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«Es ist total absurd»: Ein Dokumentarfilm zeigt, wie reiche Amerikaner ihren Lebensabend verbringen

Samuel Weniger aus Flawil hat eine Dokumentation über eine luxuriöse Seniorenresidenz in Miami gedreht.
Tobias Söldi
Leben wie ein König: Die prunkvolle Altersresidenz «Palace» in Miami erfüllt einigen Wohlbetuchten diesen Traum. (Bild: First Hand Films)

Leben wie ein König: Die prunkvolle Altersresidenz «Palace» in Miami erfüllt einigen Wohlbetuchten diesen Traum. (Bild: First Hand Films)

Was haben Sie für ein Verhältnis zum Alter?

Samuel Weniger: Ich bin 33 Jahre alt. Über meine Grosseltern bin ich mit dem Thema Alter, Pensionierung und Tod konfrontiert. Über mein eigenes Ende denke ich aber ehrlich gesagt relativ wenig nach.

Trotzdem haben Sie zusammen mit Beat Oswald «Golden Age» gedreht, eine Dokumentation über ein Altersheim in den USA.

Wir haben uns im Zuge der Produktion viele Gedanken gemacht, natürlich. Zum Beispiel über das Konzept des Ruhestandes. Früher hat man auf den Ruhestand hin gelebt, hat gearbeitet, um sich die Pensionierung zu «gönnen». Das wird wohl nicht so bleiben. Nicht zuletzt, weil sich das Verhältnis von Arbeit und Freizeit verändert.

War auch der Tod ein Thema während der Arbeit am Film?

Der hat uns weniger interessiert. Es gibt genügend Filme über den Tod.

«Golden Age» ist vielmehr ein Film über das Leben. Die Bewohner des «Palace», des Altersheims, in dem wir gedreht haben, sind aktiv, leben und lachen zusammen.

Das war schön zu sehen. Es gab keine Vereinsamung im Alter.

Wie sind Sie im «Palace» aufgenommen worden?

Wir sind ziemlich schnell Teil des Programms geworden, auch des Unterhaltungsprogramms. Schliesslich haben wir mit der Kamera und unseren Gesprächen «Action» in ihren Alltag gebracht. Wir waren an den Happy Hours dabei, sind mit den Angestellten etwas trinken gegangen. Es sind auch Freundschaften entstanden

Wie lange haben Sie gedreht?

Drei Monate im Jahr 2016. Abgesehen von einer Woche waren wir fast jeden Tag dort.

Es hat die Bewohner also wenig gestört, dass Sie mit der Kamera in ihre Privatsphäre eindringen?

Nein. Ich habe nie erlebt, dass jemand gesagt hat: «Weg mit der Kamera». Die Leute haben sogar gerne eine Show vor der Kamera geboten. Gleichzeitig war es aber schwierig, an die persönlichen Geschichten heranzukommen.

Ein Problem für den Film?

Nein. Wir wollten in erster Linie einen Film über eine Institution machen. Es kommen ja auch die Angestellten zu Wort.

Samuel Weniger, Musiker und Filmemacher aus Flawil (Bild: PD)

Samuel Weniger, Musiker und Filmemacher aus Flawil (Bild: PD)

Wie sind Sie eigentlich auf diese Seniorenresidenz gestossen?

Über Beat Oswald, den Mitproduzenten. Er hat Verwandte in Florida und auch einmal ein Austauschjahr dort verbracht. Florida ist so etwas wie das «Altersheim» der Staaten: Es ist warm und steuergünstig. Entsprechend gibt es viele Seniorenresidenzen. Auf der zweiten Recherchereise war ich dann mit dabei. Da haben wir das «Palace» entdeckt.

Was hat Sie fasziniert?

Als Kameramann zunächst einmal die visuelle Kraft dieser Anlage: der Prunk, der Pomp, die Dekorationen. Das erschlägt einen regelrecht.

Egal wo man die Kamera aufstellt, es gibt ein gutes Bild.

Hält diese Welt, was sie verspricht?

Mit der Zeit merkt man, dass es sich auch um eine Kulisse handelt. Die Säulen sind Fake, an gewissen Stellen wird auch sehr gespart. Es ist total absurd.

Die Inszenierung nimmt teilweise groteske Züge an, und trotzdem werden die Bewohner nie ins Lächerliche gezogen.

Darüber bin ich sehr stolz. Wir machen uns nicht lustig über die Leute, ziehen niemanden in den Dreck. Sie werden respektvoll behandelt.

Wie gelingt das?

Das liegt an einem selber, an der eigenen Haltung. Und natürlich am Schnitt. Dieser entscheidet, was wie gezeigt wird und welche Geschichte erzählt wird.

Haben Sie den Film den Bewohnern gezeigt?

Ja. Das war wahnsinnig emotional. In der Zwischenzeit sind manche Bewohner, die im Film noch vorkommen, schon verstorben.

Wie ist er beim Kinopublikum angekommen?

Der Film startet erst. Was ich aber an den internen Premieren und der Aufführung am Vision du Réel in Nyon festgestellt habe: Der Film ist unterhaltsam, er hat eine gewisse Leichtigkeit, aber trotzdem Tiefe. Im Gegensatz zu manch doch sehr schwerer Dokumentation. «Golden Age» funktioniert für ein breites Publikum.

Hinweis: Heute Donnerstag, 12. September, wird «Golden Age» im «Kinok» in St. Gallen, im «Cameo» in Winterthur und im «Luna» in Frauenfeld gezeigt. Weitere Spieldaten finden sich online.

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