«Es hat sich epochal verändert»

Ab nächstem Montag gibt es in der Geschäftsleitung der Regionalbank Acrevis nur noch ein Mitglied aus der ehemaligen Swissregiobank und der Bank in Bütschwil. Als zweitletzter Verbliebener tritt Urs Kuhn in den Ruhestand.

Hans Suter
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Urs Kuhn vor einer Aufnahme des Wiler Stadthauses Viktoria um 1910, das damals noch Restaurant Vier Jahreszeiten hiess. (Bild: hs)

Urs Kuhn vor einer Aufnahme des Wiler Stadthauses Viktoria um 1910, das damals noch Restaurant Vier Jahreszeiten hiess. (Bild: hs)

REGION. Genau genommen würde er erst in fünfzehn Monaten pensioniert. Im Rahmen organisatorischer Anpassungen bei Acrevis, die auch vor der Geschäftsleitung (GL) nicht haltmachen, hat sich Urs Kuhn «im Dienst der Sache» für den vorzeitigen Ruhestand entschieden. «Diese Strategie habe ich schliesslich selber mitentwickelt und auch umgesetzt.» Damit ebnet er den Weg zur Vereinigung des bisher von ihm geleiteten Bereichs Niederlassungen/Privatkunden mit dem Bereich Finanzierungen.

Eine Ära geht zu Ende

Mit dem Ausscheiden von Urs Kuhn gibt es in der Geschäftsleitung von Acrevis nur noch ein Mitglied, das zuvor bei der ehemaligen Swissregiobank oder der Bank in Bütschwil Einsitz in der Geschäftsleitung hatte. Acrevis ist 2011 aus der Fusion der Creditanstalt St. Gallen und der Swissregiobank entstanden. Die Swissregiobank ihrerseits war das Fusionsprodukt der damaligen Bank in Gossau mit der Bank in Bütschwil. Urs Kuhn war vor der Fusion zur Acrevis Vorsitzender der Geschäftsleitung der Swissregiobank mit Sitz in Gossau.

Anspruchsvoller geworden

Die Banken in der Schweiz sind im Wandel. Auch die Regionalbanken. «Im Verlauf der vergangenen 30 Jahre hat es epochale Veränderungen gegeben», sagt Urs Kuhn. «Übernahmen und Fusionen sind nur ein Teil davon.» Als tiefgreifendste Veränderungen in seiner 30jährigen Banklaufbahn bezeichnet Urs Kuhn das Einführen hoch technisierter digitaler Informationsplattformen anstelle von Bankbüchlein und «Papierbuchhaltung», die stark zunehmende Regulierung durch den Gesetzgeber und die «enorm anspruchsvoller» gewordenen Sicherheitsvorkehrungen.

«Aber auch das veränderte Kundenverhalten», sagt Urs Kuhn. Doch was heisst das? «Für viele Kunden ist die Bank einfach eine Bank. Nicht wenige sehen sie nur noch als Abzockerin», bedauert er. Zu schaffen machen ihm aber auch die gesunkenen Zinsmargen. Der Ausgleich dazu sei nur über Wachstum zu erreichen. Doch auch das habe seine Tücken, denn es brauche in erster Linie qualitatives und nicht einfach nur quantitatives Wachstum. Zur Verdeutlichung nennt Urs Kuhn ein Beispiel: «Für die anspruchsvollen Konsumentinnen und Konsumenten von heute ist es eine Selbstverständlichkeit geworden, bei Migros günstige Milch der M-Budget-Linie und danach im Fachgeschäft nebenan für 2000 Franken eine Tasche von Louis Vuitton zu kaufen.»

Kunde wünscht Exklusivität

Die Zukunft der Banken sieht Urs Kuhn in noch verstärkter individueller Fokussierung auf den Kunden. «Der Kunde wünscht Exklusivität, Zeit und Aufmerksamkeit», ist Kuhn überzeugt.» Und: «Grobe Fehler kann sich eine Bank heute kaum mehr leisten.»

Mit welchem Gefühl geht er nun in den Ruhestand? «Mit einem guten. Es war eine gute Zeit.»