«Es ist schade um jedes Leben»

Vergangenes Wochenende raste ein Autofahrer an der Bubentalstrasse in Flawil in den Gartenzaun der Familie Stock Wohlgensinger. Schon wieder. Vor fünf Jahren durchbrach ein Sportwagen den Zaun und prallte in die Hauswand.

Melanie Graf
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Ein alkoholisierter Autofahrer hat vergangenes Wochenende sein Auto im Garten der Familie Stock Wohlgensinger «einparkiert». (Bild: Melanie Graf)

Ein alkoholisierter Autofahrer hat vergangenes Wochenende sein Auto im Garten der Familie Stock Wohlgensinger «einparkiert». (Bild: Melanie Graf)

BUBENTAL. Samstagmorgen, 6. Dezember, 01.15 Uhr. Ein 24jähriger Mann fährt mit seinem Auto auf der Bubentalstrasse von Magdenau in Richtung Flawil. In der letzten Rechtskurve vor dem Weiler gerät das Auto auf der nassen Fahrbahn ins Schleudern. Das Fahrzeug rutscht über die linke Fahrbahn hinaus, über das Wiesenbord direkt in den Zaun der Familie Stock Wohlgensinger. Ein Schock für den Automobilisten, vor allem aber für die Hausbewohner. Obwohl für sie die Situation so neu nicht ist.

«Riesiges Glück»

«Wir sind wach geworden und sahen, dass einer sein Auto in unserem Garten <parkiert> hat», erzählt Astrid Stock Wohlgensinger. Der Mann sei ansprechbar gewesen und habe keine äusserlichen Verletzungen aufgewiesen. «Wir haben umgehend die Polizei informiert.» Diese stellte dann fest, dass der junge Mann alkoholisiert war. «Er war tatsächlich unverletzt» sagt sie, «hatte riesiges Glück.» Der hohe Thuja und der Zaun hätten den Aufprall abgefedert. Wäre das Fahrzeug 20 Zentimeter weiter gerollt, wäre es in eine Fichte geprallt.

Unfall mit Schwerverletzten

Weniger Glück hatte vor fünf Jahren ein 46jähriger Ferrarifahrer, der wegen überhöhter Geschwindigkeit in der gleichen Kurve über den linken Fahrbahnrand hinaus gerast war. Sein Wagen prallte erst gegen zwei Birken, durchbrach die Stock'sche Gartenhecke und prallte schliesslich gegen die Hauswand. Der Unfall forderte zwei Schwerverletzte. «In der Regel sind es nicht Ortsunkundige, die Unfälle verursachen. Es sind Einheimische, die die Strecke kennen», ist Astrid Stock Wohlgensinger überzeugt. Und es sei nicht immer Alkohol im Spiel. «Viele Leute überschätzen sich einfach und passen die Fahrweise nicht den Strassenverhältnissen an.» Man könnte doch vor der Kurve ein Signal anbringen, das auf die gefährliche Kurve aufmerksam macht, findet sie, oder auf der linken Strassenseite eine Leitplanke setzen.

Zu schnell unterwegs

«Auf der Bubentalstrasse ist kein Unfallschwerpunkt festzustellen. Sie ist keine aussergewöhnlich gefährliche Strasse, ein unmittelbarer Handlungsbedarf besteht daher nicht», sagt Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, auf Anfrage. In den vergangenen drei Jahren habe sich in diesem Bereich lediglich ein polizeilich registrierter Verkehrsunfall ereignet – den vom vergangenen Wochenende ausgenommen. «Uns ist bewusst, dass ausserorts häufig zu schnell gefahren wird, was zu Unfällen führen kann. Auch kommt es leider immer wieder vor, dass dabei Alkohol im Spiel ist.»

Augenschein am Ort

Laut einer früheren Recherche ereigneten sich zwischen 2005 und 2010 sieben polizeilich registrierte Unfälle, wobei vier Unfälle auf der Abzweigung in die Kantonsstrasse passierten. Auf die Frage, ob ein Gefahrensignal oder eine Leitplanke Optionen wären, antwortet Rezzoli, dass das Gefahrensignal «Rechts- oder Linkskurve» vor Kurven warne, die wegen ihrer Anlage (fehlende Überhöhung, starke oder ungleichmässige Krümmung der Fahrbahn) zur Reduktion der Geschwindigkeit zwinge. Bestehe Absturzgefahr, werde durch den Hoheitsträger der Strasse – im vorliegenden Fall die Gemeinde Degersheim – eine Leitplanke angebracht. Sie diene im wesentlichen dazu, das Abkommen eines Fahrzeuges von der Strasse zu verhindern und angrenzende Liegenschaften zu schützen. «Signale und Leitplanken sind kein Allerheilmittel», sagt Rezzoli. «Um die Situation vor Ort zu überprüfen, erfolgt in nächster Zeit ein gemeinsamer Augenschein mit der Politischen Gemeinde.»

Auf Winterbetrieb einstellen

«Wir können unser Haus nicht versetzen. Aber man könnte die Autofahrer auf die Kurve aufmerksam machen. Denn wenn man nichts macht, wird hier eines Tages jemand zu Tode kommen», ist Astrid Stock Wohlgensinger überzeugt. Sie appelliert an die Autofahrer, sich auf den Winterbetrieb und die entsprechenden Strassenverhältnisse einzustellen. Denn: «Es ist schade um jedes Leben», sagt sie.

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