licht bestrahlt und so desinfiziert. Sämtliche Keime werden also abgetötet. Pestizide oder Medikamentenrückstände bleiben dabei allerdings erhalten.

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