Es geht immer nur ums Alter

Wer einmal 50 Jahre alt wird, dem sagt man nach, dass er sich «auf dem Heimweg» befinde. Wer 65 Jahre geworden ist, dem gratuliert man zur Pension und fragt ihn, ob er gedenke, noch ein paar Jahre im Arbeitsprozess zu verbleiben.

Urs Nobel
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OLYMPUS DIGITAL CAMERA (Bild: Urs Nobel)

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Wer einmal 50 Jahre alt wird, dem sagt man nach, dass er sich «auf dem Heimweg» befinde. Wer 65 Jahre geworden ist, dem gratuliert man zur Pension und fragt ihn, ob er gedenke, noch ein paar Jahre im Arbeitsprozess zu verbleiben.

Wer hingegen erst 60 ist und das Pech hat, schon graue – silberne – Haare zu haben, sieht sich dauernd damit konfrontiert, Fragen dahingehend beantworten zu müssen, wie er damit zurechtkomme, plötzlich über so viel Freizeit zu verfügen und ob er sich das Altersguthaben habe auszahlen lassen. Er kriegt auch nett gemeinte Einladungen von Mitgliedern der Jahrgängervereine, welche ihre Aktivitäten anpreisen, so nach dem Motto: «Du als sportbegeisterter Mann müsstest in unsere Velogruppe eintreten. Manchmal unternehmen wir bei Wind und Wetter Touren bis zu 100 Kilometer im Tag und schaffen dabei locker 500 Höhenmeter.»

Um Himmels willen, noch geht es fast fünf Jahre bis zur Pensionierung. Und die zu erwartende Freizeit soll auf keinen Fall auf dem Rennrad verbracht werden. Wer will sich denn schon den Hintern wund schürfen? Mit noch Älteren an einem runden Tisch im Stammlokal zu sitzen und über Gott und die Welt oder über Sport und die Zürcher zu diskutieren, scheint hingegen reizvoll.

Weil das Alter bekanntlich auch unvernünftig macht, hockt sich der frisch Pensionierte dann aber doch einmal auf den Drahtesel und unternimmt eine kleine Tour. Selbstverständlich nur bei schönem Wetter und an einem offenen Gartenbeizli wird nicht vorbeigefahren. Und es wird ihn auch nicht mehr stören, wenn er nach seiner Pensionskasse oder der AHV gefragt wird, denn die hat er sich dann verdient. Aber, noch ist nicht Schluss, die Pensionierung noch weit weg. Wetten, dass trotzdem immer wieder Fragen zu diesem Thema gestellt werden?

urs.nobel@wilerzeitung.ch