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Erste Zweifel am Leuchtturmprojekt der Wiler Klimapolitik

Der Anschluss an das Fernwärmenetz ist ein wichtiger Schritt zur Realisierung des kommunalen Energiekonzepts. Für Markus Hilber, ehemaliges Mitglied der TBW-Geschäftsleitung, ist das Projekt jedoch zum Scheitern verurteilt. Er warnt vor einem finanziellen Fiasko.
Gianni Amstutz
Die Stadt Wil soll gemäss Plänen des Stadtrats in Zukunft mit Wärme vom Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid versorgt werden. (Bild: PD)

Die Stadt Wil soll gemäss Plänen des Stadtrats in Zukunft mit Wärme vom Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid versorgt werden. (Bild: PD)

80 Prozent der benötigten Wärmebedarfs der Stadt Wil sollen bis 2050 durch erneuerbare Energien abgedeckt sein. So lautet zumindest die Zielvorgabe im kommunalen Energiekonzept. Das ist durchaus ambitioniert, liegt doch der Anteil derzeit bei sechs Prozent. Das Leuchtturmprojekt des ökologischen Wandels soll dabei der Anschluss ans Fernwärmenetz des Zweckverbands Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) sein.

Rund einen Drittel des Wärmebedarfs soll dadurch gedeckt werden, und somit als klimapolitische Massnahme einen der «grössten Beiträge zur C02-Reduktion» leisten, hält der Stadtrat in Bericht und Antrag an das Stadtparlament fest. Nebst dem ökologischen Vorteil soll das Wärmenetz zudem auch wirtschaftlich konkurrenzfähig sein.

Voraussetzungen bereits vor 30 Jahren ungenügend

Dass es darüber aber unterschiedliche Ansichten geben kann, hat die Sitzung des Parlaments von vergangenem Donnerstag gezeigt. Die Legislative zeigte sich dem Projekt gegenüber zurückhaltend. Ein Antrag auf Rückweisung an die Werkkommission scheiterte nur knapp. Letztlich setzte sich eine Kompromisslösung durch. Anstatt der vom Stadtrat geforderten 1,3 Millionen Franken für den Projektierungskredit, sprach das Parlament sich für eine Etappierung aus und genehmigte vorerst nur 500000 Franken.

Grund für die kritische Haltung gegenüber dem Projekt war ein Schreiben von Markus Hilber. Der ehemalige FDP-Stadtparlamentarier verfügt mit über 25 Jahren in der Geschäftsleitung der Technischen Betriebe Wil und beruflicher Erfahrung in der Fernwärmebranche über profunde Kenntnisse in diesem Bereich. Hilber lässt in seinem Brief an die Stadtparlamentarier kein gutes Haar am geplanten Projekt, bezeichnet es als «hohes Risiko» und warnt vor einem «finanziellen Fiasko». Und weiter:

«Der Zenit für neue Fernwärmeversorgungen ist überschritten»

Bereits als die Stadt vor 30 Jahren Machbarkeitsstudien zu einer möglichen Erschliessung Wils mit Fernwärme vom ZAB erstellt habe, sei man zum Schluss gekommen, dass die Voraussetzungen ungenügend seien. Und dies, obwohl damals der günstigste Zeitpunkt gewesen sei, so Hilber. Seither hätten sich die Vorzeichen nicht etwa verbessert, sondern erheblich verschlechtert. Dies vor allem deshalb, weil durch Gebäudesanierungen der Wärmebedarf in den vergangenen Jahren sich teils mehr als halbiert habe und Neubauten nach Minergiestandards gebaut würden. Weiter fehle es in Wil an den für das Projekt nötigen Grosskunden, die für die dessen Wirtschaftlichkeit unverzichtbar seien. Die Firma Stihl käme beispielsweise nicht in Frage und die Psychiatrie St. Gallen Nord verfüge über ein eigenes Nahwärmenetz.

Glaube in Potenzial von Fernwärme unerschüttert

Der zuständige Stadtrat Daniel Meili stimmt Markus Hilber zwar in vielen Punkten zu, widerspricht jedoch gleichzeitig der Grundaussage. So sei es korrekt, dass Grosskunden für den Erfolg des Projekts ein entscheidender Faktor seien, wie der Stadtrat dies auch in Bericht und Antrag erwähnt habe. Ebenfalls zutreffend sei, dass die Firma Stihl nicht als Kunde in Frage komme. Dies sei jedoch in der Machbarkeitsstudie berücksichtigt worden. Ebenso, dass die Psychiatrie St. Gallen Nord über eine eigene Wärmeversorgung verfüge. Diese werde zurzeit jedoch mit Gas gespeist und komme deshalb sehr wohl für den Anschluss an das Fernwärmenetz in Frage, sagt Meili.

Zudem existierten genügend weitere potenzielle Grosskunden. Dazu zählten beispielsweise auch neue Überbauungen, die heutzutage energetisch in einem gesamtheitlichen Konzept erschlossen würden.

«Nur schon die städtischen Gebäude wie zum Beispiel die Wärmezentrale Lindenhof bergen ein grosses Potenzial.»

In der Analyse habe man die einzelnen Parzellen genau untersucht. Dabei habe man Gebiete, bei denen eine Erschliessung mit Fernwärme wenig Sinn mache, wie beispielsweise Rossrüti, Ölberg und Nieselberg, bereits ausgeschlossen. Von den übrigen sollen im Moderate-Case-Szenario, welches der Stadtrat anstrebt, dereinst 75 Prozent mit Fernwärme erschlossen werden.

Den zwei früheren Machbarkeitsstudien, die 30 und mehr Jahre alt sind, könne man heute nicht mehr viel Wert beimessen, sagt Daniel Meili. Zwar sei der Wärmebedarf bei einigen sanierten oder neu gebauten Gebäuden kleiner als noch damals, wie es Markus Hilber in seinem Schreiben erwähnte. Eine entsprechende Verbrauchsreduktion von 25 Prozent sei jedoch in die Machbarkeitsstudie eingeflossen. «Durch das verdichtete Bauen versorgen wir heute aber bis zu viermal mehr Personen auf der gleichen Grundfläche.» Zudem kämen in Zukunft beispielsweise mit den Überbauungen des Zeughaus- und des Kindlimann-Areals sowie insbesondere auch dem Entwicklungsschwerpunkt Wil West Gebiete mit einem hohen Potenzial für das Fernwärmeprojekt hinzu.

Ausserdem erwartet Meili, dass sich die Wirtschaftlichkeit der Fernwärme künftig noch erhöhen wird. «Einerseits durch ein gesteigertes Umweltbewusstsein, anderseits durch höhere Preise für fossile Brennstoffe, die durch CO2-Abgaben weiter steigen dürften», sagt Meili. Sogar mit dem Worst-Case-Szenario, bei dem nur 50 Prozent der potenziellen Kunden den Umstieg auf Fernwärme vollziehen, sei das Projekt noch finanzierbar. Dann dauert es allerdings länger, bis die Kosten amortisiert seien.

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