«Es geht um das Kind»

Die Interessengemeinschaft Schule Degersheim (IGSD) stand letzten Herbst kurz vor ihrer Auflösung. Eine neu formierte Kerngruppe verhinderte dies.

Melanie Graf
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Degersheim. Elternmitwirkungen in Schulen, wie es die Interessengemeinschaft Schule Degersheim ist, schossen in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden. Laut einer Umfrage des kantonalen Bildungsdepartements im Frühjahr 2009, installierte bisher ein Drittel der Schulträger die Elternmitwirkung. Somit dürften es im Kanton St. Gallen rund 30 Elterngremien sein. Ein weiterer Drittel ist daran, die Elternmitwirkung aufzubauen.

Das kantonale Bildungsdepartement fördert die Elternmitwirkung, indem es Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit leistet, will es aber nicht obligatorisch erklären. Die IGSD wurde vor drei Jahren von Eltern als Elternforum gegründet. Doch im letzten Herbst begann die IGSD zu kränkeln. Drei von fünf Kerngruppenmitgliedern traten zurück. Die IGSD stand vor dem Aus.

Kein Rückhalt

Die beiden verbleibenden Kerngruppenmitglieder bildeten eine neue Arbeitsgruppe. Diese überarbeitete den Leitfaden, machte aus dem Elternforum einen Elternrat. Der Schulrat hat dem neuen Leitfaden inzwischen zugestimmt. Neu ist, dass an den Elternabenden nach den Sommerferien jeweils zwei Elternteile pro Klasse als Klassendelegierte gewählt werden. An der Vollversammlung, jeweils im November, soll eine Schulhausdelegation erstellt werden.

Diese trifft sich, zusammen mit den Lehrpersonen, zwei- bis viermal im Schuljahr, um sich auszutauschen. Der neu gegründete Elternrat ist nun Sache der Schule und der IGSD. Die Eltern wurden vor Kurzem an einem Elternabend über die Neuerungen informiert. Rudolf Baumann, ehemaliger Leiter des Elternforums, sagte, dass die beiden Kerngruppenmitglieder und er aus verschiedenen Gründen zurückgetreten seien. Man habe unter anderem zu wenig Rückhalt aus der Elternschaft und Schule erfahren.

Das Interesse am Elternforum sei nur mässig gewesen. Gut besucht waren die Anlässe, die Vorträge über Erziehung beispielsweise. Hier sei das Bedürfnis der Eltern sehr gross. Doch an der Motivation auch mitzumachen habe es gehapert. Er finde es schade, dass aus dem Elternforum, ursprünglich als Diskussionsplattform gedacht, nun ein Elternrat entstanden sei. Er hoffe aber, dass etwas Gutes dabei herauskomme. «Es ist nicht so, dass das Elternforum keinen Rückhalt erhalten hat.

Gemeinsam hatten damals die Vertreter der IGSD und der Schule abgemacht, dass wir es ganz auf der Schiene der freiwilligen Mitarbeit durch die Eltern versuchen wollten», sagt Christoph Ackermann, Schulleiter von Primarschule und Kindergarten Degersheim und neu auch Mitglied in der Kerngruppe. Es sei aber ernüchternd gewesen zu sehen, dass die Eltern ausserhalb der Kerngruppe kaum Interesse zeigten. Vollversammlungen und Anlässe blieben schlecht besucht und fanden wenig Zuspruch.

Der Rücktritt eines grossen Teils der Kerngruppe brachte die Grundsatzfrage mit sich, ob die IGSD weiter bestehen könne. Der Schule war das Weiterbestehen ein Anliegen, und darum habe man entschieden, wieder im gemeinsamen Gespräch die IGSD durch Klassendelegierte verbindlicher abzustützen.

Macht Sinn

Ingrid Schiltknecht, aktuelles Mitglied der Kerngruppe, vermutet, dass die Erwartungen an die IGSD zu hoch gesteckt worden seien, dass Unsicherheit unter den Eltern herrschte und dass die Ziele zu wenig deutlich verstanden wurden.

Aller Anfang ist schwer, Edith Hug greift auf die Erfahrung von andern Elterngremien zurück: «Die ersten fünf Jahre nach der Gründung einer Elternmitarbeit verlaufen harzig.» Christoph Ackermann, Andrea Hagmann, Alois Holenstein, Edith Hug, Ingrid Schiltknecht und Basri Zeneli bilden nun die Übergangskerngruppe. Sie ist derweil auf der Suche nach Leuten, die sich im November in die neue Kerngruppe wählen lassen.

«Für uns ist es wichtig, dass die Schule und die Eltern zusammenarbeiten können», sagt Ingrid Schiltknecht. Die IGSD mache Sinn, denn am Ende gehe es um die Kinder.