«Es ist alles erledigt»: Nach neun Jahren tritt die Uzwiler Gemeinderätin Dora Hadorn zurück

Mit der Neuorganisation der Galerie am Gleis hat Hadorn eine «Herzensangelegenheit» zu Ende gebracht.

Tobias Söldi
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Neun Jahre leitete die Sozialdemokratin Dora Hadorn das Ressort Kultur, Freizeit und Sport. (Bild: Tobias Söldi)

Neun Jahre leitete die Sozialdemokratin Dora Hadorn das Ressort Kultur, Freizeit und Sport. (Bild: Tobias Söldi)

Sie verabschieden sich Ende Jahr aus dem Gemeinderat von Uzwil. Warum?

Dora Hadorn: Ich habe mich in meiner Amtszeit vor allem mit der Galerie am Gleis beziehungsweise der ehemaligen Galerie zur alten Bank beschäftigt, in die ich sehr viel Energie gesteckt habe. Ich habe mir gesagt: Dieses Projekt will ich zu Ende bringen. Die Galerie liegt mir am Herzen. Mit dem Umzug an die Bahnhofstrasse und der Neuorganisation als Verein auf das neue Jahr hin habe ich dieses Ziel erreicht.

Warum haben Sie mit ihrem Rücktritt nicht das Ende der Legislatur 2020 abgewartet?

Irgendwann ist Zeit zum Gehen. In meinen 28 Jahren in Uzwil war ich 20 Jahre in irgendeiner Form für die Gemeinde tätig. Das ist eine gute Zahl. Ich verlasse den Gemeinderat mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Als Gemeinderätin waren Sie auch im Vorstand von Thurkultur vertreten, dem Verein zur Kulturförderung. Treten Sie auch da zurück?

Ja, auf die nächste Mitgliederversammlung hin, die im Frühling stattfindet. Bis dann werde ich noch im Vorstand bleiben.

Was waren die Höhepunkte in Ihrer Amtszeit?

Ein Highlight war auf jeden Fall der Bau des neuen Gemeindehauses. Auch bei der Realisierung des Begegnungsplatzes habe ich wahnsinnig gerne mitgearbeitet. Ich konnte Ideen einbringen, die auch umgesetzt wurden. Und natürlich war die Galerie am Gleis, der neue Standort und der Umbau, ein Höhepunkt. All das sind selbstverständlich Dinge, hinter denen immer ein Team steckt.

Was war schwierig?

Schwierig ist es, Entscheide zu treffen, die sachlich richtig, wichtig und nötig sind, aber gegen die eigene Überzeugung gehen. Auch die Budgetdiskussionen waren nie einfach. Da muss man zwischen dem Nötigen und dem Wünschbaren unterscheiden.

War einer dieser schwierigen Entscheide der umstrittene Beschluss des Gemeinderates im Jahr 2015, die Arbeitszeit zu verlängern? Bei Ihrer Partei, der SP, ist dieser auf Kritik gestossen.

Nein. Diesen Entscheid habe ich unterstützt, um das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Jobs bei der Gemeinde sehr sicher sind, egal ob die Gemeinde ein Defizit oder einen Überschuss aufweist, egal wie es der Wirtschaft geht. Bei privaten Unternehmen ist das ganz anders.

Dachten Sie jemals ans Aufhören?

Nein, niemals.

Was hat Sie über all die Jahre motiviert?

Ich habe grosse Freude an der Gestaltung des öffentlichen Raumes, daran, die Gemeinde attraktiver zu machen. Eine Zeit lang hatte Uzwil als Industriestandort grossen Nachholbedarf. Aber die Gemeinde bietet viel, man nimmt es manchmal nur gar nicht wahr.

Haben Sie Uzwil als Sozialdemokratin einen «linken Stempel» aufgesetzt?

Nein. Dafür bin ich zum einen zu wenig links positioniert – das weiss jeder, der mit mir zusammenarbeitet –, zum anderen ist der Gemeinderat nicht parteipolitisch unterwegs. Es wird über die Sache diskutiert, und nicht über die Partei.

Was hat sich in ihrer Amtszeit verändert?

Früher war es einfacher, Leute zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren, zum Beispiel in einem Verein. Aber auch in der Politik ist es so. Viele haben eine Meinung, aber einer Partei treten nur wenige bei. Auch das Bewusstsein für die Umwelt ist stark gewachsen in den letzten Jahren. Viele Leute beginnen, darüber nachzudenken.

Welche unerledigten Geschäfte hinterlassen Sie?

Keine. Es ist alles erledigt. Es wäre nicht meine Art, schwierige Dinge einfach weiterzugeben. Das Einzige, was uns noch beschäftigt, ist ein Rücktritt in der Freizeitwerkstatt. Da suchen wir noch eine Person für die Metallwerkstatt.

Welche Themen werden Ihre Nachfolger beschäftigen?

Das weiss ich nicht. Mit der Galerie fällt ein grosser Teil der Arbeit weg. Was aber wohl kommt, ist die Neugestaltung des Spielplatzes Wydenweg/Birkenstrasse.

Welche Pläne haben Sie für den Ruhestand?

Ich werde keine regelmässigen Verpflichtungen mehr eingehen. Diese Freiheit möchte ich mir behalten. Was ich aber sicher machen werde, ist, mich an Projekten zu beteiligen, vor allem im Umweltbereich.