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«Es ist kein Ende in Sicht»

Die Gesundheitskosten steigen stetig. Was steckt dahinter und wie entstehen sie? Kann dieser Trend gebremst werden? Diese und andere Fragen beleuchtete Tilmann Slembeck in seinem Referat in der Kantonsschule.
Monique Stäger

«Das Gesundheitssystem muss aus ökonomischer Sicht hinterfragt werden», so das Fazit von Tilman Slembeck. Slembeck ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der HSG und referierte im Rahmen der Vortragsreihe «Die HSG in der Region» am Dienstagabend in der Aula der Kantonsschule in Wil zum Thema Gesundheitsökonomie.

Die Kurve flacht ab

In der Schweiz werden durchschnittlich 13 Prozent des Einkommens für die Gesundheit ausgegeben. «Gleich viel wie für Essen und Trinken», so der Vergleich des Professors.

Anhand einer Grafik zeigte Slembeck auf, wie sich die Gesundheitsausgaben auf die Anzahl der «gesunden Lebensjahre» auswirkt. Diese verglich er mit den Pro-Kopf-Ausgaben für die Gesundheit, erfasst waren 28 Länder. «Bis zu einem Betrag von durchschnittlich 2000 US-Dollar pro Kopf und Jahr, steigt diese Kurve an, das heisst, die Anzahl der gesunden Lebensjahre steigt.» Anfangs steige die Kurve steil senkrecht, doch dann flache sie ab und senke sich sogar leicht. «So sieht man, dass bei Ausgaben von über 6000 Dollar pro Kopf und Jahr in den USA die Anzahl der gesunden Lebensjahre sogar leicht tiefer ist als in der Schweiz mit Jahreskosten von rund 4000 Dollar.

Auf die Frage aus dem Publikum, weshalb die Japaner deutlich mehr gesunde Lebensjahre bei tieferen Kosten haben, meinte Slembeck schmunzelnd: «Das wird der Fisch sein, kann aber auch an den Genen liegen.» Tatsache sei, dass nicht die Gesundheitsversorgung allein für die Gesundheit verantwortlich sei.

Gesund ist, wer gesund isst?

Massgeblichen Einfluss auf die Gesundheit habe laut BAG-Statistik die sogenannten sozioökonomischen Bedingungen und der Lebensstil. «Das heisst, dass Kultur, Bildung und Ernährung zu 40 bis 50 Prozent unsere Gesundheit beeinflussen,» erklärte der Professor. Die genetische Veranlagung falle mit 20 bis 30 Prozent ins Gewicht, ebenfalls rund 20 Prozent würden durch die Umwelt und die Wohnbedingungen beeinflusst. Das Gesundheitsversorgungssystem habe nur 10 bis 15 Prozent Einfluss auf die Gesundheit. «Und für diese 10 bis 15 Prozent geben wir in der Schweiz jährlich 65 Mrd. Franken aus, Tendenz steigend.» Da habe man als Ökonom schon gewisse Fragezeichen.

Diese Kostenspirale habe verschiedene Ursachen. «Stellen Sie sich vor, Sie stehen mit Ihrem Einkaufswagen im Einkaufszentrum an der Kasse und müssen nur 10 Prozent selber bezahlen. Da ist die Gefahr gross, dass man mehr einpackt als notwendig. Als weiteren Katalysator zur Ankurbelung der Kostenspirale nannte Slembeck den Kontrahierungszwang (siehe Kasten).

Kosten steigen weiter

«Werden die Kosten weiter steigen?» Diese Frage aus dem Publikum beantwortete Slembeck mit einem klaren Ja. «Es ist kein Ende in Sicht. Es ist möglich, dass für die Gesundheitskosten bis zu 20 oder auch 30 Prozent des Einkommens aufgewendet werden müssen.» Eine Möglichkeit, diesen Trend zu bremsen, sieht Slembeck in der Aufhebung des Kontrahierungszwanges. «Aber dies ist wohl politisch nicht durchsetzbar.

Weitere Referate im Programm

Im Rahmen der Vortragsreihe «Die HSG in der Region» stehen drei weitere Vorträge in der Aula der Kantonsschule auf dem Programm. Am 15. November referiert Ueli Kieser, Dozent für Sozialversicherungsrecht, am 22. November beschäftigt sich Michael Lechner, Professor für empirische Wirtschaftsforschung und Ökonometrie mit den Zusammenhängen zwischen sportlicher Aktivität, Gesundheit und Arbeitsmarkterfolg und am 29. November stellt Johannes Rüegg Stürm Überlegungen an zum Thema «Benötigen Spitäler eine Therapie?».

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