Es gibt nichts zu verstecken

«Ein Jahr an der Stirnseite des Tischs» Wiler Zeitung vom 23. Mai 2015

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LESERBRIEF

Hochachtung vor dem Leistungsausweis von Ursula Künzle als Schulratspräsidentin der Oberstufe Sproochbrugg. Sie übt ihr Amt aus als selbstbewusste Frau mit einem charmanten Lächeln, als Mutter von vier bald erwachsenen Kindern. Sie und ich haben sogar Gemeinsames, nämlich die Freude am Erlernen der spanischen Sprache. Umso mehr hätte ich gerne gewusst, welche Ausbildung sie absolviert hat. Nicht, um zu werten, sondern auch der Vollständigkeit halber. Denn, es gibt nichts zu verstecken. Im Gegenteil. Dass Ursula Künzle eine Nische gefunden hat, das heisst eine Arbeit zu 30 Prozent ausüben können neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau und Mutter, finde ich super. Ausserdem ist diese Arbeit für die Gesellschaft sehr bedeutend, und sie zeigt, dass immer mehr Frauen selbstbewusst ihren «Mann» stehen. Das freut mich besonders als ehemals berufstätige Mutter und Hausfrau.

Liegt es an den Journalisten, dass solch wichtige Informationen nicht bekannt gegeben werden? Schon beim Artikel vom Rückzug der CVP-Kantonsrätin Frau Margrit Stadler wurde praktisch nichts über ihre Ausbildung geschrieben. Dabei gehört das auch bei den Frauen dazu. Bei den Männern wird diese Information selten bis gar nicht weggelassen. Oder täusche ich mich? Diese Details gehören aber dazu, sei es vor allem, um zu zeigen, was man mit all den verschiedenen Ausbildungen, auch nicht «höherer Schulung», in der Schweiz alles erreichen kann. Wenn man sich tagtäglich anstrengt und Neues dazu lernt in dem jeweiligen Wirkungskreis, auch ohne unbedingt in die Schule zu gehen. «Learning by doing» ist doch auch ein wichtiger Wahlspruch. Gepaart mit einer Integrität, die eine Vorbildfunktion für viele Menschen haben soll. Dies von Seiten einer Frau, die eine höhere Schulbildung geniessen durfte, die aber deswegen nicht mehr Wert hat. Ich musste mich täglich in meinem Beruf als Sprachlehrerin bewähren und lernte immer wieder Neues dazu. Zu meiner Zeit (Jahrgang 1951) war eine gute Ausbildung für Frauen weniger selbstverständlich als heute, und ich bin meiner Mutter dankbar, dass sie sich damals für mich einsetzte.

Ich wünsche Ursula Künzle von ganzem Herzen viel Erfolg und Durchhaltevermögen, um in dieser doch noch immer sehr von den Herren der Schöpfung dominierten Welt zu bestehen.

Elisabeth Frehner-Isenring Winkel 8a, 9245 Oberbüren