«Es gibt immer weniger Händler»

Die Vereinigung regionaler Automobil-Vertragshändler sieht sich zunehmendem Wettbewerb ausgesetzt. «Jeder Markenhändler hat sich stets dem sich verändernden Markt anzupassen», sagt VAV-Präsident Marcel Wolgensinger.

Hans Suter
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VAV-Präsident Marcel Wolgensinger hofft, dass Autofahrer vermehrt auf Modelle mit Elektro- oder Hybridantrieb und abgasarme Motoren setzen. (Bild: Hans Suter)

VAV-Präsident Marcel Wolgensinger hofft, dass Autofahrer vermehrt auf Modelle mit Elektro- oder Hybridantrieb und abgasarme Motoren setzen. (Bild: Hans Suter)

Mit welchen Erwartungen blickt das regionale Automobilgewerbe in das Geschäftsjahr 2016?

Marcel Wolgensinger: Das Automobilgewerbe wird sich einem harten Wettbewerb stellen müssen. Der Kampf gegen den Individualverkehr wird sich noch verstärken. Neue Hindernisse und Vorschriften werden dies bestätigen. Unsere Siedlungspolitik mit weit auseinanderliegenden Wohn- und Arbeitsplätze ruft nach dem Individualverkehr. Somit wird das Auto auch dieses Jahr eine wesentliche Rolle spielen und muss unterhalten und repariert werden.

Was bereitet Sorgen, wo liegen die Chancen?

Wolgensinger: Jeder Markenhändler hat sich stets dem sich verändernden Markt anzupassen. Dies ist eine Aufgabe, die bewältigt werden muss, damit sie nicht zur Sorge wird. Mit dem Verkauf von Neufahrzeugen werden die älteren, nicht mehr umweltfreundlichen aus dem Verkehr gezogen. Dies dient nicht nur dem Autofahrer, sondern der Allgemeinheit. Die neuen Modelle mit Elektro- oder Hybridantrieb und die neuen abgasarmen Motoren sollen den Autofahrer zum Wechsel bewegen.

Stehen im Automobilgewerbe grössere Veränderungen bevor?

Wolgensinger: Das gesamte Schweizer Händlernetz ist im Umbruch. Die meisten Hersteller verringern die Zahl der Händler und setzen auf regional grössere Betriebe. Die kleineren Garagen können teilweise die Vorschriften bezüglich Corporate Identity (CI), Showroom-Grösse, Einrichtung und Schulung nicht mehr erfüllen. Nur ein grosses Verkaufsgebiet und damit ein grosser Umsatz an Neuwagen und eine grosse Zahl an Werkstattkunden helfen, diese Infrastrukturkosten zu tragen. Diese Tendenz ist auch in unserer Region zu erwarten.

Wie viele Beschäftigte zählt das Automobilgewerbe in der Region?

Wolgensinger: Als Präsident der VAV kann ich nur über die Mitgliedbetriebe sprechen. Wir sind neun Betriebe mit 270 bis 300 Mitarbeitenden. Das bedeutet ein Einkommen für viele Familien. In der Region Wil gibt es viele Betriebe, die sich mit dem Auto beschäftigen. Sei es mit dem Verkauf von Neu- und Occasionswagen oder mit dem Unterhalt in Sachen Service , Reparaturen, Pneu, Carrosserie-Reparaturen oder Malerarbeiten. Viele dieser Betriebe sind nicht an Marken gebunden. Die VAV-Mitglieder sind Markenbetriebe, die vertraglich an eine oder mehrere Marken gebunden sind. Diese haben in jeder Hinsicht die Vorgaben des Herstellers zu erfüllen. Der Hersteller verpflichtet die Markenhändler, die CI einzuhalten, das Personal immer auf dem neuesten Stand auszubilden, höchste Qualität der Arbeit zu gewährleisten und alle Vorgaben beim Fahrzeugverkauf einzuhalten. Ebenso wird der Markenvertreter nur vom Hersteller geprüfte Teile verwenden. VAV-Betriebe verpflichten sich, diese Standards einzuhalten.

Gibt es regionale Besonderheiten?

Wolgensinger: Jede Gegend der Schweiz ist hinsichtlich Strassen, Bergen und Agglomerationsgrösse verschieden. Die Wahl der Fahrzeugmodelle ist deshalb je nach Region anders. Der 4×4-Anteil ist in hügeligen Gebieten grösser als im Flachland oder in der Stadt. Auch die Kaufkraft ist nicht überall gleich. Auf der Achse St. Gallen–Wil–Zürich zum Beispiel gibt es eine hohe Anzahl Autos der gehobenen Mittelklasse.

Wie gestaltet sich die Situation hinsichtlich Direktimport?

Wolgensinger: Der Direktimport ist eine Tatsache, mit der wir leben müssen. Der Wert des Frankens gegenüber dem Euro hat den Direktimport beschleunigt. Wie gross der Vorteil wirklich ist, lässt sich erst nach dem Kauf abschätzen. Dann zeigt sich, ob es ein Schnäppchen war. Punkte sind zum Beispiel Ausstattung, Optionen und Garantie. Die Branche hat aber rasch reagiert. Neufahrzeuge in der Schweiz werden mit währungsbedingten Nachlässen verkauft, was die Differenz zum Direktimport schmälert.

Welches sind die Herausforderungen in den nächsten Jahren?

Wolgensinger: Die industrielle Revolution, wie sie am WEF aufgezeigt worden ist, betrifft die ganze Automobilbranche. Die Elektronik wird grosse Veränderungen bringen, an die wir auch unsere Betriebe anpassen müssen. Neue Berufe, personelle Anpassungen, Personalschulung und Investitionen in die Werkstätten werden uns beschäftigen.

Hat der aktuell tiefe Benzinpreis Auswirkungen beim Autokauf?

Wolgensinger: Der aktuelle Benzinpreis wird meines Erachtens keine grosse Steigerung der Verkäufe bringen. Vielmehr zählt der immer geringere Treibstoffverbrauch der neuen Motoren.

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